Liste 1

Dinge die ich heute mag
– das Wort „Shitstorm“
– genau 5 Worte geredet zu haben
– Listen schreiben
– im Internet nach Reisezielen suche, die ich mir nicht leisten kann um dann Low Budget Reisen zu planen, bei denen ich mich Weltverbesserischer fühle
– meinen neuen Wäschekorb
– den Geruch nach Berliner Sommer
– meine neue Flatrate

Dinge die ich heute nicht mag
– mein Ipad-Ladekabel nicht zu finden
– dass ich bei der Tagesschau immer weinen muss
– unsere Pfandflaschensammlung
– nichts anzuziehen
– das hier kein Hamburger vor mir liegt (das Gericht ;) )
– dass der Hund der Katze das Futter klaut
– dass mir nicht besseres einfällt als eine Liste
– blöde Mütter glotzen mich an (nicht meine)

Rentner hängen rum

Urlaub im Altenheim

Seine Mutter schunk uns eine Reise, eine Reise an den Ort unserer Wahl. Grundsätzlich ein herrliches Angebot. Natürlich nahmen wir es wahr. Mir wurde aus Zeitmangel die Organisation überlassen. Was nehmen wir da… Hm. Madrid, Malaga, Rom oder Lissabon? Malle! Geil, waren wir noch nie, ist bestimmt schön. Also gebucht los gehts. Bereits im Flugzeug fielen mir die zahlreichen alten Menschen auf. Eine beige Jacke neben der anderen, Sperrgut vor allem Rollatoren, dazwischen unser Kinderwagen. Ein Meer aus Wolken entpuppte sich als trockenshampooniertes welliges Kurzhaar. In der Auslage des Lesematerials am Flugzeugeingang großenteils „Lisa“, „Bild der Frau“ und so langweiliger Billigmuttiescheiss.
Naja, ich dachte die Alten verwässern ja dann auf Land. Dem war nicht so. Im Transferbus zum Hotel, nur Alte. Eine Oma röchelte um ihr Leben und ich dachte daran welche tödliche Krankheit die wohl hier spazieren trägt, oder obs vielleicht chronisch ist? Egal, war eklig. Der Opa vor uns drehte sich immer mal nach unserem nörgelnden Baby um, ich beachtete ihn nicht. Ich als Grossstadtkind beachte niemanden, auch das sollte sich ändern.

Naja, jedenfalls spuckte der Bus ein Rentnerehepaar nach dem anderen an eher hässlichen Unterkünften aus, ich bekam Angst. Ich hoffte unsere Unterkunft wäre schöner. Ich konnte mich nicht an das Gebuchte erinnern, zu viele Hotels im internet. Das letzte war nun unseres. 5 Sterne, hatte anscheinend beschlossen Schwiegermamas Geld in meinen Spass zu investieren.., soweit soooo gut. Ich fands super. Nach den ersten Erkundungstouren durch den Ort bestätigte sich der Verdacht, in einer der besseren Buden gelandet zu sein. Beim ersten Abendessen mussten wir feststellen, dass sich der Altersdurchschnitt in schwindeligen Höhen befand, 50 wäre hier noch jung. Das beste Beispiel waren Omma und Oppa die nur noch da saßen und sich schweigend nicht mehr ansahen, sie sahen nicht mal mehr in die selbe Richtung. Mir schossen sofort mögliche Lösungen für das Problem durch den Kopf. Aber dann fiehl mir ein, dass es sich vermutlich selbst erledigen wird. Ich überlegte, was diese Menschen wohl für weise Dinge zu berichten wussten. Beim zweiten Abendessen durften wir dann an dieser Altersweisheit teilhaben. Mein lieber Lieber nahm unseren Sohn im Trageding auf den Rücken weil er brüllte, als sich eine irre Alte mit praktischer Frisur auf ihn stürzte und irgendwas von „unmöglich“ und “ das Kind gehört ins Bett, nich in das Ding und überhaupt was ist denn das?“ faselte. Dabei fummelte sie am kind rum und wurde rot. Danke liebe Alte für die Weisheit. Ochjeh, heute liegen wir in unseren Betten während sich die Alten unten in der Lobby dem Schlager d.J. hingeben. Heut Nacht werden sie wahrscheinlich alle übereinander herfallen, Yolo man Yolo. Aber auch das Leben ist kurz, deren leben natürlich nicht. Das leben ist nur kurz, wenn man jung ist.

URIN – ihr »Unabhängiges Reiseportal Im Netz«

Schon verrückt, wie so manches Jahr laufen kann. Nachdem ich gestern von einem kurzen Aufenthalt in Antwerpen zurückgekehrt bin, hatte ich mich einen Moment gefragt, was eigentlich aus all den Reiseberichten geworden ist, die man früher so in die Menge gestreut hat (und ob wir hier nicht auch mal eine Kategorie »Reisen« hatten).

Legendär (und zumindest für alle [beiden] Beteiligten immer wieder Quelle für einen guten Lacher) ist mittlerweile ja das Protokoll einer Reise in seinen Städteteilen Eins und Zwei. Doch wo ist der Rest geblieben? Material hat sich seit dem ja genug gesammelt, sei es in gemeinsamen Erkundungen oder bis an die Grenzen der psychischen Belastung gehenden Einzelurlauben…

Mit Aufenthalten in Barcelona (fast verschlafen), Hamburg (Fleischvergiftung), Amsterdam (2x), Glasgow (Remember Remember), Edinburgh (Oma-Paradies) und Antwerpen (Bring no questions to a meeting with strangers) dieses Jahr und bereits aufgestauten Entwürfen mit klingenden Namen wie »Eine Stadt riecht nach Dope«, »Two For Joy« und »Wake me up before you go-go« sind vielversprechende Übertreibungen ja schon in ihren Grundfesten errichtet. Ich schätze, es bleibt nur noch der von vielen Antwerpener Diamantenhändlern bekannte Feinschliff zu besorgen.

