Huhn

Wie jeden Tag stehen mein Typ und ich vor der Wahl des Tages: Mittagessen.
Es gibt da verschiedenste Möglichkeiten, die eine Entscheidung wirklich nicht leicht machen und immer wieder zu kleineren Streitigkeiten, in unserer sonst eher formschönen Beziehung, führen.
In einer Stadt wie Berlin kann man unter mannigfaltigen Anzählen von Fressbuden wählen, der Vietnamese an der Ecke ( da sind wir wirklich oft ), der Inder eine Straße weiter ( nicht so oft, weil da muss man ja so weit laufen ) und natürlich hätte man rein theoretisch auch die Möglichkeit, sich etwas zu kochen. Dazu kommt es jedoch selten.
Heute ist so ein Tag an dem ich nun beschließe, eine Ausnahme zu machen und schmeisse mein kleines Hausfrauengehirn an.
„Letztes Jahr habe ich doch mal ein Hühnchen gemacht, wie war das?“  Staub bröckelt hörbar.
Ich beschließe, auf dem Weg zum Supermarkt weiter darüber nachzudenken.
Sehr eilig ziehe ich mich an. Die Klamotten hatte ich schon an, nur die Schuhe müssen noch gesucht werden. Habe die erwischt, die meine Mama beim letzten Besuch wegwerfen wollte. Ich fühle mich ein wenig rebellisch.
Auf geht´s zum Supermarkt.
Dort angekommen bin ich dem Rezept kein Stück näher gekommen. Ich beschließe es drauf ankommen zu lassen, und improvisiere.
Diese Fähigkeit habe ich bereits in meiner frühesten Jugend entwickelt und bin immer wieder überrascht wie gut sie, über all die Jahre des Wohlstandes, erhalten wurde.
Ich werfe also allerhand Dinge in den Korb, von denen ich denke, sie könnten sich als Beilage für Huhn eignen. Möhre, Apfel, Pflaumen, Kartoffeln. Bei den Kartoffel muss ich kämpfen, ein Opa griff genau über meinem Kopf ins Regal. Er hatte ein Polyesterhemd an.
Nachdem ich nun alles mit einem großen Schein bezahlt habe, ( Ich zahle nicht gern mit großen Scheinen, da wirkt man schnell neureich. Es kommt allerdings nicht oft vor. Zum Glück ) trete ich hinaus und begebe mich auf den Rückweg, vorbei an kleinen Straßencafe´s und rauchenden Neureichen. Ich hoffe keiner sieht mir auf die Schuhe.
Zuhause werfe ich alle Zutaten auf den Küchentisch. Ich wasche das Huhn und muss dabei an eine der Sendungen denken, die kurz vor der Prime Time laufen. Bakterien im Schwamm und auf meinem Holzbrett. Ich beschließe, beides nach dem Kochen mal mit heißem Wasser zu übergießen.
Beim Schneiden muss ich an diese Dauerwerbesendungen denken, in denen sie Blechdosen mit dem Messer durchschneiden. Ob ich das mal probieren soll? Bei sechzig Euro für ein Messer müssten die das eigentlich durchhalten. Entscheide mich aus pazifistischen Gründen dagegen.
So, alles fertig alles in den Ofen, Ofen an und rausgehen. Nach fünfundvierzig Minuten komme ich wieder. Das Huhn ist fertig. Ich serviere das ganze in einem tiefen Teller und beobachte den Hund beim sabbern.
Ich hatte gehofft an diesem Tag am Esstisch zu essen, die Hoffnung zerschellt jedoch beim Betreten des Wohnzimmers. Der Typ hat sich bereits am Fernsehtisch niedergelassen und die Kiste angeworfen. Mittag bei Uns. Ich verspeise hochachtungsvoll mein Hühnerbein und versichere mich in regelmäßigen Abstände, ob es ihm denn nun schmeckt. Er sagt ja, ich denke er lügt nicht. Nächstes mal gehen wir wohl wieder zum Vietnamesen.

Kochen mit Leitungswasser – German Patty Melt

Bei Burgern, wie bei Bratwürsten, ist nicht allein das Fleisch ausschlaggebend, sie stehen und fallen zumeist mit der Qualität des Brötchens. Umso erstaunlicher also, dass man im Lori’s Diner in San Francisco eine Variante angeboten bekommt, die das Brötchen durch zwei Scheiben getoasten Brots ersetzt und dabei auch noch unglaublich gut schmeckt.

Richtig praktisch wird dieser Ansatz aber erst dann, wenn man plötzliches Fernweh verspürt und keine Burger-Brötchen im Haus hat. Eine Situation die durchaus nachvollziehbar erscheint, beachtet man, dass diese wesentlich kürzer haltbar sind als etwa Patties im Tiefkühler.

Und da sich mit tiefgefrorenen Fleischscheiben, Toastbrot und ein paar weiteren Zutaten aus der urbanen Single-Küche schnell eine Art des deutschen Patty Melt zubereiten lässt, ist es Zeit »Kochen mit Leitungswasser« hier wieder aufleben zu lassen. Ohne re-branding versteht sich, denn sind wir mal ehrlich, schon der Titel ist Wahnsinn!

German Patty Melt

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Des Kaisers neue Tellerdeko, aber schmackhaft – die deutsche Variante.

Zutaten

2 Scheiben Toast
1–2 Patties
Senf, Ketchup
1 Scheibe Käse (gern Cheddar in Scheiblettenform)
Zwiebelringe

wahlweise und je nach Vorräten dazu

ein paar Tomatenscheiben
Salat
dänischer Gurkensalat (sehr guter von Netto)
BBQ-Soße

Zubereitung

Die Patties ohne Fett oder Öl in der Pfanne anbraten, bis sie gut durch sind (bei längerer Kältelagerung gehen zwei davon gern eine untrennbare Verbindung ein – das ist als Zeichen zu deuten und auch wenn die Pläne ursprünglich anders lauteten sind in diesem Fall beide zu verzehren). Kurz bevor die Pattys fertig gebraten sind das Brot leicht toasten und die Scheibe Käse auf ein Patty legen, damit dieser leicht verlaufen kann, auch die Zwiebeln kurz mit anbraten (ganz entscheidend!!!).

Während des Brutzelns bleibt genügend Zeit, ein paar Scheiben Tomaten und die Zwiebel in Ringe zu schneiden, sowie ein paar Blätter Salat zu waschen.

Sind die Brotscheiben getoastet und die Patties ausgebraten einfach eine Toastscheibe mit Senf bestreichen, ein paar Tomatenscheiben, Salat und Zwiebelringe darauf legen, dann das Patty mit dem Käse auf das Patty ohne stapeln und beide auf dem Brot parkieren. Jetzt noch etwas dänischen Gurkensalat, Ketchup und BBQ-Soße obenauf und das ganze mit der zweiten Toastscheibe abschließen. Zwei Zahnstocher in den Burger gestoßen und diesen längs geteilt und fertig ist der deutsche Patty Melt Burger.

+++UPDATE+++

Armin wies mich darauf hin, dass das Entscheidende an einem Patty Melt die gebratenen Zwiebeln wären. Also: Zwiebeln nicht nur in Ringe schneiden, sondern auch anbraten und dann auf den Burger tun!

Enjoy!

Zum Vergleich noch einmal das Original aus San Francisco

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Wunderbar ausstaffiert mit Fritten, Gurke, Pepperoni und Orangenscheibe und immer noch ein Stück weit (nur für dich, Philipp!) leckerer – das Original.