Grand Prix 2011

Auch in diesem Jahr soll es an dieser Stelle wieder etwas Berichterstattung zum Grand Prix geben. Nun aber mit einem Novum: Wir werden live berichten!

Dank softwareseitiger Lösungen wie CoverItLive wird es hier am 14.05.2011 ab ca. 18 Uhr mit einer kleinen Einstimmung losgehen und danach wird live über die aktuellen Ereignisse auf der Mattscheibe berichtet. Dazu lassen wir ein paar Weisheiten und Erkenntnisse von twitter mit einfließen und schauen mal, was uns sonst noch so einfällt.

Und wer auf das Warten fast noch mehr abfährt, als auf den tatsächlichen Bericht, der kann sich von dieser Seite in Atem halten lassen: http://differentialdiagnose.coverpage.coveritlive.com

617 Tage…

…ist es her, dass ich mich wohl gefragt habe, wie eigentlich diese »locate me«-Geschichte auf dem iPod touch funktioniert. Ich glaube, das ist ein unendlich spannendes Thema und die Antwort darauf habe ich bestimmt schon mal gehört und anschließend in der mentalen Schublade abgelegt, in der auch all die anderen spannenden Informationen ruhen, an die ich mich erst wieder erinnern kann, wenn sie mir von jemand anderem wieder »neu« erzählt werden.

Und wenn bei irgendjemand anderem noch Bedarf besteht, hätte ich hier noch eine spannende Info abzugeben: Olaf Palme wurde ja bekanntermaßen auf dem Weg vom Kino nach Hause ermordet, der Film den er sich zuvor angesehen hatte, war »Bröderna Mozart«, eine schwedische Komödie von 1986.

Den werde ich mal mit auf meine Filmliste setzen…

Tag 11 – New York – Bye, bye, bye…

 

alternativer Titel dieses Eintrags: Raindrops keep falling on my head

Wechselkurs 1€/1,3514$

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Picture is not related…

Am letzten halben Tag in New York und somit auch in den USA ging für uns beide nicht mehr sonderlich viel. Es gab ein umfangreiches Frühstück mit Rührei, Kartoffeln und einem Tuna Melt Bagel (genauer gesagt nur einem halben, die andere Hälfte hatte es dann zwar noch bis nach Berlin aber auch direkt in meinen Mülleimer geschafft). Schuld an dieser Verschwendung war die nette ältere Dame, die uns an diesem Morgen bediente und mir mit ihren gefühlten 250 Jahren Berufserfahrung nicht nur in einer Bierruhe sämtliche mir zur Auswahl stehenden Ei-Zubereitungsarten herunterbeten konnte, sondern auch noch ein paar Bratkartoffeln mit andrehte, da ich wohl irgendwie so aussah, als wenn ich die gebrauchen könnte.

New York zeigte sich von seiner abschiedsfreudigsten Seite und präsentierte ein wunderbares Wetterchen, um wieder nach Hause zu fliegen. Im Dauerregen und irgendwann dann ziemlich durchgeweicht hatten wir noch ein paar Touri- und Mitbringselsachen besorgt und dann versucht, in der Hostel-Lobby zu chillen. Leider war die weniger Lobby als Mini-Sitzecke am Empfang, also gingen wir noch einmal ums Karree.

Im Europa-Café (lustig, was Amerikaner so für europäisch halten!) konnten wir noch etwas abhängen, ohne dass wir direkt nach dem Kaffee rausgeworfen worden wären und vertrieben uns die Zeit mit kleinen Spielchen auf dem iPhone, die wir noch vor zwei Jahren mit Begeisterung auf kariertem Papier gespielt hätten.

Sichtlich planlos, was mit den letzten Minuten anzufangen wäre machten wir uns dann ziemlich früh zum Flughafen auf. Nahmen noch ein teures Bier/eine teure Cola in der Flughafenbar zu uns und konnten etwas schlechten internationalen Fussball geniessen.

Auf dem Rückflug nach Berlin gab es dann wenig Schlaf und ein Filmprogramm bestehend aus den drei Titeln »The Secret Life of the Bees«, »Love Happens« und »The Invention of the Lie«, an die ich überhaupt keine Erinnerung what-so-fucking-ever mehr habe, so sehr müssen sie mich wohl berührt haben.

