Tag 9 – San Francisco – Das Omelette des Todes

alternativer Titel dieses Eintrags: No pictures for you!

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Das Ende rückt unaufhaltsam immer näher. Das ist eine allgemeingültige Wahrheit, der sich keiner entziehen kann, meist denkt man aber in größeren Zusammenhängen, so dass es einem wenig auffällt. Was unsere Reise anging, und im Speziellen die Zeit in San Francisco, gab es aber kein Entrinnen. Deshalb galt es, noch einmal the most out of now zu maken und deshalb sind wir zum Frühstück mit dem Bus nach Downtown SF gefahren, um uns der Urangst vor dem Abtreten zu stellen, materialisiert in Form des, mir schon lange bevor ich wusste, dass ich jemals hierher fahren würde angepriesenen, »Omelette des Todes«. Fachgerecht verzehrt von unserem internen Cholesterinberater Armin, der gern einmal etwas elaborieren darf, worauf es beim perfekten Omelette ankommt!

Was auch immer mich dazu getrieben hat, mich dieser Herausforderung nicht zu stellen – meine Todesphobie oder mein schier endloser Optimismus in nicht allzu ferner Zukunft eine zweite Chance aufs gerührte Ei zu bekommen – ich hatte mir an diesem Morgen ein paar Erdbeerwaffeln reingepfeffert.

Nach dem Frühstück stellten wir uns einer der letzten großen Herausforderungen unserer Zivilisation, dem richtigen Umgang mit Wartezeiten. Die Stadt war uns inzwischen hinlänglich vertraut und als Alterswohnsitz oder für ein paar mittlere Jahre abgenommen und so hieß es: Trödeln. Also schlugen wir die Zeit in ein paar Kaufhäusern tot und ergingen uns in ergebnislosen Überlegungen, wie denn eine Wendelrolltreppe funktionieren könne.


Man beachte Armins Versuch, mir bei Sekunde 10 subtil auf den Hintern zu filmen!

Für Armin gab es am Fuße der Rolltreppe neue Schonbezüge für seinen eigenen Fuße, aka. endlich die ersten Schuhe.

Halbseitig freudig gestimmt konnten wir unsere derben Warteskills dann in Inner Richmond noch ein wenig ausbauen. So ging es noch einmal durch die Clement St. bis es denn Zeit werden sollte, das Super Shuttle zum Flughafen zu nehmen. Zeit genug also, noch einmal eine Entdeckung zu tätigen und in dem verrückten Sandwichladen »Haig’s Delicacies« Verpflegung zu besorgen.

Endlich im Shuttle sitzend hatten wir gehofft, nur noch eine Person um die Ecke abholen zu müssen und damit Downtown meiden zu können, aber wie es nunmal so ist, das genaue Gegenteil trat ein – Danke, Eddie Murphy! (Der und seine Legislative immer…)

Dieser etwas längere Weg bot uns aber die Gelegenheit, uns noch mal abgrundtief für unsere Herkunft zu schämen, denn was kann man einem kasachischen Hitler-Fussball-deutsche Autos-Fan als Fahrer entgegnen, wenn der einem vehement zu erklären versucht, warum H. so ein »good man« war, was das Tolle an »unseren« Autos ist und das Olli Kahn einfach mal der Titan ist und bleibt?

Doch auch die größte Pein nimmt ein Ende (ich habe das Gefühl, das könnte zu meinem Credo werden, oder meiner Grabesinschrift…) und so gab es irgendwann einen Rückflug nach New York anzutreten.

Das on board-Filmprogramm bestand aus nur einer Nummer, »Where the wild things are«, oder wie Armin den Film nannte »dit mit dem Wolfskind«. Auch an Bord dieser Maschine gab es keine Verpflegung, aber wir waren ja mit Schnittchen von »Haig’s« ausgestattet. Trotzdem ist das eine große Schummelbude mit Alaska Air gewesen, denn deren Flug war »operated by American Airlines«, und die, liebe Kinder, gilt es zu meiden!

