Ehrlichkeit

Ich musste heute darüber nachdenken, wieviel Sinn der Satz „Ich will mal ganz ehrlich sein.“ für mich ergibt. Und ich glaube, dass „Keinen.“ die Antwort ist. Klar fällt es einem immer viel leichter, Dinge zu verreißen und es ist auch um Längen spektakulärer. Häufig ist auch so viel lustiger, zu lesen, was jemand ausgesprochen scheiße findet, aber auf Dauer macht man sich damit nicht nur keine Freunde, man verliert wahrscheinlich auch ein wenig den Blick für die angenehmen Kleinigkeiten. Vielleicht wird man mit dem Alter ja einfach etwas milder. Vielleicht war ich mir der Unfairness meiner harschen Ausbrüche aber auch schon immer ein Stück weit bewusst (unbewusst zumindest…). Für mich jedenfalls kann (oder besser: sollte) es künftig nur noch heißen:

Ich will mal teilweise ehrlich sein.

Wenn ich das nicht schon immer war. In dem Fall sollte ich wohl ausgewogener werden. Was man dann schon fast wieder als eine größere Ehrlichkeit verstehen kann. Egal, wie es kommt, eines scheint sicher: Es bleibt kompliziert. Oder wie es Pfleger Robert beim Zivildienst auszudrücken pflegte: Es ist ein hartes Leben.

„Nackt Luft Anhalten“

Wo ich schon mal dabei bin, auf Artikel zu verweisen, die ich irgendwie für lesenswert halte, kann ich ja noch „Nackt Luft Anhalten“ aus dem Feuilleton der Berliner Zeitung vom 01./02. August 2009 nachschicken.

Auch kürzlich noch wurde ich komisch dafür angeschaut, dass ich weiß, dass sich Cheyenne des nächtens im DSF auszieht, wenn man ihr eine Automarke mit A oder eine Stadt nennen kann, die mit dem gleichen Buchstaben schließt, mit dem sie auch beginnt. (Eine tatsächlich schwierige Aufgabe, die gern in den Kommentaren weiterführend gelöst werden darf. DORTMUND ist schon weg!)

Doch dass sich auch die Berliner Zeitung diesem Fernsehangebot widmet lässt mich besser fühlen, zumal es mir neu war, dass es auf diesem Sender auch Frauen gibt, die wenig bekleidet den Kopf in ein Aquarium halten, um sich dem sportlichen Wettkampf des Luft-anhaltens hinzugeben. Das bleibt mir zwar ähnlich zugänglich wie einst die mit ihrem Auto im Matsch steckengebliebenen Damen in Highheels, aber solange sich jemand findet, dem das Freude bereitet bin ich dafür.

Es kann in diesem Zusammenhang ja auch kein Zustand sein, dass man auch am Ende des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert ein schlechtes Gewissen wegen seiner Vorlieben oder der wenig schockierenden Tatsache haben muss, dass man gelegentlich masturbiert. Man vergleiche hierzu Stephen Frys Rede anläßlich des iTunes Live Festivals in London, die sich zwar vornehmlich mit anderen Themen beschäftigt, aber auch für dieses Thema einen kurzen Part bereit hält und vor allem denke man an Woody Allens weise Worte: „Sag nichts gegen Masturbation. Das ist Sex mit jemandem, den ich liebe!“

Der Diderot-Effekt

Wo ich doch gerade das Gefühl hatte, mir zu meinem MacBook einen mstand kaufen zu müssen und dies dann auch in die Tat umgesetzt habe. Wo ich zu meinem HD-Camcorder eine etwas teurere SDHC-Karte kaufen musste, weil die günstigere bereits nach einem Tag die Grätsche gemacht hat. Und dann auch noch wo ich das Gefühl habe, zu einem HD-Camcorder bräuchte es eigentlich auch einen HD-Fernseher, da kann ich ja mal auf einen bereits vor einiger Zeit in der »Zeit« erschienen Artikel verweisen, der sich mit genau diesem Phänomen beschäftigt. Jürgen v. Rutenberg beschreibt dort nämlich genau, wie es kommt, dass Gegenstände Macht über uns erlangen und dann nach anderen, neuen Gegenständen verlangen.

Oder um ein wenig allgemein zugängliches Wissen zu zitieren:

Der Diderot-Effekt ist ein Begriff aus der Konsumforschung.

Er beschreibt, wie Menschen, nachdem sie einen Gegenstand gekauft haben, in den Zwang geraten können, weitere Käufe zu tätigen, um ein passendes Gesamtbild zu schaffen.

Jemand kauft zum Beispiel einen neuen Sessel, der farblich nicht zu den vorhandenen Sesseln in seiner Wohnung passt. Dadurch gerät er in den psychologischen Zwang, auch die vorhandenen restlichen Sessel durch ins Gesamtbild passende zu ersetzen. Dadurch passt dann aber beispielsweise der Schrank nicht mehr ins Gesamtbild und auch er muss ersetzt werden usw.