Und dann waren wir auf einmal wieder zu Hause und hatten einen Kampf mit Mister Jet Li…äh Lag…auszutragen, den nur fünfzig Prozent der Reisegruppe bestehen sollten. Und ich war es nicht. Now make an educated guess!

Tag 10 – New York – Knishtief downtown

alternativer Titel dieses Eintrags: Senda salami to your boy in the army
Wechselkurs 1€/1,3599$

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Wraps, die Leibspeise der indigenen amerikanischen Rap-Kapelle Wu-Tang-Clan, deren Name durch eine Verkürzung des Crew-Namens »W« und deren Lieblings-Gesangsstil »rap« Anfang des 19. Jh. entstand. Wichtig sind in der leichten Frühstücksvariante die Bratkartoffeln wegen des übersättigenden Effekts und das Stück Orange, weil es ein fröhlich bunter Klecks auf dem Teller ist.

Dieser Tag begann, wie sollte es anders sein, mit einem dicken Frühstück. Diesmal in der 14th St. und direkt nach der wenig cleveren Entscheidung, einen Boston Kreme Donut vorwegzuschicken. Das stellte sich besonders im Hinblick auf die folgende langanhaltende Übelkeit als so etwas wie ein Fehler heraus.

Da es unser letzter kompletter Tag in den USA werden sollte, gedachten wir, diesen für einen kleinen Einkaufsbummel zu nutzen. So besorgten wir also ein paar Geschenke und Mitbringsel für die Lieben und die weniger Lieben daheim, konnten aber weiterhin keinen Laden finden, der einem ein paar nette Converse verkaufen wollte. Statt dessen standen wir plötzlich vor einem einem Beauty Spa mit einem zumindest fragwürdigen Angebot…

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$100?! Da muss es doch jemandem geben, der es einem günstiger macht…

Wer eine alternative Aussicht aus einer deutlich geringeren (im Vergleich zum Empire State Bldg. u.ä.), aber immer noch sehr brauchbaren Höhe genießen möchte, der kann sich auf den Weg zum Hotel Bowery (3rd Ave./3rd. St.) machen. Mit jugendlichem Übermut und dem Gehabe eines Gastes in diesem Hause sind wir an den Pagen und der Dame am Empfang vorbeigeglitten, scharf links eingschlagen, als wüssten wir, was wir tun und fanden uns dann glücklicherweise vor dem Fahrstuhl wieder. Mit dem kann man so hoch fahren, wie es eben nur möglich ist, muss dann aber noch zwei, drei Etagen zu Fuß gehen und findet sich dann vor der Tür zur Terrasse, die etwas wackelig wirkt, dafür aber komplett menschenleer ist und einen netten Blick auf die Nachbarschaft eröffnet.

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Gegenüber vom Hotel gab es dann einen ersten Milchkaffee des Tages, in der Hoffnung, die dünne Brühe, die uns nun schon seit über einer Woche beim Frühstück vor den Latz geknallt wurde, vergessen zu machen. Und wenn es schon keine Schuhe für uns zum Anziehen geben sollte, dann doch wenigstens einen Bio-Öko-Kaffee, der einem diese auszieht.

Vollkommen kaffeeverstrahlt humpelten wir dann weiter an den Ort, wo Harry Sally traf, oder zumindest in den Laden, in dem sie ihm so eindrucksvoll einen vorgetäuschten Orgasmus vorgeführt hat – Katz’s Delicatessen. Da ich schon häufig davon gelesen hatte, aber nie wirklich wusste, was es tatsächlich ist, gönnte ich mir dort ein Pastrami-Sandwich. Ein Sandwich, dass sich als das teuerste der Welt (zumindest meiner kleinen) herausstellte und von dem ich nicht einmal ein Foto angefertigt habe. Da der gute, junge Mann den Senf vergessen hatte, wurde der Verzehr eine nicht nur unglaublich fettige, sondern auch trockene Angelegenheit, aufgeheitert nur durch die salzigsten Gurken, die auf Gottes grüner Erde wandeln und mir in ein paar Blätter Papier eingeschlagen wurden, was ein suppiger Spaß wurde.

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Katz’s Delicatessen – und jeder berühmte Amerikaner war schon dort und hat sich mit einem Lächeln für die Wall of Fame ablichten lassen.