Taiwan / Hong Kong – Gedankennotizen

ich bin gerade, mit dem den ihr aus marjas beiträgen als ihren typen kennt, auf der anderen seite der welt, im/auf lovley taiwan und hong kong, und wollte mal ein paar gedanken festhalten:

wenn etwas klar oder unklar ist, nie weiterführende fragen stellen. das wird nichts.

außer in taipei, und selbst da nicht wirklich, versteht oder spricht man kein englisch.

aus kommunikationsgründen nicht ohne hände und füße reisen.

die vier ist eine unglückszahl.

laut gesetz dürfen wohl nicht mehr als drei raucher an einem ort stehen. hält sich aber keiner dran.

taiwans straßen sind wahnsinnig sauber, obwohl sich keiner an die raucherregeln hält und es nahe zu keine mülleimer gibt.

es muß eine straßenbrückenmafia geben. also ernsthaft.

taiwan hat eine wundervolle natur… und straßenbrücken.

betelnüsse sind nicht nur legale drogen die das bewußtsein erweitern, sondern sie machen auch die zähne so kaputt, dass man irgendwann nur noch bananen und suppe essen kann.

man kann an jeder ecke suppe essen. und nudeln. und fisch. und schwein. und rind. und seafood. und sachen bei denen man nicht weiß was das ist. fragen kann man ja nicht. aber in vieles würde man sich gerne reinlegen, weils lecker ist.

wer an der form des sonne-mond-sees die form einer sonne oder eines mondes oder deren schriftzeichen erkennen kann, hat zu viel von den nüssen gegessen.

wo man nicht suppe essen kann, wurde ein 7eleven eingerichtet. es gibt von nichts mehr auf dieser insel als 7eleven, außer suppen-nudeln-fisch-schwein-rind-seafood-man-weiß-es-nicht-stände. vielleicht noch kakerlaken, aber ich hab bis jetzt nur zwei gesehen.

spinnen können hier eeeecht groß werden.

es gibt tempel.

es gibt kein trinkgeld. gar nicht.

zwischen strand und den gipfel von halbwegs hohen bergen liegen hier manchmal nur wenige 100 meter.

hier kann man jungen ureinwohnerfrauen beim nasenflöte spielen zugucken und beim suveniersverkaufen.

ea gibt nicht, wie von uns erwartet, an jeder ecke ramschläden in denen man suveniers kaufen kann (an dieser stelle möchte ich nochmal auf die nahrungzubereitungsstätten und 7elevens hinweisen). wir haben noch nicht mal iiiiirgendwo postkarten gesehen.

furzen in der öffentlichkeit scheint geduldet zu werden. auch drei mal hintereinander. laut. in der lobby.

asiatisches frühstück ist mir suspekt.

update #1:

taipei ist ein dorf.

das tarifsystem der metro ist idiotensicher. man muss die sprache nicht lesen können und niemanden fragen. das würde ja auch nichts bringen.

update #2:

polizeiwagen fahren hier immer mit leuchtenden sirenen, aber ohne martinshorn durch die gegend, wenn sie nich im einsatz sind. …oder hier ist immer was los.

die springbrunnen+licht show vor der sun yat-sen memorial hall sollte man unbedingt verpassen.

die taiwanesen wissen wie man gedenkstätten für führungspersönlichkeiten baut.

man kann einen latte für 4€ trinken, der es auch wert ist.

obst schmeckt hier nach obst. papaya <3

update #3:

wärend man selber am liebsten 3 mal täglich das t-shirt wechseln möchte, trägt man hier gefütterte stiefel.

der tüv rheinland scheint hier sehr oft seine finger im spiel zu haben.

入口 heißt eingang
出口 heißt ausgang

update #4:

habe in den letzten 9 tagen nur einmal eine gabel in den händen gehalten und freiwillig wasabi an sachen rangemacht.

man muß unbedingt mit stäbchen essen können hier. ich hab auch jemanden verzweifeln sehen.

ich glaube das war gerade die gruseligste taxifahrt meines lebens, es sei denn ich habe eine andere schon verdrängt.

ich hab mich noch nie im urlaub so sicher gefühlt wie hier.

man kann nichts kaufen ohne den kassenbon mitzunehmen. er wird einem zur not hinterher gebracht.

update #5:

ich glaube die fahrt zum flughafen war die gruseligste taxifahrt meines lebens, es sei denn ich habe eine andere schon verdrängt.

taxifahrer können, natürlich, auch kein englisch, aber dass es an „international airport“ scheitern würde, hätten wir auch nicht gedacht.

update #6, ab jetzt hong kong

es leben hier zu viele menschen für die fläche die geboten wird. es ist immer und überall voll.

es fahren hier viele busse. v i e l e busse. doppelstockbusse. mindestens einen meter höhere als wir sie kennen. und dann noch auf der falschen seite.

es gibt doppelstockstraßenbahnen und disneyland.

the symphony of lights muss man sich unbedingt nicht angucken.

nachts sieht der blick rüber nach hong kong island aus wie bildtapete.

der 10HK$ schein sticht jeden ehemaligen guldenschein aus. der hat sogar ein guckloch.

in sachen hochhäuser kann new york echt nach hause fahren.

die fahrkarte für den öpnv heißt octopus-card. warum auch immer. ist aber wahnsinnig praktisch.

es gibt rolltrepen die zu den besseren wohnvierteln führen. man braucht etwa 20 minuten nach oben. das sind wirklich viele rolltreppen. und anschließend kann man sich super verlaufen.

der urwald, den es noch stellenweise gibt, ist beeindruckend.

sie müllabfuhr ist in privater hand, wird aber vom gesundheitsamt kontrolliert und müssen drei mal am tag die mülleimer leeren, sonst gibt’s haue. nen müllwagen haben wir dennoch nie gesehen.

hong kong ist sauber, (das liegt vielleicht an den horenden strafen, die schon dafür drohen, wenn man z.b. papier in die aschenbechervorrichtung an mülleimern wirft) wenn man von der luft absieht.

für die nächste reise hierher unbedingt kleine karten vorbereitet auf denen auf chinesisch und englisch sinngemäß steht: „vielen dank, aber ich trage keine uhren und schon gar keine gefälschten. ich fühle mich geehrt und bedanke mich für ihre bemühungen. ich wünsche ihnen einen schönen tag und weiterhin viel erfolg bei ihren geschäften.“ bei bedarf kann man nich drunterschreiben: „UND SAG ALL DEINEN FREUNDEN BEACHEID, WEIL IHR GEHT MIR ECHT AUF DIE EIER!“. oder vielleicht gleich als t-shirt.

es folgen ein paar erinnerungshilfen für mich. man braucht hier nicht weiterlesen.

das ist halt tee du pfeife.
da würde ich gerne mit meinem kajak mal langfahren
sunmoonlake
very convenient, ja, mhh
follow the hand
paue
bin ich jesus? hab ich klapperln an?