Sehr spät des nächtens kamen wir dann wieder in unserem New Yorker Hostel an und durften ein neues Doppelzimmer, dieses Mal mit Etagenbett, beziehen. Zum Wegdösen gab es dann noch bis 3:30 Uhr schlechtes amerikanisches Fernsehen (Tautologie?), u.a. mit unserem neuen Lieblingsformat »Lopez Tonight« aus Burbank, California, dem angeblich neuen Zentrum des Sonnensystems. Wer sich mal richtig ekeln will, der suche einfach einen Eröffnungsmonolog von Lopez bei YouTube und versucht, den durchzuhalten…

In dieser Nacht haben wir dann geschlafen wie Steine und es ist uns bis zum heutigen Tage nicht klar, ob es an den wunderbaren 40x80cm Kissen lag oder schier der Tatsache geschuldet war, dass nach so langer Zeit endlich wieder jeder eine Matratze für sich hatte. Ich meine bei aller durchlebter Bromance in diesen Tagen, die einzige verbliebene Erholungsphase des Tages sollte dann doch eine Einzeldisziplin sein…

Kochen mit Leitungswasser – German Patty Melt

Bei Burgern, wie bei Bratwürsten, ist nicht allein das Fleisch ausschlaggebend, sie stehen und fallen zumeist mit der Qualität des Brötchens. Umso erstaunlicher also, dass man im Lori’s Diner in San Francisco eine Variante angeboten bekommt, die das Brötchen durch zwei Scheiben getoasten Brots ersetzt und dabei auch noch unglaublich gut schmeckt.

Richtig praktisch wird dieser Ansatz aber erst dann, wenn man plötzliches Fernweh verspürt und keine Burger-Brötchen im Haus hat. Eine Situation die durchaus nachvollziehbar erscheint, beachtet man, dass diese wesentlich kürzer haltbar sind als etwa Patties im Tiefkühler.

Und da sich mit tiefgefrorenen Fleischscheiben, Toastbrot und ein paar weiteren Zutaten aus der urbanen Single-Küche schnell eine Art des deutschen Patty Melt zubereiten lässt, ist es Zeit »Kochen mit Leitungswasser« hier wieder aufleben zu lassen. Ohne re-branding versteht sich, denn sind wir mal ehrlich, schon der Titel ist Wahnsinn!

German Patty Melt

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Des Kaisers neue Tellerdeko, aber schmackhaft – die deutsche Variante.

Zutaten

2 Scheiben Toast
1–2 Patties
Senf, Ketchup
1 Scheibe Käse (gern Cheddar in Scheiblettenform)
Zwiebelringe

wahlweise und je nach Vorräten dazu

ein paar Tomatenscheiben
Salat
dänischer Gurkensalat (sehr guter von Netto)
BBQ-Soße

Zubereitung

Die Patties ohne Fett oder Öl in der Pfanne anbraten, bis sie gut durch sind (bei längerer Kältelagerung gehen zwei davon gern eine untrennbare Verbindung ein – das ist als Zeichen zu deuten und auch wenn die Pläne ursprünglich anders lauteten sind in diesem Fall beide zu verzehren). Kurz bevor die Pattys fertig gebraten sind das Brot leicht toasten und die Scheibe Käse auf ein Patty legen, damit dieser leicht verlaufen kann, auch die Zwiebeln kurz mit anbraten (ganz entscheidend!!!).

Während des Brutzelns bleibt genügend Zeit, ein paar Scheiben Tomaten und die Zwiebel in Ringe zu schneiden, sowie ein paar Blätter Salat zu waschen.

Sind die Brotscheiben getoastet und die Patties ausgebraten einfach eine Toastscheibe mit Senf bestreichen, ein paar Tomatenscheiben, Salat und Zwiebelringe darauf legen, dann das Patty mit dem Käse auf das Patty ohne stapeln und beide auf dem Brot parkieren. Jetzt noch etwas dänischen Gurkensalat, Ketchup und BBQ-Soße obenauf und das ganze mit der zweiten Toastscheibe abschließen. Zwei Zahnstocher in den Burger gestoßen und diesen längs geteilt und fertig ist der deutsche Patty Melt Burger.