So gestärkt, dehydriert und mit puckernden Herzkranzgefässen ging es weiter in den Law and Order-District, bekannt aus Film und Fernsehen und schließlich, aus offensichtlichen Gründen, auf die Avenue of the Finest.

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Die Ambulette, nicht nur eine platzsparende Kombination aus Ambulance und Bulette, sondern auch eines der Imbissmobile, das Hungerleidenden rasch eine Frikadelle in die hohle Hand zaubert.

Man ahnt es sicher schon seit Tag eins und auf Grund der frequenten unterschwelligen Fuß-Fetisch-Anspielungen, wir sollten doch noch mal Glück haben. Aber wie so oft im Leben mussten wir zuvor erst sämtliche Hoffnungen und ein Stück weit uns selbst aufgeben, bevor wir in das tatsächliche Einkaufsparadies kamen, das Stück vom Broadway das tief in Downtown NY liegt. So hieß denn endlich: sss – shoe shopping spree.

Allerdings stellten sich sowohl meine, in der Euphorie gleich im ersten Laden, der welche hatte, gekauften, als auch die mitgebrachten Chucks als je ungefähr eine halbe Nummer zu klein heraus, um damit noch so etwas wie Spaß zu haben. Und die schweren Adidas-Treter mögen zwar gut aussehen, bei den aktuellen Temperaturen aber sind sie alles andere als tragbar.

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Kommen wir zum single most major let-down der Reise, einem Spiel in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga. Bereits während der ersten Tage hatten wir uns Karten für die Knicks gegen die Bucks besorgt und so sahen wir diesem Ereignis mit einer gewissen Freude entgegen, u.a. weil Tracy McGrady gerade zu den Knicks gekommen war (oder hab ich das erst am Abend des Spiels erfahren?). Eine ausführliche Besprechung dieses Monate zurückliegenden Spiels können wir sicher bei Armin erbitten, wenn wir bei drei alle ganz laut seinen Namen rufen!

NBA hin oder her, das war schlimmer Basketball, den man auch in Europa eigentlich gar nicht sehen mag, lediglich ein Spieler der Bucks, dessen Name mir allerdings auch schon wieder entfallen ist, lieferte eine halbwegs akzeptable und unterhalsame Leistung ab und so konnten die Gastgeber verdient mit 67:83 aus der eigenen Halle gefegt werden.

Und wie immer, wenn man enttäuscht ist, gibt es eine Sache, die es wieder etwas besser macht: Pizza! Also holten wir uns in dem kleinen Laden unweit unseres Hostels ein paar Slices, Cola, Bier und Zigaretten und setzten uns noch eine Weile auf die Terrasse unserer Unterkunft, auf der es für Mitte Februar jetzt auch in New York erstaunlich angenehm war.

Tag 9 – San Francisco – Das Omelette des Todes

alternativer Titel dieses Eintrags: No pictures for you!

Wechselkurs 1€/1,361$

Das Ende rückt unaufhaltsam immer näher. Das ist eine allgemeingültige Wahrheit, der sich keiner entziehen kann, meist denkt man aber in größeren Zusammenhängen, so dass es einem wenig auffällt. Was unsere Reise anging, und im Speziellen die Zeit in San Francisco, gab es aber kein Entrinnen. Deshalb galt es, noch einmal the most out of now zu maken und deshalb sind wir zum Frühstück mit dem Bus nach Downtown SF gefahren, um uns der Urangst vor dem Abtreten zu stellen, materialisiert in Form des, mir schon lange bevor ich wusste, dass ich jemals hierher fahren würde angepriesenen, »Omelette des Todes«. Fachgerecht verzehrt von unserem internen Cholesterinberater Armin, der gern einmal etwas elaborieren darf, worauf es beim perfekten Omelette ankommt!

Was auch immer mich dazu getrieben hat, mich dieser Herausforderung nicht zu stellen – meine Todesphobie oder mein schier endloser Optimismus in nicht allzu ferner Zukunft eine zweite Chance aufs gerührte Ei zu bekommen – ich hatte mir an diesem Morgen ein paar Erdbeerwaffeln reingepfeffert.

Nach dem Frühstück stellten wir uns einer der letzten großen Herausforderungen unserer Zivilisation, dem richtigen Umgang mit Wartezeiten. Die Stadt war uns inzwischen hinlänglich vertraut und als Alterswohnsitz oder für ein paar mittlere Jahre abgenommen und so hieß es: Trödeln. Also schlugen wir die Zeit in ein paar Kaufhäusern tot und ergingen uns in ergebnislosen Überlegungen, wie denn eine Wendelrolltreppe funktionieren könne.