TBC

Tag 11 – New York – Bye, bye, bye…

 

alternativer Titel dieses Eintrags: Raindrops keep falling on my head

Wechselkurs 1€/1,3514$

IMG_5883.jpg
Picture is not related…

Am letzten halben Tag in New York und somit auch in den USA ging für uns beide nicht mehr sonderlich viel. Es gab ein umfangreiches Frühstück mit Rührei, Kartoffeln und einem Tuna Melt Bagel (genauer gesagt nur einem halben, die andere Hälfte hatte es dann zwar noch bis nach Berlin aber auch direkt in meinen Mülleimer geschafft). Schuld an dieser Verschwendung war die nette ältere Dame, die uns an diesem Morgen bediente und mir mit ihren gefühlten 250 Jahren Berufserfahrung nicht nur in einer Bierruhe sämtliche mir zur Auswahl stehenden Ei-Zubereitungsarten herunterbeten konnte, sondern auch noch ein paar Bratkartoffeln mit andrehte, da ich wohl irgendwie so aussah, als wenn ich die gebrauchen könnte.

New York zeigte sich von seiner abschiedsfreudigsten Seite und präsentierte ein wunderbares Wetterchen, um wieder nach Hause zu fliegen. Im Dauerregen und irgendwann dann ziemlich durchgeweicht hatten wir noch ein paar Touri- und Mitbringselsachen besorgt und dann versucht, in der Hostel-Lobby zu chillen. Leider war die weniger Lobby als Mini-Sitzecke am Empfang, also gingen wir noch einmal ums Karree.

Im Europa-Café (lustig, was Amerikaner so für europäisch halten!) konnten wir noch etwas abhängen, ohne dass wir direkt nach dem Kaffee rausgeworfen worden wären und vertrieben uns die Zeit mit kleinen Spielchen auf dem iPhone, die wir noch vor zwei Jahren mit Begeisterung auf kariertem Papier gespielt hätten.

Sichtlich planlos, was mit den letzten Minuten anzufangen wäre machten wir uns dann ziemlich früh zum Flughafen auf. Nahmen noch ein teures Bier/eine teure Cola in der Flughafenbar zu uns und konnten etwas schlechten internationalen Fussball geniessen.

Auf dem Rückflug nach Berlin gab es dann wenig Schlaf und ein Filmprogramm bestehend aus den drei Titeln »The Secret Life of the Bees«, »Love Happens« und »The Invention of the Lie«, an die ich überhaupt keine Erinnerung what-so-fucking-ever mehr habe, so sehr müssen sie mich wohl berührt haben.

Und dann waren wir auf einmal wieder zu Hause und hatten einen Kampf mit Mister Jet Li…äh Lag…auszutragen, den nur fünfzig Prozent der Reisegruppe bestehen sollten. Und ich war es nicht. Now make an educated guess!

Tag 10 – New York – Knishtief downtown

alternativer Titel dieses Eintrags: Senda salami to your boy in the army
Wechselkurs 1€/1,3599$

IMG_6404.jpg
Wraps, die Leibspeise der indigenen amerikanischen Rap-Kapelle Wu-Tang-Clan, deren Name durch eine Verkürzung des Crew-Namens »W« und deren Lieblings-Gesangsstil »rap« Anfang des 19. Jh. entstand. Wichtig sind in der leichten Frühstücksvariante die Bratkartoffeln wegen des übersättigenden Effekts und das Stück Orange, weil es ein fröhlich bunter Klecks auf dem Teller ist.

Dieser Tag begann, wie sollte es anders sein, mit einem dicken Frühstück. Diesmal in der 14th St. und direkt nach der wenig cleveren Entscheidung, einen Boston Kreme Donut vorwegzuschicken. Das stellte sich besonders im Hinblick auf die folgende langanhaltende Übelkeit als so etwas wie ein Fehler heraus.

Da es unser letzter kompletter Tag in den USA werden sollte, gedachten wir, diesen für einen kleinen Einkaufsbummel zu nutzen. So besorgten wir also ein paar Geschenke und Mitbringsel für die Lieben und die weniger Lieben daheim, konnten aber weiterhin keinen Laden finden, der einem ein paar nette Converse verkaufen wollte. Statt dessen standen wir plötzlich vor einem einem Beauty Spa mit einem zumindest fragwürdigen Angebot…

IMG_6407.jpg
$100?! Da muss es doch jemandem geben, der es einem günstiger macht…

Wer eine alternative Aussicht aus einer deutlich geringeren (im Vergleich zum Empire State Bldg. u.ä.), aber immer noch sehr brauchbaren Höhe genießen möchte, der kann sich auf den Weg zum Hotel Bowery (3rd Ave./3rd. St.) machen. Mit jugendlichem Übermut und dem Gehabe eines Gastes in diesem Hause sind wir an den Pagen und der Dame am Empfang vorbeigeglitten, scharf links eingschlagen, als wüssten wir, was wir tun und fanden uns dann glücklicherweise vor dem Fahrstuhl wieder. Mit dem kann man so hoch fahren, wie es eben nur möglich ist, muss dann aber noch zwei, drei Etagen zu Fuß gehen und findet sich dann vor der Tür zur Terrasse, die etwas wackelig wirkt, dafür aber komplett menschenleer ist und einen netten Blick auf die Nachbarschaft eröffnet.

IMG_6429.jpg

Gegenüber vom Hotel gab es dann einen ersten Milchkaffee des Tages, in der Hoffnung, die dünne Brühe, die uns nun schon seit über einer Woche beim Frühstück vor den Latz geknallt wurde, vergessen zu machen. Und wenn es schon keine Schuhe für uns zum Anziehen geben sollte, dann doch wenigstens einen Bio-Öko-Kaffee, der einem diese auszieht.