+++UPDATE+++

Armin wies mich darauf hin, dass das Entscheidende an einem Patty Melt die gebratenen Zwiebeln wären. Also: Zwiebeln nicht nur in Ringe schneiden, sondern auch anbraten und dann auf den Burger tun!

Enjoy!

Zum Vergleich noch einmal das Original aus San Francisco

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Wunderbar ausstaffiert mit Fritten, Gurke, Pepperoni und Orangenscheibe und immer noch ein Stück weit (nur für dich, Philipp!) leckerer – das Original.

Tag 8 – San Francisco – Park Life

 

alternativer Titel dieses Eintrags: You can be the piggy-in-the-middle!

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Nur eines der vielen Autos in SF, die schon zu Columbos Zeiten über amerikanischen Asphalt rollten

Butter bei die Fische, der Stuhlgang stellt den Reisenden vor die größte Aufgabe im Urlaub. Wohnt man im Hotel/Hostel mit eigenem Bad, ist es schön, dort zu duschen, zum Kacken aber geht man auf den Flur. Also auf die Toilette auf dem Flur oder im Gemeinschaftsbereich oder sonstwo, egalwo, so lange man dadurch verhindern kann, die eigene kleine Bude zu verräuchern. Da wird mir wohl jeder noch so große Heimscheißer zustimmen, denn die Haus- und Hoftoilette hat man eh nicht zur Hand. Dieses Verrichten der Notdurft ist damit gezwungendermaßen etwas weniger intim, als man es von zu Hause kennt. Jeden Moment könnte jemand anklopfen, am Türknauf rütteln oder sich mit Aussagen bemerkbar machen, die die Konzentration arg leiden lassen. Wer diese etwas öffentlichere Variante des Abseilens als Spaß erlebt oder zu seinem Hobby machen möchte, dem sei »The Jesuit University of San Francisco« ans Herz gelegt. In deren sanitären Einrichtungen kann man sich frohen Mutes dem intimzonenfreien Kacken hingeben, denn die Abteile mit den Donnerbalken sind zwar vom restlichen Bereich abgetrennt, allerdings kann man durch die Spalten zwischen den Trennwänden locker die Gelben Seiten schieben ohne irgendwann Gefahr zu laufen, dass sie stecken bleiben würden. Dadurch kann man wunderbar kontrollieren, ob sich denn die Pissoirnutzer auch die Hände waschen, diese können aber genauso gut prüfen, ob man nachwischen musste oder das Kunststück eines Zauberwürstchens vollbringen konnte…

Nachdem wir diesen Sachverhalt dann ausreichend unter die Lupe genommen hatten, konnten wir noch einen lokalen Studenten kurz ansprechen, denn die wunderbare Aussicht vom Hof auf die Stadt (die Uni liegt auf einem Hügel weit oberhalb) war damit verbunden, dass wir uns in diesem kleinen Innenhof ein- bzw. aussperrten, was sich an einem Samstagvormittag auch schnell zu Schlimmerem hätte auswachsen können.

Da uns das Glück aber hold war konnten wir frisch erleichtert weiterziehen Richtung Haight-Ashbury, der homosexuellen Hochburg der Stadt.

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Wunderbar durch einen ins Bild rollenden Van verdeckt: Coffee to the People

An einer Ecke in den Stein geschlagen liegt dort das wunderbare kleine »Coffee to the People«, in dem man sich ganz anders als im Starbucks o.ä. mit einem Buch aus deren Regalen in Ruhe auf die Couchen flätzen kann. Und man kann interessante Bekanntschaften machen. Während Armin uns ein Heißgetränk holte setzte sich ein etwas kräftigerer kahlrasierter Mann um die 30 zu mir. Mit Blick auf meine Kamera fragte er, was ich denn so fotografieren würde und in Windeseile konnten Metal-Eric und ich uns darauf einigen, dass wir ziemlich froh darüber sind, dass sich Techno auch in Deutschland selbst überlebt hat.