Man beachte Armins Versuch, mir bei Sekunde 10 subtil auf den Hintern zu filmen!

Für Armin gab es am Fuße der Rolltreppe neue Schonbezüge für seinen eigenen Fuße, aka. endlich die ersten Schuhe.

Halbseitig freudig gestimmt konnten wir unsere derben Warteskills dann in Inner Richmond noch ein wenig ausbauen. So ging es noch einmal durch die Clement St. bis es denn Zeit werden sollte, das Super Shuttle zum Flughafen zu nehmen. Zeit genug also, noch einmal eine Entdeckung zu tätigen und in dem verrückten Sandwichladen »Haig’s Delicacies« Verpflegung zu besorgen.

Endlich im Shuttle sitzend hatten wir gehofft, nur noch eine Person um die Ecke abholen zu müssen und damit Downtown meiden zu können, aber wie es nunmal so ist, das genaue Gegenteil trat ein – Danke, Eddie Murphy! (Der und seine Legislative immer…)

Dieser etwas längere Weg bot uns aber die Gelegenheit, uns noch mal abgrundtief für unsere Herkunft zu schämen, denn was kann man einem kasachischen Hitler-Fussball-deutsche Autos-Fan als Fahrer entgegnen, wenn der einem vehement zu erklären versucht, warum H. so ein »good man« war, was das Tolle an »unseren« Autos ist und das Olli Kahn einfach mal der Titan ist und bleibt?

Doch auch die größte Pein nimmt ein Ende (ich habe das Gefühl, das könnte zu meinem Credo werden, oder meiner Grabesinschrift…) und so gab es irgendwann einen Rückflug nach New York anzutreten.

Das on board-Filmprogramm bestand aus nur einer Nummer, »Where the wild things are«, oder wie Armin den Film nannte »dit mit dem Wolfskind«. Auch an Bord dieser Maschine gab es keine Verpflegung, aber wir waren ja mit Schnittchen von »Haig’s« ausgestattet. Trotzdem ist das eine große Schummelbude mit Alaska Air gewesen, denn deren Flug war »operated by American Airlines«, und die, liebe Kinder, gilt es zu meiden!

Sehr spät des nächtens kamen wir dann wieder in unserem New Yorker Hostel an und durften ein neues Doppelzimmer, dieses Mal mit Etagenbett, beziehen. Zum Wegdösen gab es dann noch bis 3:30 Uhr schlechtes amerikanisches Fernsehen (Tautologie?), u.a. mit unserem neuen Lieblingsformat »Lopez Tonight« aus Burbank, California, dem angeblich neuen Zentrum des Sonnensystems. Wer sich mal richtig ekeln will, der suche einfach einen Eröffnungsmonolog von Lopez bei YouTube und versucht, den durchzuhalten…

In dieser Nacht haben wir dann geschlafen wie Steine und es ist uns bis zum heutigen Tage nicht klar, ob es an den wunderbaren 40x80cm Kissen lag oder schier der Tatsache geschuldet war, dass nach so langer Zeit endlich wieder jeder eine Matratze für sich hatte. Ich meine bei aller durchlebter Bromance in diesen Tagen, die einzige verbliebene Erholungsphase des Tages sollte dann doch eine Einzeldisziplin sein…

Street Name Art

Einem urbanen Künstler passt es zunehmend immer weniger, wenn man ihn Street Artist nennt. Der Begriff grenzt die Vielseitigkeit der künstlerischen Betätigungsfelder zu sehr ein. Wo aber passt die Bezeichnung »Street Art« besser, als wenn es um Straßen, ihre Namen und deren Beschilderung geht? Rund um den Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg findet sich diese Kunst zunehmend, im wahrsten und doppelsten Sinne des Wortes, Witzes und Wortwitzes.

Ich weiß nicht, wie lange es diese Menge an überarbeiteten Straßenschilder schon gibt, die »Träumerstraße« habe ich allerdings schon vor ein-zwei Wochen gesehen. Dass aber inzwischen fast jede der angrenzenden Straßen einen alternativen Namen bekommen hat, war mir neu. Dank eines Hinweises meiner Eltern konnte ich aber heute noch eine Runde mit dem Rad drehen und ein paar Bilder davon machen.