Vollkommen kaffeeverstrahlt humpelten wir dann weiter an den Ort, wo Harry Sally traf, oder zumindest in den Laden, in dem sie ihm so eindrucksvoll einen vorgetäuschten Orgasmus vorgeführt hat – Katz’s Delicatessen. Da ich schon häufig davon gelesen hatte, aber nie wirklich wusste, was es tatsächlich ist, gönnte ich mir dort ein Pastrami-Sandwich. Ein Sandwich, dass sich als das teuerste der Welt (zumindest meiner kleinen) herausstellte und von dem ich nicht einmal ein Foto angefertigt habe. Da der gute, junge Mann den Senf vergessen hatte, wurde der Verzehr eine nicht nur unglaublich fettige, sondern auch trockene Angelegenheit, aufgeheitert nur durch die salzigsten Gurken, die auf Gottes grüner Erde wandeln und mir in ein paar Blätter Papier eingeschlagen wurden, was ein suppiger Spaß wurde.

IMG_6440.jpg
Katz’s Delicatessen – und jeder berühmte Amerikaner war schon dort und hat sich mit einem Lächeln für die Wall of Fame ablichten lassen.

So gestärkt, dehydriert und mit puckernden Herzkranzgefässen ging es weiter in den Law and Order-District, bekannt aus Film und Fernsehen und schließlich, aus offensichtlichen Gründen, auf die Avenue of the Finest.

IMG_6461.jpg
Die Ambulette, nicht nur eine platzsparende Kombination aus Ambulance und Bulette, sondern auch eines der Imbissmobile, das Hungerleidenden rasch eine Frikadelle in die hohle Hand zaubert.

Man ahnt es sicher schon seit Tag eins und auf Grund der frequenten unterschwelligen Fuß-Fetisch-Anspielungen, wir sollten doch noch mal Glück haben. Aber wie so oft im Leben mussten wir zuvor erst sämtliche Hoffnungen und ein Stück weit uns selbst aufgeben, bevor wir in das tatsächliche Einkaufsparadies kamen, das Stück vom Broadway das tief in Downtown NY liegt. So hieß denn endlich: sss – shoe shopping spree.

Allerdings stellten sich sowohl meine, in der Euphorie gleich im ersten Laden, der welche hatte, gekauften, als auch die mitgebrachten Chucks als je ungefähr eine halbe Nummer zu klein heraus, um damit noch so etwas wie Spaß zu haben. Und die schweren Adidas-Treter mögen zwar gut aussehen, bei den aktuellen Temperaturen aber sind sie alles andere als tragbar.

IMG_6515.jpg

Kommen wir zum single most major let-down der Reise, einem Spiel in der Nordamerikanischen Basketball-Profiliga. Bereits während der ersten Tage hatten wir uns Karten für die Knicks gegen die Bucks besorgt und so sahen wir diesem Ereignis mit einer gewissen Freude entgegen, u.a. weil Tracy McGrady gerade zu den Knicks gekommen war (oder hab ich das erst am Abend des Spiels erfahren?). Eine ausführliche Besprechung dieses Monate zurückliegenden Spiels können wir sicher bei Armin erbitten, wenn wir bei drei alle ganz laut seinen Namen rufen!

NBA hin oder her, das war schlimmer Basketball, den man auch in Europa eigentlich gar nicht sehen mag, lediglich ein Spieler der Bucks, dessen Name mir allerdings auch schon wieder entfallen ist, lieferte eine halbwegs akzeptable und unterhalsame Leistung ab und so konnten die Gastgeber verdient mit 67:83 aus der eigenen Halle gefegt werden.

Und wie immer, wenn man enttäuscht ist, gibt es eine Sache, die es wieder etwas besser macht: Pizza! Also holten wir uns in dem kleinen Laden unweit unseres Hostels ein paar Slices, Cola, Bier und Zigaretten und setzten uns noch eine Weile auf die Terrasse unserer Unterkunft, auf der es für Mitte Februar jetzt auch in New York erstaunlich angenehm war.

Tag 9 – San Francisco – Das Omelette des Todes

alternativer Titel dieses Eintrags: No pictures for you!

Wechselkurs 1€/1,361$

Das Ende rückt unaufhaltsam immer näher. Das ist eine allgemeingültige Wahrheit, der sich keiner entziehen kann, meist denkt man aber in größeren Zusammenhängen, so dass es einem wenig auffällt. Was unsere Reise anging, und im Speziellen die Zeit in San Francisco, gab es aber kein Entrinnen. Deshalb galt es, noch einmal the most out of now zu maken und deshalb sind wir zum Frühstück mit dem Bus nach Downtown SF gefahren, um uns der Urangst vor dem Abtreten zu stellen, materialisiert in Form des, mir schon lange bevor ich wusste, dass ich jemals hierher fahren würde angepriesenen, »Omelette des Todes«. Fachgerecht verzehrt von unserem internen Cholesterinberater Armin, der gern einmal etwas elaborieren darf, worauf es beim perfekten Omelette ankommt!

Was auch immer mich dazu getrieben hat, mich dieser Herausforderung nicht zu stellen – meine Todesphobie oder mein schier endloser Optimismus in nicht allzu ferner Zukunft eine zweite Chance aufs gerührte Ei zu bekommen – ich hatte mir an diesem Morgen ein paar Erdbeerwaffeln reingepfeffert.

Nach dem Frühstück stellten wir uns einer der letzten großen Herausforderungen unserer Zivilisation, dem richtigen Umgang mit Wartezeiten. Die Stadt war uns inzwischen hinlänglich vertraut und als Alterswohnsitz oder für ein paar mittlere Jahre abgenommen und so hieß es: Trödeln. Also schlugen wir die Zeit in ein paar Kaufhäusern tot und ergingen uns in ergebnislosen Überlegungen, wie denn eine Wendelrolltreppe funktionieren könne.


Man beachte Armins Versuch, mir bei Sekunde 10 subtil auf den Hintern zu filmen!

Für Armin gab es am Fuße der Rolltreppe neue Schonbezüge für seinen eigenen Fuße, aka. endlich die ersten Schuhe.

Halbseitig freudig gestimmt konnten wir unsere derben Warteskills dann in Inner Richmond noch ein wenig ausbauen. So ging es noch einmal durch die Clement St. bis es denn Zeit werden sollte, das Super Shuttle zum Flughafen zu nehmen. Zeit genug also, noch einmal eine Entdeckung zu tätigen und in dem verrückten Sandwichladen »Haig’s Delicacies« Verpflegung zu besorgen.

