Noch mehr Meinung

Nach über neun Jahren beinahe regelmäßiger Partizipation und irgendwann auch schon einmal angefangener Sneak-Kritik, nehme ich mir jetzt mal vor, die Bewertungen, die ich sowieso wöchentlich (gegeben des Falles ich war überhaupt da) bei Twitter in die „Welt“ „rausschreie“, irgendwie noch auf fünf, sechs, neunzehn Sätze ausgeweitet hier zu bringen. Vielleicht braucht das Ganze noch eine gute Headline, unter der das laufen wird, aber im Prinzip: Here we go.

Meine Zeit in Schweden

Eine weitere Sache ist mir heute aufgefallen: Es wirkt viel eindrucksvoller, wenn ich von meinen 5 Monaten Erasmus in Stockholm als von „meiner Zeit in Schweden“ spreche. Insofern:

In meiner Zeit in Schweden hatte ich ein paar Kurse bei einem aufstrebenden jungen schwedischen Filmwissenschaftler, der uns etwas über Jazz-Programme im schwedischen Fernsehen erzählte. Der Kurs war auf Englisch und Peter, so glaube ich hieß der junge Oberlippenbartträger, an dessen Nachnamen ich mich nicht erinnern kann, war dafür mehr als geeignet, sowohl inhaltlich, wie auch sprachlich. Trotz allem meinte er, Bezug nehmend auf seine Doktorarbeit, er würde diese lieber auf Schwedisch schreiben, auch wenn sie dadurch viel weniger Menschen würden lesen können.
Seiner Meinung nach gäbe es schon genügend Arbeiten schwedischer Filmwissenschaftler, die meinten, mit ihrem äußerst bescheidenen Englisch ein breiteres Publikum attrahieren zu müssen, die dann doch irgendwie in die Belanglosigkeit abdrifteten, weil sie damit ihr eigenes Ausdrucksvermögen künstlich arg beschränkten.

Für all diese Momente, in denen man (lies: ich) sich denkt, auf Twitter, bei Facebook oder auch in Blogs Englisch schreiben zu müssen, wäre das doch eigentlich mal die richtige Art von New Year’s Resolution: Bleib‘ bei deiner Muttersprache! Diese zu meistern ist in vielen Fällen Herausforderung genug und fernab von bedenklichem Patriotismus kann so ein Umgang mit Nationalflagge, Vaterland und Muttersprache doch nur gesund sein.

Und nur um das klarzustellen: Ich bewundere Menschen, die vielerlei Sprachen beherrschen. Manchmal bewundere ich diejenigen, die sie nicht so sehr beherrschen und trotzdem munter drauflosquatschen sogar noch etwas mehr. Häufig gehöre ich da ja schließlich selbst zu (ohne mich in diesen Momenten sonderlich selbst bewundern zu können…). Nur für die Zukunft und mich lege ich fest: Wenn ich mir dessen, was ich schriftlich ausdrücken mag nicht sicher bin, dann versuche ich es doch lieber auf Deutsch. Man schaue mir bitte gern auf die Finger und haue im rechten Moment zu! Diese Hinweise nehme ich gern an, auch wenn ich das im ersten Augenblick vielleicht nicht immer so zeigen kann…

And now to something completely different…

Ich hatte irgendetwas unglaublich spannendes zu berichten, als ich mir neulich dachte, dieses Video würde sich thematisch ganz gut einpassen. Dann scheine ich aber vergessen zu haben, was der eigentlich originäre Part des Ganzen war und da auch kein loser Zettel bei mir mehr herumschwirrt müssen wir uns alle wohl damit abfinden, dass da wieder einmal eine ganz große Geschichte verloren gegangen ist. Mein großer amerikanischer Roman oder sowas in der Art.