Und so ging es dann…

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die »Träumerstraße« entlang, vorbei am »Möhren Salat«…

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…über die die »Flunkerstraße« hinweg…

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…vorbei an der »Schneemannstraße« und rund um den Helmholtzplatz…

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…zur »Kokettestraße« und wieder zurück…

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…weitere lustige Schilder suchend auf der »Zappelallee«…

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…um nach etwas erfolgloser werdender Suche noch mit der »Flunkerstraße/Stargate Straße« versöhnt zu werden.

Eine sehr schöne Idee also, die leider ein wenig an der etwas stümperhaften Umsetzung scheitert. Schriftarten und -größen passen nicht ganz zu den Schildern und die weißen Aufkleber heben sich etwas zu stark von den doch schon angegrauten Tafeln ab, so dass nur für einen kurzen Augenblick der Eindruck entstehen kann, jemand könnte tatsächlich auf die Idee gekommen sein, den Straßen solch seltsame Namen zu geben.

Abgesehen von der sehr gedrängten »Schneemannstraße« und der nicht so lustigen »Kokettestraße«, die man ja auch einfach »Nettestraße« hätte nennen können, waren ein paar schöne Ideen dabei, von denen »Zappelallee« und »Flunkerstraße« sicherlich die besten sind. Warum allerdings noch niemand die Danziger Straße in »Ranzige Straße« umgetauft hat, bleibt mir unerklärlich.

Kochen mit Leitungswasser – German Patty Melt

Bei Burgern, wie bei Bratwürsten, ist nicht allein das Fleisch ausschlaggebend, sie stehen und fallen zumeist mit der Qualität des Brötchens. Umso erstaunlicher also, dass man im Lori’s Diner in San Francisco eine Variante angeboten bekommt, die das Brötchen durch zwei Scheiben getoasten Brots ersetzt und dabei auch noch unglaublich gut schmeckt.

Richtig praktisch wird dieser Ansatz aber erst dann, wenn man plötzliches Fernweh verspürt und keine Burger-Brötchen im Haus hat. Eine Situation die durchaus nachvollziehbar erscheint, beachtet man, dass diese wesentlich kürzer haltbar sind als etwa Patties im Tiefkühler.

Und da sich mit tiefgefrorenen Fleischscheiben, Toastbrot und ein paar weiteren Zutaten aus der urbanen Single-Küche schnell eine Art des deutschen Patty Melt zubereiten lässt, ist es Zeit »Kochen mit Leitungswasser« hier wieder aufleben zu lassen. Ohne re-branding versteht sich, denn sind wir mal ehrlich, schon der Titel ist Wahnsinn!

German Patty Melt

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Des Kaisers neue Tellerdeko, aber schmackhaft – die deutsche Variante.

Zutaten

2 Scheiben Toast
1–2 Patties
Senf, Ketchup
1 Scheibe Käse (gern Cheddar in Scheiblettenform)
Zwiebelringe

wahlweise und je nach Vorräten dazu

ein paar Tomatenscheiben
Salat
dänischer Gurkensalat (sehr guter von Netto)
BBQ-Soße

Zubereitung

Die Patties ohne Fett oder Öl in der Pfanne anbraten, bis sie gut durch sind (bei längerer Kältelagerung gehen zwei davon gern eine untrennbare Verbindung ein – das ist als Zeichen zu deuten und auch wenn die Pläne ursprünglich anders lauteten sind in diesem Fall beide zu verzehren). Kurz bevor die Pattys fertig gebraten sind das Brot leicht toasten und die Scheibe Käse auf ein Patty legen, damit dieser leicht verlaufen kann, auch die Zwiebeln kurz mit anbraten (ganz entscheidend!!!).

Während des Brutzelns bleibt genügend Zeit, ein paar Scheiben Tomaten und die Zwiebel in Ringe zu schneiden, sowie ein paar Blätter Salat zu waschen.

Sind die Brotscheiben getoastet und die Patties ausgebraten einfach eine Toastscheibe mit Senf bestreichen, ein paar Tomatenscheiben, Salat und Zwiebelringe darauf legen, dann das Patty mit dem Käse auf das Patty ohne stapeln und beide auf dem Brot parkieren. Jetzt noch etwas dänischen Gurkensalat, Ketchup und BBQ-Soße obenauf und das ganze mit der zweiten Toastscheibe abschließen. Zwei Zahnstocher in den Burger gestoßen und diesen längs geteilt und fertig ist der deutsche Patty Melt Burger.