Endlich im Shuttle sitzend hatten wir gehofft, nur noch eine Person um die Ecke abholen zu müssen und damit Downtown meiden zu können, aber wie es nunmal so ist, das genaue Gegenteil trat ein – Danke, Eddie Murphy! (Der und seine Legislative immer…)

Dieser etwas längere Weg bot uns aber die Gelegenheit, uns noch mal abgrundtief für unsere Herkunft zu schämen, denn was kann man einem kasachischen Hitler-Fussball-deutsche Autos-Fan als Fahrer entgegnen, wenn der einem vehement zu erklären versucht, warum H. so ein »good man« war, was das Tolle an »unseren« Autos ist und das Olli Kahn einfach mal der Titan ist und bleibt?

Doch auch die größte Pein nimmt ein Ende (ich habe das Gefühl, das könnte zu meinem Credo werden, oder meiner Grabesinschrift…) und so gab es irgendwann einen Rückflug nach New York anzutreten.

Das on board-Filmprogramm bestand aus nur einer Nummer, »Where the wild things are«, oder wie Armin den Film nannte »dit mit dem Wolfskind«. Auch an Bord dieser Maschine gab es keine Verpflegung, aber wir waren ja mit Schnittchen von »Haig’s« ausgestattet. Trotzdem ist das eine große Schummelbude mit Alaska Air gewesen, denn deren Flug war »operated by American Airlines«, und die, liebe Kinder, gilt es zu meiden!

Sehr spät des nächtens kamen wir dann wieder in unserem New Yorker Hostel an und durften ein neues Doppelzimmer, dieses Mal mit Etagenbett, beziehen. Zum Wegdösen gab es dann noch bis 3:30 Uhr schlechtes amerikanisches Fernsehen (Tautologie?), u.a. mit unserem neuen Lieblingsformat »Lopez Tonight« aus Burbank, California, dem angeblich neuen Zentrum des Sonnensystems. Wer sich mal richtig ekeln will, der suche einfach einen Eröffnungsmonolog von Lopez bei YouTube und versucht, den durchzuhalten…

In dieser Nacht haben wir dann geschlafen wie Steine und es ist uns bis zum heutigen Tage nicht klar, ob es an den wunderbaren 40x80cm Kissen lag oder schier der Tatsache geschuldet war, dass nach so langer Zeit endlich wieder jeder eine Matratze für sich hatte. Ich meine bei aller durchlebter Bromance in diesen Tagen, die einzige verbliebene Erholungsphase des Tages sollte dann doch eine Einzeldisziplin sein…

Tag 8 – San Francisco – Park Life

 

alternativer Titel dieses Eintrags: You can be the piggy-in-the-middle!

Wechselkurs 1€/1,361$

SDC11761.jpg
Nur eines der vielen Autos in SF, die schon zu Columbos Zeiten über amerikanischen Asphalt rollten

Butter bei die Fische, der Stuhlgang stellt den Reisenden vor die größte Aufgabe im Urlaub. Wohnt man im Hotel/Hostel mit eigenem Bad, ist es schön, dort zu duschen, zum Kacken aber geht man auf den Flur. Also auf die Toilette auf dem Flur oder im Gemeinschaftsbereich oder sonstwo, egalwo, so lange man dadurch verhindern kann, die eigene kleine Bude zu verräuchern. Da wird mir wohl jeder noch so große Heimscheißer zustimmen, denn die Haus- und Hoftoilette hat man eh nicht zur Hand. Dieses Verrichten der Notdurft ist damit gezwungendermaßen etwas weniger intim, als man es von zu Hause kennt. Jeden Moment könnte jemand anklopfen, am Türknauf rütteln oder sich mit Aussagen bemerkbar machen, die die Konzentration arg leiden lassen. Wer diese etwas öffentlichere Variante des Abseilens als Spaß erlebt oder zu seinem Hobby machen möchte, dem sei »The Jesuit University of San Francisco« ans Herz gelegt. In deren sanitären Einrichtungen kann man sich frohen Mutes dem intimzonenfreien Kacken hingeben, denn die Abteile mit den Donnerbalken sind zwar vom restlichen Bereich abgetrennt, allerdings kann man durch die Spalten zwischen den Trennwänden locker die Gelben Seiten schieben ohne irgendwann Gefahr zu laufen, dass sie stecken bleiben würden. Dadurch kann man wunderbar kontrollieren, ob sich denn die Pissoirnutzer auch die Hände waschen, diese können aber genauso gut prüfen, ob man nachwischen musste oder das Kunststück eines Zauberwürstchens vollbringen konnte…

Nachdem wir diesen Sachverhalt dann ausreichend unter die Lupe genommen hatten, konnten wir noch einen lokalen Studenten kurz ansprechen, denn die wunderbare Aussicht vom Hof auf die Stadt (die Uni liegt auf einem Hügel weit oberhalb) war damit verbunden, dass wir uns in diesem kleinen Innenhof ein- bzw. aussperrten, was sich an einem Samstagvormittag auch schnell zu Schlimmerem hätte auswachsen können.

Da uns das Glück aber hold war konnten wir frisch erleichtert weiterziehen Richtung Haight-Ashbury, der homosexuellen Hochburg der Stadt.

IMG_6287.jpg
Wunderbar durch einen ins Bild rollenden Van verdeckt: Coffee to the People

An einer Ecke in den Stein geschlagen liegt dort das wunderbare kleine »Coffee to the People«, in dem man sich ganz anders als im Starbucks o.ä. mit einem Buch aus deren Regalen in Ruhe auf die Couchen flätzen kann. Und man kann interessante Bekanntschaften machen. Während Armin uns ein Heißgetränk holte setzte sich ein etwas kräftigerer kahlrasierter Mann um die 30 zu mir. Mit Blick auf meine Kamera fragte er, was ich denn so fotografieren würde und in Windeseile konnten Metal-Eric und ich uns darauf einigen, dass wir ziemlich froh darüber sind, dass sich Techno auch in Deutschland selbst überlebt hat.

Retrospektiv frage ich mich, ob mich Eric eigentlich anmachen wollte, denn seine Begeisterung ließ relativ schnell nach, nachdem sich Armin zu uns gesellte und gipfelte darin, dass er sich zum Lesen seines Buches mit Ohropax abstöpselte (»No offense, I just can’t read when others are talking…«).