Retrospektiv frage ich mich, ob mich Eric eigentlich anmachen wollte, denn seine Begeisterung ließ relativ schnell nach, nachdem sich Armin zu uns gesellte und gipfelte darin, dass er sich zum Lesen seines Buches mit Ohropax abstöpselte (»No offense, I just can’t read when others are talking…«).

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Am Ende fotografiert und hier einfach mal an den Anfang geschummelt

Koffein in der Blutbahn taten wir das, was zwei Hetero-Jungs an einem Samstag so tun, wir gingen Schaufensterbummeln und auf Schuhjagd die Einkaufsmeile entlang.

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Ein paar Softgetränke und Schokoriegel einsteckend ging es dann ab in den »Golden Gate Park« für unseren 3 Meilen-Lauf der Orientierungslosen. Drei mal dachten wir, wir wären bereits im Botanischen Garten (ich erwähnte die ungewohnte Vegetation) bevor wir dann tatsächlich in selbigem standen und von einer kleinen Holzbrücke aus eine Schildkröte ihre Bahnen durch die Entengrütze ziehen sehen konnten.

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Die neumodische Schnick-Schnack-Variante

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Das Harte-Kerle-Original zum Vergleich

Vorbei an ein paar wilden Frisbee-Rugby (oder so ähnlich) spielenden jungen Menschen gingen wir auf unseren geschundenen Füßen und fühlten uns jeder so alt, wie wir zusammen wären. Aber wir wurden mit einmal allem entlohnt. So gab auf einer riesigen Freifläche eine Partie Rugby zu sehen, genauso wie einen einsamen Fliegenfischer an künstlichen Laichbecken und ein paar faule Büffel (oder Bisons, Wisente?).

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Ornitologen, raus mit den Vogelbestimmungsbüchern!

Wie einst die Siedler und Goldrauschfritzen kamen wir dann irgendwann völlig erschlagen am Pazifik an und ich konnte statt den einzutauchenden Finger zu dokumentieren gleich mal die halbe Kamera im Ozean versenken.

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Erschöpft schleppten wir uns noch gerade so zurück zu John Helds Haus, um dort ein wenig ihn und sein Atelier zu fotografieren und noch zwei andere Dinge zu tun, die man besser nicht ins Internet schreibt, auf die man uns aber gern mal von Angesicht zu Angesicht ansprechen darf.

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How to be your own cliché

Zum Abendessen führte uns John dann zu seinem Lieblingsladen, dem »Coriya Hot Pot City« (Clement/10th Ave.). Dort gab es ein koreanisches BBQ, das wir leider mit keinem einzigen Bild dokumentiert haben. Es sei aber jedem SF-Besucher wärmstens empfohlen, dieses Wahnsinnsding, das Fleisch auf Fleisch zusammen mit verrückt leuchtenden Sachen, an die man sich nicht rantraut, bietet. Dazu kann man sich seinen Dip selbst rühren und wer sich noch unsicher ist, ob der Laden etwas für ihn ist, der prüfe seine eigene Lebenseinstellung mit Johns Aussage: »I’m a meat guy!« und ziehe seine Schlüsse.

Um diese hunderte von Gramm gegrillten Tiers irgendwie zu verdauen entschlossen wir uns dann, langsam wieder zu Kräften kommend, für einen Abendspaziergang durch die Hood von Inner Richmond. Im tollen Designgeschäft »Park Life« und dem lustigen Bücherladen »Green Apple Books« haben wir noch etwas Geld gelassen, danach einen Kaffee getrunken und im Park abgehangen, wo wir dem aufkommenden Lagerkoller einen Strich durch die Rechnung machen konnten, indem wir noch alberner als bisher waren.