+++UPDATE+++

Armin wies mich darauf hin, dass das Entscheidende an einem Patty Melt die gebratenen Zwiebeln wären. Also: Zwiebeln nicht nur in Ringe schneiden, sondern auch anbraten und dann auf den Burger tun!

Enjoy!

Zum Vergleich noch einmal das Original aus San Francisco

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Wunderbar ausstaffiert mit Fritten, Gurke, Pepperoni und Orangenscheibe und immer noch ein Stück weit (nur für dich, Philipp!) leckerer – das Original.

Tag 8 – San Francisco – Park Life

 

alternativer Titel dieses Eintrags: You can be the piggy-in-the-middle!

Wechselkurs 1€/1,361$

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Nur eines der vielen Autos in SF, die schon zu Columbos Zeiten über amerikanischen Asphalt rollten

Butter bei die Fische, der Stuhlgang stellt den Reisenden vor die größte Aufgabe im Urlaub. Wohnt man im Hotel/Hostel mit eigenem Bad, ist es schön, dort zu duschen, zum Kacken aber geht man auf den Flur. Also auf die Toilette auf dem Flur oder im Gemeinschaftsbereich oder sonstwo, egalwo, so lange man dadurch verhindern kann, die eigene kleine Bude zu verräuchern. Da wird mir wohl jeder noch so große Heimscheißer zustimmen, denn die Haus- und Hoftoilette hat man eh nicht zur Hand. Dieses Verrichten der Notdurft ist damit gezwungendermaßen etwas weniger intim, als man es von zu Hause kennt. Jeden Moment könnte jemand anklopfen, am Türknauf rütteln oder sich mit Aussagen bemerkbar machen, die die Konzentration arg leiden lassen. Wer diese etwas öffentlichere Variante des Abseilens als Spaß erlebt oder zu seinem Hobby machen möchte, dem sei »The Jesuit University of San Francisco« ans Herz gelegt. In deren sanitären Einrichtungen kann man sich frohen Mutes dem intimzonenfreien Kacken hingeben, denn die Abteile mit den Donnerbalken sind zwar vom restlichen Bereich abgetrennt, allerdings kann man durch die Spalten zwischen den Trennwänden locker die Gelben Seiten schieben ohne irgendwann Gefahr zu laufen, dass sie stecken bleiben würden. Dadurch kann man wunderbar kontrollieren, ob sich denn die Pissoirnutzer auch die Hände waschen, diese können aber genauso gut prüfen, ob man nachwischen musste oder das Kunststück eines Zauberwürstchens vollbringen konnte…

Nachdem wir diesen Sachverhalt dann ausreichend unter die Lupe genommen hatten, konnten wir noch einen lokalen Studenten kurz ansprechen, denn die wunderbare Aussicht vom Hof auf die Stadt (die Uni liegt auf einem Hügel weit oberhalb) war damit verbunden, dass wir uns in diesem kleinen Innenhof ein- bzw. aussperrten, was sich an einem Samstagvormittag auch schnell zu Schlimmerem hätte auswachsen können.

Da uns das Glück aber hold war konnten wir frisch erleichtert weiterziehen Richtung Haight-Ashbury, der homosexuellen Hochburg der Stadt.

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Wunderbar durch einen ins Bild rollenden Van verdeckt: Coffee to the People

An einer Ecke in den Stein geschlagen liegt dort das wunderbare kleine »Coffee to the People«, in dem man sich ganz anders als im Starbucks o.ä. mit einem Buch aus deren Regalen in Ruhe auf die Couchen flätzen kann. Und man kann interessante Bekanntschaften machen. Während Armin uns ein Heißgetränk holte setzte sich ein etwas kräftigerer kahlrasierter Mann um die 30 zu mir. Mit Blick auf meine Kamera fragte er, was ich denn so fotografieren würde und in Windeseile konnten Metal-Eric und ich uns darauf einigen, dass wir ziemlich froh darüber sind, dass sich Techno auch in Deutschland selbst überlebt hat.