Wie dem auch sei, um das hier mal wieder etwas anzustoßen, und weil Monty Python für sich genommen immer wieder genießbar ist:

Mit meinem persönlichen Hightlight: „The hundred yards for people with no sense of direction.“

Der Herr zeigt mir den Weg

Jedem Autofahrer ist klar, dass es mehrere Feinde im Straßenbild gibt. Doch keiner dieser Feinde ist so konsensfähig wie die bundesdeutsche Ampelschaltung. Jetzt habe ich den kürzlich ausgestrahlten Bericht in einem dieser Wissensmagazine zum Thema „Die Ampel ist immer länger rot als grün“ nur halb gesehen und kann mich deshalb keiner wirklich neuen Erkenntnisse erfreuen. Es ist wohl aber davon auszugehen, dass Grün- und Rotphasen ähnlich lang sind, nur die empfundene Dauer unterschiedlich daherkommt. Das macht ja auch Sinn, wenn man bei der einen Farbe stehen muss und bei der anderen einfach vorbeirauschen kann. Neben einer pseudowissenschaftlichen Erklärung ging es wohl aber auch darum, jedem Hinz und Kunz einmal die Chance zu geben, seine Ansichten über die verkehrsleitenden Lichter in die Welt zu schreien. Und warum sollte ich da jetzt hintenanstehen?

Meiner Meinung nach ist das ganze Konzept Ampelschaltung basierend auf göttlicher Vorsehung. Und auch wenn ich mich jetzt schon fast auf Grund dieser boulevardpressekompatiblen Aussage aus dem Bereich „Weiteres Inhaltsähnliches“ zurückziehen könnte, muss ich doch sagen: Das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist tatsächlich so erlebt.

Auf einer dieser einstündigen Autofahrten aus dem schönen Strausberg zurück in die Stadt stellte ich fest, dass es neben meinem Gefährt nur noch einen Opel Corsa einige Meter vor mir auf den Straßen gab. Eine luxuriöse Situation, wenn man dann auch noch in Lichtenberg und somit mindestens vierspurig unterwegs ist. Zu meinem Erstaunen kamen wir darüber hinaus auch „sehr gut durch“ (wie man in solchem Fall sagt). In Fachkreisen sagt man wohl „Wir hatten eine Grüne Welle“. Woran aber lag das, wenn es doch sonst nie so reibungslos voran ging? Richtig. Hier hatte Gott seine Finger im Spiel, resp. eine seiner irdischen Stellvertreterinnen. Im Corsa nämlich saß eine Nonne. Nicht am Steuer, sondern nur auf dem Beifahrersitz, aber auch das schien schon zu genügen. Ihre Aura schien sich positiv auf die Ampelphasen auszuwirken, oder sie hatte eine Standleitung zum Großen und der hat das für sie geregelt. Schnell fiel mir ein Teil unseres Speisensegnungspsalms aus dem Kirchenhort ein: „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ Keine Spur von „und die Grünphase natürlich“. Aber vielleicht war das auch nur die Lite-Version für all diejenigen, bei denen man sich nicht ganz sicher sein konnte, ob sie wirklich dank dafür empfanden, dass der Herr ihnen den Teller Esskastanien vor die Nase gestellt hat. Mein heidnischer Versuch, mich an die geltende Straßenverkehrsordnung zu halten und statt der gesegneten 60 Stundenkilometer die erlaubten 50 zu fahren führte schnell dazu, dass ich etwas hinter dem Mama-Mobil zurückfiel, da hieß es improvisieren. Und so begann ich mich kurz vor jeder Ampel zu kreuzigen, was ein erneuter Fehler war, wenn man bedenkt, dass wir Evangelen das eh nie gemacht haben. Prompt bekam ich dann auch die Antwort, den Zorn Gottes, die Farbe der Liebe auf die Leuchte der Landstraße (jaja..innerorts, ich weiß, aber die Alliteration war schneller als das innere Korrektorat).

Ich habe daraus gelernt, dass es wohl Dinge auf Erden gibt, die man nicht begreifen kann, wenn man nicht glauben mag und da ich nicht glauben mag, begreife ich nicht und was ich nicht begreife, das gibt es auch nicht. Macht das noch Sinn?