Auf dem Weg zurück wurden wir dann noch von ein paar örtlichen Jugendlichen gebeten, gechillt zu bleiben und ihnen nicht aufs Fressbrett zu geben, eine Bitte, der wir natürlich nachgekommen sind. Statt also jemanden so richtig zu verprügeln haben wir uns wieder auf der Klappcouch an einander gekuschelt, oder vielmehr das andere – versucht nicht durch die Unebenheit in der Mitte zu landen…

 

Tag 7 – San Francisco – Patty Melt Madness

alternativer Titel dieses Eintrags: Love, Achim!

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Zum Frühstück sind wir in das kleine Café in Inner Richmond vom Vortag gegangen (»Blue Danube«). Dort gab es ein paar leckere Sandwiches, Salat und eine Chicken Soup (amerikanisch-euphemistisch für Hühnerbrühe).

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Auf einer Karte hatten wir etwas entdeckt, dass sich »Love Achim« nannte und das wir dann erfolglos suchen waren, nur um an einem Krematorium und Urnen-Aufbewahrungs-Gelände herauszukommen (San Francisco Columbarium – Loraine Ct./Anza St.). In den Vorgärten blühten die wildesten Sachen, u.a. ein Orangenbaum, und wenn man gerade aus dem verschneiten New York kommt braucht alles ein wenig länger, um verarbeitet werden zu können.

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Vom Krematorium ging es für uns weiter zum Kriegsgefallenenfriedhof (San Francisco National Cemetery) im Presidio of San Francisco.

Nach einem halben Waldspaziergang standen wir dann an der Zufahrtsstraße zur Golden Gate Bridge, fanden aber glücklicherweise noch einen Weg durch eine kleine Siedlung abseits der Hauptstraße.

So kamen wir zu einer ehemaligen Kriegs-/Abwehranlage (Battery) und fragten uns, wann die denn tatsächlich im Einsatz war – eine der vielen Fragen, die auch nach dieser Reise offen sind und für deren Beantwortung unserer Wikipedia-Recherche-Wahn wohl nicht ausreichen wird.

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Mit einigen busvoll Japanern standen wir dann an und auf der Golden Gate Bridge und konnten feststellen, dass es noch immer verboten ist, Raketen von der Brücke zu werfen, vom Abschießen war aber keine Rede…

Wenn man alle Augen zudrückt, kann man sagen, dass wir die Brücke bis zur Hälfte bewandert haben. Das hat gereicht, um einen Blick auf die Stadt haben und auf der anderen Seite hätte einen eh nichts erwartet, dazu war es diesig und eine komplette Querung kann man sich getrost für den nächsten Aufenthalt aufsparen, wenn man mit einem Auto oder Rad vor Ort ist. Einige der Ortsansässigen (zumindest aber unser Gastgeber) wandern am Neujahrsmorgen einmal über die Brücke und zurück, was ich für eine sehr schöne Tradition halte.

Zurück Richtung Stadt ging es dann Eeeeeeeewigkeiten am Wasser entlang (Marine Drive), vorbei an Crissy Airfields und Fort Mason. Unsere Disskussion über Multitasking fürs iPhone konnten wir auf keinem gemeinsamen Nenner abschließen, aber immerhin der Schmerz in den Beinen konnte uns einen. Im Fort Mason Park standen wir plötzlich vor einem sehr netten Youth Hostel, das man bei nächster Gelegenheit vielleicht als Unterkunft nehmen sollte…

Auf einer Art Trimm-dich-Pfad für den Kopf kamen wir an verrückten Windmessern vorbei, die Windrichtungen in verschiedenen Höhen anzeigten, einem Brückenthermometer und anderen spannenden Dingen, bevor es wieder einen Blick auf Alcatraz aus der Ferne gab.

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Wer mit der Sexualpraktik des Shrimping noch nicht vertraut ist, werfe an dieser Stelle einmal die Suchmaschine des Vertrauens an!