Retrospektiv frage ich mich, ob mich Eric eigentlich anmachen wollte, denn seine Begeisterung ließ relativ schnell nach, nachdem sich Armin zu uns gesellte und gipfelte darin, dass er sich zum Lesen seines Buches mit Ohropax abstöpselte (»No offense, I just can’t read when others are talking…«).

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Am Ende fotografiert und hier einfach mal an den Anfang geschummelt

Koffein in der Blutbahn taten wir das, was zwei Hetero-Jungs an einem Samstag so tun, wir gingen Schaufensterbummeln und auf Schuhjagd die Einkaufsmeile entlang.

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Ein paar Softgetränke und Schokoriegel einsteckend ging es dann ab in den »Golden Gate Park« für unseren 3 Meilen-Lauf der Orientierungslosen. Drei mal dachten wir, wir wären bereits im Botanischen Garten (ich erwähnte die ungewohnte Vegetation) bevor wir dann tatsächlich in selbigem standen und von einer kleinen Holzbrücke aus eine Schildkröte ihre Bahnen durch die Entengrütze ziehen sehen konnten.

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Die neumodische Schnick-Schnack-Variante

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Das Harte-Kerle-Original zum Vergleich

Vorbei an ein paar wilden Frisbee-Rugby (oder so ähnlich) spielenden jungen Menschen gingen wir auf unseren geschundenen Füßen und fühlten uns jeder so alt, wie wir zusammen wären. Aber wir wurden mit einmal allem entlohnt. So gab auf einer riesigen Freifläche eine Partie Rugby zu sehen, genauso wie einen einsamen Fliegenfischer an künstlichen Laichbecken und ein paar faule Büffel (oder Bisons, Wisente?).

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Ornitologen, raus mit den Vogelbestimmungsbüchern!

Wie einst die Siedler und Goldrauschfritzen kamen wir dann irgendwann völlig erschlagen am Pazifik an und ich konnte statt den einzutauchenden Finger zu dokumentieren gleich mal die halbe Kamera im Ozean versenken.

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Erschöpft schleppten wir uns noch gerade so zurück zu John Helds Haus, um dort ein wenig ihn und sein Atelier zu fotografieren und noch zwei andere Dinge zu tun, die man besser nicht ins Internet schreibt, auf die man uns aber gern mal von Angesicht zu Angesicht ansprechen darf.

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How to be your own cliché

Zum Abendessen führte uns John dann zu seinem Lieblingsladen, dem »Coriya Hot Pot City« (Clement/10th Ave.). Dort gab es ein koreanisches BBQ, das wir leider mit keinem einzigen Bild dokumentiert haben. Es sei aber jedem SF-Besucher wärmstens empfohlen, dieses Wahnsinnsding, das Fleisch auf Fleisch zusammen mit verrückt leuchtenden Sachen, an die man sich nicht rantraut, bietet. Dazu kann man sich seinen Dip selbst rühren und wer sich noch unsicher ist, ob der Laden etwas für ihn ist, der prüfe seine eigene Lebenseinstellung mit Johns Aussage: »I’m a meat guy!« und ziehe seine Schlüsse.

Um diese hunderte von Gramm gegrillten Tiers irgendwie zu verdauen entschlossen wir uns dann, langsam wieder zu Kräften kommend, für einen Abendspaziergang durch die Hood von Inner Richmond. Im tollen Designgeschäft »Park Life« und dem lustigen Bücherladen »Green Apple Books« haben wir noch etwas Geld gelassen, danach einen Kaffee getrunken und im Park abgehangen, wo wir dem aufkommenden Lagerkoller einen Strich durch die Rechnung machen konnten, indem wir noch alberner als bisher waren.

Auf dem Weg zurück wurden wir dann noch von ein paar örtlichen Jugendlichen gebeten, gechillt zu bleiben und ihnen nicht aufs Fressbrett zu geben, eine Bitte, der wir natürlich nachgekommen sind. Statt also jemanden so richtig zu verprügeln haben wir uns wieder auf der Klappcouch an einander gekuschelt, oder vielmehr das andere – versucht nicht durch die Unebenheit in der Mitte zu landen…

 

WM Tag #1

Das hat man ja auch selten. Da freut man sich einige Wochen darauf, dass der Sommer gefüllt ist von Fussballspielen und großen Zielen, da weiß man, dass man etwas zu tun hat, auch wenn man eigentlich nichts zu tun hat. Da muss man sich fast schon nicht mehr schlecht fühlen, wenn man tagsüber fern sieht, da wird das beinahe zu so etwas wie Arbeit und dann das:

Ich habe schon gar keine Lust mehr auf diese WM.