Die Bezeichnung geht auf Denis Diderot zurück, der in einem Aufsatz sagt: „Mein alter Hausrock und der ganze Plunder, mit dem ich mich eingerichtet hatte – wie gut paßt eins zum anderen! […]“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Diderot-Effekt

Biste inne Stadt, wat macht dich da satt…

…’ne Currywurst. – Herbert Grönemeyer (siehe Youtube)

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Inzwischen sind es weniger als 320.000 Sekunden bis am Samstag, dem 15.08.2009 anläßlich des 60. Geburtstages der vielbesungenen Wurst das Deutsche Currywurst Museum Berlin eröffnet. Neben der Aufarbeitung der Geschichte der Currywurst (Hier wittere ich großen Streit mit der Hansestadt Hamburg darüber, wer denn nun wirklich zuerst da war. Man vergleiche hierzu auch Uwe Timms Buch „Die Entdeckung der Currywurst„!) kann man im Museumsimbiss wohl so manche Variation probieren. Insofern sollten wir hier vielleicht mal eine investigative Gruppenreise dorthin starten, nur vielleicht nicht gerade am Eröffnungstag, da wird ja auch wieder Fussball gespielt/geschaut.

Einzig mit dem Maskottchen scheint man mal wieder einen halben Griff ins Klo hingelegt zu haben, sieht dieses Wesen mit dem unsinnigen Namen QWoo doch eher wie scheiblierte Scheiße aus. Aber mit diesen Assoziationen muss man wohl leben, wenn man sich der Geschichte der Wurst verschrieben hat. Und ultimativ wird die Wurst ja wieder zu einer anderen Wurst. Wir erinnern uns an die Schule und den ersten Wursterhaltungssatz. Genauso gerne denke ich auch an den Schnellimbiss vor dem damals noch vorhandenen ehemaligen Palast der Republik, wo so mancher der Rückbauarbeiter sich dem klassischen Wurst-rein-Wurst-raus-Manöver hingab.

Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier: www.currywurstmuseum.de

Stephen says…

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Stephen Fry sagte in einem seiner Podgrams:

When you run out of ideas for an article it’s very easy to cast your mind around for some nostalgic regret, some piece of cultural observation that you have made, that shows your acuity and your connection to the culture. And the cheapest and most obvious to the point of cliché of these is to regret the passing of the milkman’s cheery whistle. […] Those sorts of article are harmless enough I suppose. That’s trap one: Going off into the sentimental, the regretful, the nostalgic. Trap two is for anger to take the upper hand. And that’s the easiest one of all. Articles with anger in them write themselves. It doesn’t matter whether you’ve been kept waiting in the queue in the supermarket […] it doesn’t matter how banal and obvious it is, just a bit of fury will take you a long long way. And the article get’s itself written. And of course for journalism you could also put in stand-up comedy, which more or less is the 21st century’s equivalent to journalism and is as guilty of being obvious and banal and cheap and finding the shortest distance between two laughs as journalism is.

Irgendwie habe ich mich bei diesen Worten ertappt gefühlt. Nicht, weil ich glaube, ein talentierter Journalist zu sein oder weil ich mich komödiantisch für versiert halten würde, sondern vielmehr, weil ich ein wenig nostalgisch wurde, als ich gerade in der Küche stand. Nostalgisch von irgendwoher. Es kann nicht viel damit zu tun gehabt haben, dass ich mir ein Brot geschmiert habe, denn im Wesentlichen hatte ich daran gedacht, wie schnell die Zeit vergeht und da machen die zwei Minuten mit dem Messer in der Hand den Kohl auch nicht fett.

Es ist inzwischen zehn Jahre her, dass Armin und ich die erste größere Reise ohne unsere Eltern oder ähnliche Vertreter einer älteren Generation unternommen haben. Ehrlicherweise muss ich wohl hinzufügen, dass es für mich die erste Reise dieser Art war. Armin, so glaube ich mich zu erinnern, hatte schon ein wenig Balaton-Klischee ohne Erziehungsberechtigte abgreifen können. Zehn Jahre also ist her, dass Annika und ein Mädchen, das unbedingt Granini – ich glaube wegen der Bonbons, nicht wegen des Saftes – gennant werden wollte, eine Reihe vor uns im Bus nach Rimini saßen und Armin ihnen so wunderbar barsch „Ich hasse Kekse!“ ins Gesicht sagte, obwohl sie doch nur über ein paar Leibniz‘ ins Gespräch kommen wollten. Zehn Jahre seit wir Granita-Becher mit Namen von Freunden versehen haben und diese im Sand verbuddelten und dass uns eine Stimme vom Band des nächtens in unserem 13-Mann-Zimmer weismachen wollte, wir wären nicht der Mittelpunkt des Universums; ein seltsames Gefühl.

Paart man dieses Gefühl mit der oben beschriebenen Falle Nummer zwei, der Wut, die so oft die Beiträge hier bestimmt hat, dann steht man reichlich dumm da. Nabelschau betreibend kommt man schnell zu dem Schluß, dass man es sich wohl häufig sehr einfach gemacht. Dann aber bleibt die Frage, warum auch nicht!? Wir sind eben keine professionellen Schreiber und es muss auch hier nicht der Ort dafür sein. Und nur ein paar Minuten nachdem der gute Stephen Fry diese zwei einfachen Fallen präsentiert hat erklärt er, dass er eben genau in diese beiden tappen will – wissentlich – da sich etwas in ihm aufgestaut hat, das er nur so loswerden kann. Was folgt ist ein äußerst unterhaltsamer Verriss doppelmoralischer Nuancen im englischen und amerikanischen Fernsehen. Wo Geheimagenten nicht unangeschnallt im Auto fahren oder während der Fahrt telefonieren dürfen, da sie ja eine Vorbildfunktion für junge Serienliebhaber haben. Wo sie sich aber ungehemmt ins Gesicht schießen können und wo dieser Fakt von niemandem als eine Übertretung eben jener Funktion gesehen wird. Köstlich, wie sich Fry in Rage redet und wie er immer wieder „shooting people in the face“ wiederholt. Ein Anhörbefehl…