Endlich an den Piers an der Fisherman’s Wharf angekommen war es Zeit für eine kleine Stärkung in einer Sauerteig-Bäckerei, deren besonderes Angebot diverse Speisen direkt aus einem runden Brot heraus sind. So gab es dann einmal Chili und dazu konnte geshrimpt werden, wie die Weltmeister…

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Und weil so ein massives Touri-Programm nur halb wäre ohne eine Fahrt mit dem Cable Car sind wir anschließend zur Station nahe der Water St. und mit diesem Gefährt dann einmal durch die ganze Stadt bis zur anderen Wendeschleife an der Market St. gefahren. Leider war das Cable Car so voll, dass beinahe permanent jemand vor einem stand, so dass ich mich nur einmal kurz raushängen und wie ein junger local fühlen konnte.

Wenn man an der Market St. mal nicht weiter weiß und einem das vom Gesicht abzulesen ist, dann steht auch schon der Homeless Guide Randy (Name ähnlich) vor einem und gibt eine Einweisung in die Stadt. Wir konnten dabei feststellen, dass wir schon wieder beinahe alle Touri-Punkte nach nur 1,5 Tagen abhaken konnten (zumindest, wenn man ein wenig schummelt) und wurden dann prompt zum Baseballstadion der SF Giants (At&T Park) geschickt.

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Fliegende Gegenstände im At&T Park.

Unendliche Betonweiten zieren The Embarcadero, die Hauptstraße an der Bay entlang, wo wir uns an den eher langweiligen Piers entlang langsam zur Oakland Bay Bridge vorarbeiteten.

Unterbrochen von gefährlichen Sprünge mit kaputten Beinen, die in actiongeladenen Bildern resultierten.

Da es inzwischen etwas später geworden war, konnten wir im Starbucks nicht mal mehr aufs Klo und wurden mit den Augen auch halb aus dem Laden komplimentiert, amerikanische Kaffeehauskultur eben, wenn man bei einer Kette überhaupt davon reden darf.

Doch das war nichts, was ein Root Beer nicht trösten konnte, dieses trinkbare Wick VapoRupp. Teufelszeug!

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Ganz ohne die Hilfe eines Stadtführers haben wir es am Union Sq. auf das Dach von Macy’s geschafft. Von dort konnte man ganz nett auf den vor einem liegenden Platz sehen und wenn man etwas verrückter drauf ist, als wir das an diesem Abend waren, dann kann man sich in der dort beherbergten Cheesecake Factory auch noch ein Törtchen im Freien gönnen.

Wir mussten aber etwas Hunger aufbauen für die geplanten Burger, die es dann im Lori’s Diner gab, wo uns eine unfreundliche Kellnerin einen verdammt guten Patty Melt auf den Tisch geknallt hat.

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Und ungefähr so ging der zweiten Abend in San Francisco zu Ende und unser Weg wieder zurück auf die Klappcouch, ist ja schließlich auch Urlaub gewesen.

Tag 6 – San Francisco – California, here we come

alternativer Titel dieses Eintrags: We’re no couple…

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Das irdische Gleichgewicht ist ein kostbares Gut, es sorgt dafür, dass die Welt nicht untergeht. Und da wir nicht wollten, dass die Welt untergeht, und schon gar nicht, wenn wir im Urlaub sind, weil dann die Gefahr besteht, dass wir nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommen, mussten wir an diesem Tag etwas tun, um das irdische Gleichgewicht zu retten. Dem stetig fallenden Dollarkurs mussten wir also wohl oder übel etwas Steigendes entgegensetzen und warum dann nicht gleich uns selbst? So kam es, dass wir uns am Flughafen JFK in den nächsten Luftreiter setzten und uns aufmachten nach San Francisco.

Hinweis für Homophobiker: Solltet Ihr in einer rein männlichen Runde nach New York reisen, idealerweise paarweise in Zimmern mit Queensizebetten absteigen und planen, auf die andere Seite des Landes zu reisen, erwähnt niemandem gegenüber, dass es San Francisco sein wird, man könnte euch spätestens jetzt für ein Paar halten.

Das hat uns jetzt nicht weiter gestört, nur etwas verwundert, da wir uns gegenseitig versichern konnten, dass wir uns für ein ziemlich unschönes Paar halten, aber auch die muss es wohl geben.