Der erste Tag war wirklich zum abgewöhnen. Das fing bei der vollkommen zur Bedeutungslosigkeit verkommenen Eröffnungsfeier an. Drei Moderatoren, keine Ahnung und die Atmosphäre im Stadion wurde von den Mikrophonen knapp unterhalb des für den Menschen hörbaren Bereiches eingefangen. Einzig heraus stach der ARD-Experte, der sich an den Knack- und Knall-Lauten versuchte und dann zugab, dass jeder der mit der Sprache Xhosa vertraut sei sich wohl grade für ihn schämen würde.

Delling und Netzer müssen sich auch erst mal warm reden, sollten das aber besser in Zukunft mit Themen machen, die sie verstehen. Dass die ARD sich eine Expertin für die Rubrik »Land und Leute« gesucht hat, die Wurzeln in Südafrika hat ist sicherlich ein richtiger Ansatz, sie aber mit D&N ins Studio zu stellen, damit diese beiden zeigen können, dass sie vom Spezialgebiet der jungen Dame, Tanz, keine Ahnung haben war keine gute Idee. Aber die beiden konnten das mit ein paar kleinen Schmähungen überkompensieren, wofür sie ein beklommenes Lachen erhaschen konnten, dass der Tänzerin halb im Halse stecken geblieben ist.

Aber wie man schon beim Eurovision Song Contest gesehen hat, auch der längste und langweiligste Vorbericht hat irgendwann ein Ende und man kann sich dem eigentlichen Ereignis zuwenden: Fussball!

Nur leider gab es auch hier nicht viel zu holen. Alle Welt sprach von einem typischen ersten WM-Tag, denn die beiden Spiele am Eröffnungstag strotzten nur so vor Langeweile, Ereignisarmut und spielerischem Unvermögen. Jetzt haben sowohl die Spiele Südafrika–Mexiko (1:1) als auch Uruguay–Frankreich (0:0) ihre zehn spannenden Minuten gehabt. Diese wussten aber in keinster Weise für die beleidigende Restvorstellung zu entschädigen. Da hätte ich mir lieber eine 90-minütige Direktschmähung von Netzer und Delling gewünscht, die sich an jeden einzelnen Zuschauer wenden oder wahlweise aus dem Telefonbuch vorlesen.

Und dann waren da ja noch die Vuvuzelas, diese Höllentröten. Jetzt kommt es selten vor, dass ich einem Baumarktsangestellten, der sich als RTL-Experte hergibt, Recht geben möchte, aber dieser patente Herr meinte in der Quintessenz: Es gibt guten und es gibt schlechten Lärm. Bei rund 100 dB kann solch ein Lärm schon anstrengend werden, aber ein Presslufthammer bspw. moduliert die Töne, die er produziert, dem Untergrund und Material entsprechend. Die Vuvuzelas allerdings sind gerade deshalb so nervtötend, weil sie genau einen einzigen Ton hervorbringen. Und den hat man dann 90 Minuten im Ohr. Jetzt könnte man meinen, die Tontechniker hatten den Dreh schon bei der Eröffnungsfeier raus und nehmen vorsorglich ein wenig Außenatmosphäre zugunsten des Kommentars weg, aber weit gefehlt. Plötzlich ist es möglich, die Geräusche im Stadion einzufangen und dafür den Kommentator etwas runterzuregeln.

Armin hat für mich bereits jetzt schon den Song/Claim der WM 2010 hervorgebracht:

»Lass die Finger von Vuvuzela!«

Da ich trötenbedingt gestern schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand, bleiben jetzt wohl nur drei Optionen:

1. An die ARD schreiben und um Tonausgleich bitten (da wird es wohl eine kritische Masse brauchen)
2. Den Ton am Fernseher einfach komplett abstellen (bringt einen um die Chance, Platitüden-Bingo zu spielen)
3. Den Fernseher komplett ausschalten, den Sommer genießen und statt dessen Fussball in Form der wunderbaren Berichte von Frédéric Valin auf Spreeblick bei Bedarf nachlesen (was wohl nur eine Begleiterscheinung werden wird…)