IMG_6334.jpg
Am Ende fotografiert und hier einfach mal an den Anfang geschummelt

Koffein in der Blutbahn taten wir das, was zwei Hetero-Jungs an einem Samstag so tun, wir gingen Schaufensterbummeln und auf Schuhjagd die Einkaufsmeile entlang.

IMG_6302.jpg

Ein paar Softgetränke und Schokoriegel einsteckend ging es dann ab in den »Golden Gate Park« für unseren 3 Meilen-Lauf der Orientierungslosen. Drei mal dachten wir, wir wären bereits im Botanischen Garten (ich erwähnte die ungewohnte Vegetation) bevor wir dann tatsächlich in selbigem standen und von einer kleinen Holzbrücke aus eine Schildkröte ihre Bahnen durch die Entengrütze ziehen sehen konnten.

IMG_6291.jpg
Die neumodische Schnick-Schnack-Variante

IMG_6325.jpg
Das Harte-Kerle-Original zum Vergleich

Vorbei an ein paar wilden Frisbee-Rugby (oder so ähnlich) spielenden jungen Menschen gingen wir auf unseren geschundenen Füßen und fühlten uns jeder so alt, wie wir zusammen wären. Aber wir wurden mit einmal allem entlohnt. So gab auf einer riesigen Freifläche eine Partie Rugby zu sehen, genauso wie einen einsamen Fliegenfischer an künstlichen Laichbecken und ein paar faule Büffel (oder Bisons, Wisente?).

IMG_6297.jpg
Ornitologen, raus mit den Vogelbestimmungsbüchern!

Wie einst die Siedler und Goldrauschfritzen kamen wir dann irgendwann völlig erschlagen am Pazifik an und ich konnte statt den einzutauchenden Finger zu dokumentieren gleich mal die halbe Kamera im Ozean versenken.

IMG_6340.jpg

Erschöpft schleppten wir uns noch gerade so zurück zu John Helds Haus, um dort ein wenig ihn und sein Atelier zu fotografieren und noch zwei andere Dinge zu tun, die man besser nicht ins Internet schreibt, auf die man uns aber gern mal von Angesicht zu Angesicht ansprechen darf.

IMG_6354.jpg
How to be your own cliché

Zum Abendessen führte uns John dann zu seinem Lieblingsladen, dem »Coriya Hot Pot City« (Clement/10th Ave.). Dort gab es ein koreanisches BBQ, das wir leider mit keinem einzigen Bild dokumentiert haben. Es sei aber jedem SF-Besucher wärmstens empfohlen, dieses Wahnsinnsding, das Fleisch auf Fleisch zusammen mit verrückt leuchtenden Sachen, an die man sich nicht rantraut, bietet. Dazu kann man sich seinen Dip selbst rühren und wer sich noch unsicher ist, ob der Laden etwas für ihn ist, der prüfe seine eigene Lebenseinstellung mit Johns Aussage: »I’m a meat guy!« und ziehe seine Schlüsse.

Um diese hunderte von Gramm gegrillten Tiers irgendwie zu verdauen entschlossen wir uns dann, langsam wieder zu Kräften kommend, für einen Abendspaziergang durch die Hood von Inner Richmond. Im tollen Designgeschäft »Park Life« und dem lustigen Bücherladen »Green Apple Books« haben wir noch etwas Geld gelassen, danach einen Kaffee getrunken und im Park abgehangen, wo wir dem aufkommenden Lagerkoller einen Strich durch die Rechnung machen konnten, indem wir noch alberner als bisher waren.

Auf dem Weg zurück wurden wir dann noch von ein paar örtlichen Jugendlichen gebeten, gechillt zu bleiben und ihnen nicht aufs Fressbrett zu geben, eine Bitte, der wir natürlich nachgekommen sind. Statt also jemanden so richtig zu verprügeln haben wir uns wieder auf der Klappcouch an einander gekuschelt, oder vielmehr das andere – versucht nicht durch die Unebenheit in der Mitte zu landen…

 

Tag 7 – San Francisco – Patty Melt Madness

alternativer Titel dieses Eintrags: Love, Achim!

Wechselkurs 1€/1,361$

IMG_6164.jpg

Zum Frühstück sind wir in das kleine Café in Inner Richmond vom Vortag gegangen (»Blue Danube«). Dort gab es ein paar leckere Sandwiches, Salat und eine Chicken Soup (amerikanisch-euphemistisch für Hühnerbrühe).

IMG_6172.jpg

Auf einer Karte hatten wir etwas entdeckt, dass sich »Love Achim« nannte und das wir dann erfolglos suchen waren, nur um an einem Krematorium und Urnen-Aufbewahrungs-Gelände herauszukommen (San Francisco Columbarium – Loraine Ct./Anza St.). In den Vorgärten blühten die wildesten Sachen, u.a. ein Orangenbaum, und wenn man gerade aus dem verschneiten New York kommt braucht alles ein wenig länger, um verarbeitet werden zu können.

SDC11729.jpg

Vom Krematorium ging es für uns weiter zum Kriegsgefallenenfriedhof (San Francisco National Cemetery) im Presidio of San Francisco.

Nach einem halben Waldspaziergang standen wir dann an der Zufahrtsstraße zur Golden Gate Bridge, fanden aber glücklicherweise noch einen Weg durch eine kleine Siedlung abseits der Hauptstraße.

So kamen wir zu einer ehemaligen Kriegs-/Abwehranlage (Battery) und fragten uns, wann die denn tatsächlich im Einsatz war – eine der vielen Fragen, die auch nach dieser Reise offen sind und für deren Beantwortung unserer Wikipedia-Recherche-Wahn wohl nicht ausreichen wird.

IMG_6204.jpg

Mit einigen busvoll Japanern standen wir dann an und auf der Golden Gate Bridge und konnten feststellen, dass es noch immer verboten ist, Raketen von der Brücke zu werfen, vom Abschießen war aber keine Rede…

Wenn man alle Augen zudrückt, kann man sagen, dass wir die Brücke bis zur Hälfte bewandert haben. Das hat gereicht, um einen Blick auf die Stadt haben und auf der anderen Seite hätte einen eh nichts erwartet, dazu war es diesig und eine komplette Querung kann man sich getrost für den nächsten Aufenthalt aufsparen, wenn man mit einem Auto oder Rad vor Ort ist. Einige der Ortsansässigen (zumindest aber unser Gastgeber) wandern am Neujahrsmorgen einmal über die Brücke und zurück, was ich für eine sehr schöne Tradition halte.