Für gleich- wie verschiedengeschlechtliche Freundschaften gilt denn auch der gleiche Grundsatz wie für Paarbeziehungen: Solange man noch nicht hemmungslos vor einander Stuhlgang haben kann, sehe ich eh keine Probleme.

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Südliche Wendeschleife der Cable Car Strecke zur Powell/Market Street.

Zurück zur Reise: Auf unseren Inlandsflügen mussten wir uns leider selbst kulinarisch versorgen (was dank des Wissens darum auf dem Rückflug bedeutend besser gelang…), dafür glaube ich mich an eine nicht enden wollende Versorgung mit Cola- und colaähnlichen Getränken erinnern zu wollen. Wer zudem seine freudige Aufregung über die Weiterreise Richtung Sunshine Belt etwas runterfahren möchte, dem sei der deprimierende Film »The Boys Are Back« wärmstens empfohlen. Auch wenn ich es für unverantwortlich halte, so etwas dem unbedarften Flieger vorzusetzen, erscheint mir der Gedanke dahinter mit dem nötigen Abstand immer klarer. Zeige den Leuten einen todtraurigen Film und sie werden sich selbst über so schlechte Nachrichten wie eine plötzliche Notwasserung ein zweites Loch in den Hintern freuen, wenn das denn bedeutet, dass da endlich jemand den Fernseher ausstellt.

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Auch in San Francisco finden sich pittoreske Kirchen in Hochhaus- und Messegeländevierteln, dafür gibt es hier das ganze Jahr über Vegetation.

Zum Thema Sunshine Belt: In San Francisco waren es durchweg um die 15°C – und sie nennen es Winter! Gut, es hat ein wenig geregnet, aber auch nicht schlimmer als in diesem Berliner »Frühsommer«.

Davon abgesehen sei jedem empfohlen, mit einem Super Shuttle Bus vom Flughafen in die Stadt zu fahren – der ist zwar manchmal gar nicht so super und in unseren beiden Fällen auch nicht sehr shuttlig, kostet aber nicht viel, dauert nur minimal länger als der BART und bringt einen dafür direkt und stressfrei bis vor die gewünschte Haustür – den richtigen Fahrer vorausgesetzt, dazu aber bei der Rückreise mehr.

Um das gleich mal vorweg zu nehmen: In New York würde ich gern eine Zeit lang wohnen wollen, aber in San Francisco könnte ich mir vorstellen, zu leben. Was jetzt so super cheesy nach Möbelhaussprüchen klingt lässt sich vielleicht besser nachvollziehen, wenn man sich die Cafésituation vor Augen führt: In New York kann man in Cafés in der Regel nicht in Ruhe sitzen, langsam sein Getränk trinken und die Zeit verstreichen lassen. Zumindest selten in Manhattan und fast gar nicht in den Läden, die wir dort frequentierten. In San Francisco finden sich dafür viele Cafés, die für den deutschen Touristen, oder Berliner in diesem Fall, vertraut sind. So wurden wir denn nach unserer Ankunft bei John Held, Jr., der uns freundlicherweise für ein paar Tage bei sich aufnahm, ins »Blue Danube« (Clement/4th. Ave.) geführt, wo man sich in Hippieatmosphäre auf Couchen niederlassen und die weitere Reise in Ruhe planen konnte. Und ich will jetzt NY nicht Unrecht tun, auch dort gibt es kleinere Cafés und ruhige Ecken, aber man muss doch etwas mehr danach suchen, als einem manchmal und in Ermangelung von Ortskenntnissen lieb sein kann.

Nach dieser Stärkung blieben und dank Zeitverschiebung noch ein paar Stunden am ersten San Franciscoer Nachmittag/Vorabend, also sind wir mit dem Bus nach Downtown gefahren (mit »ten minutes to downtown« in den Ohren, auch wenn es ein paar mehr waren).

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Bevor es ein wenig die Berge rauf und runter ging hielten wir uns im flachen Teil nahe der Powell St. und Market St. und dem Union Sq. auf. Spulten einmal mehr das Fanboy-Programm ab und waren im Apple Store, vor dem Buena Yerba Center und in dem dazugehörigen Park, vor dem Moscone Center und taten uns schwer, mitten im eigentlich eiskalten Februar die Vegetation und laufende Springbrunnen für voll zu nehmen.

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Trickfotografie 101: In Wahrheit sind in San Francisco die Straßen flach wie der Busen einer 11-Jährigen (also zumindest einer 11-Jährigen zu meiner Zeit, keine Ahnung wo wir hormonell heutzutage schon sind) dafür sind die Häuser schräg gebaut, so dass dem unbedarften Urlaubsplaner daheim der Eindruck entsteht, es wäre in der Tat hügelig.

Und so machten wir uns vorbei an den schrägen Häusern und entlang der flachen Straßen oder andersrum den Berg hinauf bis zur California St. von der aus man beinahe schon eine Aussicht auf Fisherman’s Wharf hatte.

Zum Abendessen gab es Pizza Slices unter Palmen auf dem Union Sq. und anhaltende Versuche, sich langsam in dieser Realität einzufinden.

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Hier wurde dem großen Videospiel »Tony Hawk’s Pro Skater II« ein Denkmal am Embarcadero gesetzt.

So gestärkt ging es für uns weiter durch Downtown und zum Fährhafen, an dem es nicht nur Kaffee und Fischgeruch gab, sondern auch einen netten Blick auf die Bay Bridge.

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Die Bay Bridge Richtung Berkeley und Oakland bei Nacht.

Überquellend vor romantischer Aufladung mussten wir dann einfach noch ein wenig die Piers entlang bis zum Pier 39 laufen, wo ein paar Robben (oder waren es Seehunde? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?) auf Banken abhingen und auf den nächsten Tag warteten.

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Die Lombard St. – angeblich the crookedest street on earth.

Und da wir schon mal in der Nähe waren, galt es auch gleich noch die wunderbar gedrehte Lombard St. vor dem Bay Bridge Panorama mitzunehmen. Also wieder ein paar Berge hoch und runter, ein paar linke und rechte Haken geschlagen und schon waren wir da.

Anschließend waren aber auch die Kräfte für diesen Tag aufgebraucht und schleppten wir uns noch bis zur Geary St., wo wir dann mit Bus zurück nach Inner Richmond, unserer Hood für diese Tage, fahren konnten. Nicht aber ohne erschrocken festzustellen, dass die Jugend vor Ort »Die Atzen« hört, auch wenn es bei denen nicht so aussah, als wenn es allzu sehr abginge, vom Feiern die ganze Nacht ganz zu schweigen.

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Der Gedankte kam mit vor Ort nicht, aber retrospektiv, oder zumindest auf den Fotos, wirkt das Licht in San Francisco ähnlich warm wie zuhause im Prenzlauer Berg, vielleicht machte das ja ein Teil der Geborgenheit aus.

Protokoll einer Reise

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Inzwischen ist genug Zeit vergangen, seit Armin und ich aus den USA zurück sind, so dass vermutlich auch der letzte das Interesse an einer Berichterstattung verloren hat. Genau der richtige Zeitpunkt also, um ein Protokoll der einzelnen Etappen, ergänzt um ein paar Anekdoten, Empfehlungen und mehr oder minder passende Bebilderung anzubieten. Außerdem haben nicht nur wir über einen Monat Verspätung, auch Germany’s Next Top Model sendete erst gestern eine Folge mit Material von der New Yorker Fashion Week von Mitte Februar. Da sind wir also in bester Gesellschaft.

Ein paar allgemeine Informationen vorweg:

Reisende: Armin, Konrad
Reisezeitraum: 13.02.2010–24.03.2010
Reiseziel: USA (im speziellen New York und San Francisco)
Wechselkurs: im Mittel 1€/1,3609$

Temperaturen New York: ca. -2°C–6°C
Temperaturen San Francisco: ca. 10°C–15°C