Zurück Richtung Stadt ging es dann Eeeeeeeewigkeiten am Wasser entlang (Marine Drive), vorbei an Crissy Airfields und Fort Mason. Unsere Disskussion über Multitasking fürs iPhone konnten wir auf keinem gemeinsamen Nenner abschließen, aber immerhin der Schmerz in den Beinen konnte uns einen. Im Fort Mason Park standen wir plötzlich vor einem sehr netten Youth Hostel, das man bei nächster Gelegenheit vielleicht als Unterkunft nehmen sollte…

Auf einer Art Trimm-dich-Pfad für den Kopf kamen wir an verrückten Windmessern vorbei, die Windrichtungen in verschiedenen Höhen anzeigten, einem Brückenthermometer und anderen spannenden Dingen, bevor es wieder einen Blick auf Alcatraz aus der Ferne gab.

IMG_6239.jpg
Wer mit der Sexualpraktik des Shrimping noch nicht vertraut ist, werfe an dieser Stelle einmal die Suchmaschine des Vertrauens an!

Endlich an den Piers an der Fisherman’s Wharf angekommen war es Zeit für eine kleine Stärkung in einer Sauerteig-Bäckerei, deren besonderes Angebot diverse Speisen direkt aus einem runden Brot heraus sind. So gab es dann einmal Chili und dazu konnte geshrimpt werden, wie die Weltmeister…

IMG_6249.jpg

Und weil so ein massives Touri-Programm nur halb wäre ohne eine Fahrt mit dem Cable Car sind wir anschließend zur Station nahe der Water St. und mit diesem Gefährt dann einmal durch die ganze Stadt bis zur anderen Wendeschleife an der Market St. gefahren. Leider war das Cable Car so voll, dass beinahe permanent jemand vor einem stand, so dass ich mich nur einmal kurz raushängen und wie ein junger local fühlen konnte.

Wenn man an der Market St. mal nicht weiter weiß und einem das vom Gesicht abzulesen ist, dann steht auch schon der Homeless Guide Randy (Name ähnlich) vor einem und gibt eine Einweisung in die Stadt. Wir konnten dabei feststellen, dass wir schon wieder beinahe alle Touri-Punkte nach nur 1,5 Tagen abhaken konnten (zumindest, wenn man ein wenig schummelt) und wurden dann prompt zum Baseballstadion der SF Giants (At&T Park) geschickt.

IMG_6257.jpg
Fliegende Gegenstände im At&T Park.

Unendliche Betonweiten zieren The Embarcadero, die Hauptstraße an der Bay entlang, wo wir uns an den eher langweiligen Piers entlang langsam zur Oakland Bay Bridge vorarbeiteten.

Unterbrochen von gefährlichen Sprünge mit kaputten Beinen, die in actiongeladenen Bildern resultierten.

Da es inzwischen etwas später geworden war, konnten wir im Starbucks nicht mal mehr aufs Klo und wurden mit den Augen auch halb aus dem Laden komplimentiert, amerikanische Kaffeehauskultur eben, wenn man bei einer Kette überhaupt davon reden darf.

Doch das war nichts, was ein Root Beer nicht trösten konnte, dieses trinkbare Wick VapoRupp. Teufelszeug!

IMG_6271.jpg

Ganz ohne die Hilfe eines Stadtführers haben wir es am Union Sq. auf das Dach von Macy’s geschafft. Von dort konnte man ganz nett auf den vor einem liegenden Platz sehen und wenn man etwas verrückter drauf ist, als wir das an diesem Abend waren, dann kann man sich in der dort beherbergten Cheesecake Factory auch noch ein Törtchen im Freien gönnen.

Wir mussten aber etwas Hunger aufbauen für die geplanten Burger, die es dann im Lori’s Diner gab, wo uns eine unfreundliche Kellnerin einen verdammt guten Patty Melt auf den Tisch geknallt hat.

IMG_6276.jpg

Und ungefähr so ging der zweiten Abend in San Francisco zu Ende und unser Weg wieder zurück auf die Klappcouch, ist ja schließlich auch Urlaub gewesen.

Tag 6 – San Francisco – California, here we come

alternativer Titel dieses Eintrags: We’re no couple…

Wechselkurs 1€/1,3501$

IMG_6056.jpg

Das irdische Gleichgewicht ist ein kostbares Gut, es sorgt dafür, dass die Welt nicht untergeht. Und da wir nicht wollten, dass die Welt untergeht, und schon gar nicht, wenn wir im Urlaub sind, weil dann die Gefahr besteht, dass wir nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommen, mussten wir an diesem Tag etwas tun, um das irdische Gleichgewicht zu retten. Dem stetig fallenden Dollarkurs mussten wir also wohl oder übel etwas Steigendes entgegensetzen und warum dann nicht gleich uns selbst? So kam es, dass wir uns am Flughafen JFK in den nächsten Luftreiter setzten und uns aufmachten nach San Francisco.

Hinweis für Homophobiker: Solltet Ihr in einer rein männlichen Runde nach New York reisen, idealerweise paarweise in Zimmern mit Queensizebetten absteigen und planen, auf die andere Seite des Landes zu reisen, erwähnt niemandem gegenüber, dass es San Francisco sein wird, man könnte euch spätestens jetzt für ein Paar halten.

Das hat uns jetzt nicht weiter gestört, nur etwas verwundert, da wir uns gegenseitig versichern konnten, dass wir uns für ein ziemlich unschönes Paar halten, aber auch die muss es wohl geben.

Für gleich- wie verschiedengeschlechtliche Freundschaften gilt denn auch der gleiche Grundsatz wie für Paarbeziehungen: Solange man noch nicht hemmungslos vor einander Stuhlgang haben kann, sehe ich eh keine Probleme.

IMG_6063.jpg
Südliche Wendeschleife der Cable Car Strecke zur Powell/Market Street.

Zurück zur Reise: Auf unseren Inlandsflügen mussten wir uns leider selbst kulinarisch versorgen (was dank des Wissens darum auf dem Rückflug bedeutend besser gelang…), dafür glaube ich mich an eine nicht enden wollende Versorgung mit Cola- und colaähnlichen Getränken erinnern zu wollen. Wer zudem seine freudige Aufregung über die Weiterreise Richtung Sunshine Belt etwas runterfahren möchte, dem sei der deprimierende Film »The Boys Are Back« wärmstens empfohlen. Auch wenn ich es für unverantwortlich halte, so etwas dem unbedarften Flieger vorzusetzen, erscheint mir der Gedanke dahinter mit dem nötigen Abstand immer klarer. Zeige den Leuten einen todtraurigen Film und sie werden sich selbst über so schlechte Nachrichten wie eine plötzliche Notwasserung ein zweites Loch in den Hintern freuen, wenn das denn bedeutet, dass da endlich jemand den Fernseher ausstellt.

IMG_6075.jpg
Auch in San Francisco finden sich pittoreske Kirchen in Hochhaus- und Messegeländevierteln, dafür gibt es hier das ganze Jahr über Vegetation.

Zum Thema Sunshine Belt: In San Francisco waren es durchweg um die 15°C – und sie nennen es Winter! Gut, es hat ein wenig geregnet, aber auch nicht schlimmer als in diesem Berliner »Frühsommer«.

Davon abgesehen sei jedem empfohlen, mit einem Super Shuttle Bus vom Flughafen in die Stadt zu fahren – der ist zwar manchmal gar nicht so super und in unseren beiden Fällen auch nicht sehr shuttlig, kostet aber nicht viel, dauert nur minimal länger als der BART und bringt einen dafür direkt und stressfrei bis vor die gewünschte Haustür – den richtigen Fahrer vorausgesetzt, dazu aber bei der Rückreise mehr.

Um das gleich mal vorweg zu nehmen: In New York würde ich gern eine Zeit lang wohnen wollen, aber in San Francisco könnte ich mir vorstellen, zu leben. Was jetzt so super cheesy nach Möbelhaussprüchen klingt lässt sich vielleicht besser nachvollziehen, wenn man sich die Cafésituation vor Augen führt: In New York kann man in Cafés in der Regel nicht in Ruhe sitzen, langsam sein Getränk trinken und die Zeit verstreichen lassen. Zumindest selten in Manhattan und fast gar nicht in den Läden, die wir dort frequentierten. In San Francisco finden sich dafür viele Cafés, die für den deutschen Touristen, oder Berliner in diesem Fall, vertraut sind. So wurden wir denn nach unserer Ankunft bei John Held, Jr., der uns freundlicherweise für ein paar Tage bei sich aufnahm, ins »Blue Danube« (Clement/4th. Ave.) geführt, wo man sich in Hippieatmosphäre auf Couchen niederlassen und die weitere Reise in Ruhe planen konnte. Und ich will jetzt NY nicht Unrecht tun, auch dort gibt es kleinere Cafés und ruhige Ecken, aber man muss doch etwas mehr danach suchen, als einem manchmal und in Ermangelung von Ortskenntnissen lieb sein kann.

Nach dieser Stärkung blieben und dank Zeitverschiebung noch ein paar Stunden am ersten San Franciscoer Nachmittag/Vorabend, also sind wir mit dem Bus nach Downtown gefahren (mit »ten minutes to downtown« in den Ohren, auch wenn es ein paar mehr waren).

IMG_6088.jpg

Bevor es ein wenig die Berge rauf und runter ging hielten wir uns im flachen Teil nahe der Powell St. und Market St. und dem Union Sq. auf. Spulten einmal mehr das Fanboy-Programm ab und waren im Apple Store, vor dem Buena Yerba Center und in dem dazugehörigen Park, vor dem Moscone Center und taten uns schwer, mitten im eigentlich eiskalten Februar die Vegetation und laufende Springbrunnen für voll zu nehmen.

IMG_6095.jpg
Trickfotografie 101: In Wahrheit sind in San Francisco die Straßen flach wie der Busen einer 11-Jährigen (also zumindest einer 11-Jährigen zu meiner Zeit, keine Ahnung wo wir hormonell heutzutage schon sind) dafür sind die Häuser schräg gebaut, so dass dem unbedarften Urlaubsplaner daheim der Eindruck entsteht, es wäre in der Tat hügelig.

Und so machten wir uns vorbei an den schrägen Häusern und entlang der flachen Straßen oder andersrum den Berg hinauf bis zur California St. von der aus man beinahe schon eine Aussicht auf Fisherman’s Wharf hatte.

Zum Abendessen gab es Pizza Slices unter Palmen auf dem Union Sq. und anhaltende Versuche, sich langsam in dieser Realität einzufinden.

IMG_6116.jpg
Hier wurde dem großen Videospiel »Tony Hawk’s Pro Skater II« ein Denkmal am Embarcadero gesetzt.

So gestärkt ging es für uns weiter durch Downtown und zum Fährhafen, an dem es nicht nur Kaffee und Fischgeruch gab, sondern auch einen netten Blick auf die Bay Bridge.

IMG_6123.jpg
Die Bay Bridge Richtung Berkeley und Oakland bei Nacht.

Überquellend vor romantischer Aufladung mussten wir dann einfach noch ein wenig die Piers entlang bis zum Pier 39 laufen, wo ein paar Robben (oder waren es Seehunde? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?) auf Banken abhingen und auf den nächsten Tag warteten.

IMG_6159.jpg
Die Lombard St. – angeblich the crookedest street on earth.

Und da wir schon mal in der Nähe waren, galt es auch gleich noch die wunderbar gedrehte Lombard St. vor dem Bay Bridge Panorama mitzunehmen. Also wieder ein paar Berge hoch und runter, ein paar linke und rechte Haken geschlagen und schon waren wir da.

Anschließend waren aber auch die Kräfte für diesen Tag aufgebraucht und schleppten wir uns noch bis zur Geary St., wo wir dann mit Bus zurück nach Inner Richmond, unserer Hood für diese Tage, fahren konnten. Nicht aber ohne erschrocken festzustellen, dass die Jugend vor Ort »Die Atzen« hört, auch wenn es bei denen nicht so aussah, als wenn es allzu sehr abginge, vom Feiern die ganze Nacht ganz zu schweigen.

IMG_6151.jpg
Der Gedankte kam mit vor Ort nicht, aber retrospektiv, oder zumindest auf den Fotos, wirkt das Licht in San Francisco ähnlich warm wie zuhause im Prenzlauer Berg, vielleicht machte das ja ein Teil der Geborgenheit aus.