— Differentialdiagnose

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Falls heute Abend die Frage aufkommen sollte, was man im Fernsehen schauen kann, muss ich direkt auf den Wochentag verweisen. Freitag ist ja seit Ende des Sat.1 FilmFilms (der gute, der von früher!) keine Freude mehr für Fernsehasten…

Trotz allem könnte man folgendes ausprobieren:

20:15 »Die Kinder der Seidenstraße« auf Einsfestival
(für non-DVB-T’ler auch über Zattoo zu erreichen)

Ich habe keine Ahnung, wie sehr dieser Film taugt, aber Jonathan Rhys Meyers war in »Match Point« eine Freude und ist, wie mir zugetragen wird, bei Mann und Frau auf Grund seines Äußeren begehrt (wie so häufig gibt es also auch hier die Option »Ton aus«, oder wie Armin sagen würde »Aber die Bilder, DIE BILDER!«).

20:15 »Rendezvous mit Joe Black« auf ZDF neo

Man exponentiere den Rhys Meyers-Faktor und hat einen Film mit dem noch jungen Brad Pitt. Den sollte ja jeder schon kennen, oder? Also den Film, meine ich…Ansonsten wird’s Zeit, damit man den noch gesehen hat, bevor er 14 Jahre alt wird!

21:30 »Pappa Ante Portas« auf 3sat

Jaja, über die Toten nur Gutes usw.
Abgesehen davon, dass ich glaube, dass jeder, der nach diesem Motto lebt seine Augen vor der Wirklichkeit verschließt, habe ich ja ein paar Probleme mit Loriots »Zeitlosigkeit«. Die gibt’s in meinen Augen nämlich nicht, aber da viele mit Begeisterung einschalten, sei der Film hier noch erwähnt. Man kann zumindest die Lohse-Klassiker noch einmal etwas aufwärmen…

Zur Not schaue man in die Mediathek:

»Im Winter ein Jahr« kommt mir dunkel vertraut vor und scheint jetzt nicht das Schlimmste zu sein, das beim Wegdösen über den Bildschirm flimmern kann. Und »Nils Holgerssons wunderbare Reise« soll eine gelungene Neuverfilmung erfahren haben. Den dazugehörigen Teil 2 gibt’s dann auch online…

Ganz verzweifelte nehmen 0,99€ in die Hand und ziehen sich bei iTunes »Wie im Himmel«, »Das fünfte Element«, »Samba in Mettmann« oder »Oliver Twist« (und berichten bitte v.a. über den letztgenannten, ob er eine Empfehlung ist).

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jane eyre posterJane Eyre
UK 2011, 120 min.
R: Cary Fukunaga. B: Charlotte Brontë.
D: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Jamie Bell, Judi Dench, ..

Verfilmung Nr. X von Charlotte Brontës, in Teilen autobiographischem Debütroman/Klassiker. Kann man ja erstmal so im Raum stehen lassen. Passende Kategorie auch: Filme, die mittendrin anfangen. Und: Filme, in denen quasi nie die Sonne scheint. Über auf diesen abrupten Anfang folgende Rückblicke ins Aufwachsen der Protagonistin, schwierige Kindheit bei unfreundlichen Verwandten und in einem bigott moralisierenden Internat, lässt sich zumindest so allmählich herausfinden, wo hier das Kernproblem liegt.
Ansonsten überall Abgeschiedenheit. Düsternis. Viktorianische Architektur, Kleidung und Einrichtung. Anwesen und einsame Wohnhäuser mitten im (vermutlich schottischen?) Hochland. Regen, Weite, blasse Farben. Mitunter poltert irgendwas ins Bild. Sehr plötzlich. Der Suspense-Aufbau funktioniert auch. Rätsel-Momente und Geheimnisvolles werfen Fragen auf, werden gestapelt bis zum großen Knall, wo dann der Film nach zwei Dritteln auch wieder am Anfang angekommen ist und zum entscheidenden Kniff ausholt. Nun ja. Die Geschichte kann ja jeder in diesem Internet-Lexikon des Vertrauens nachlesen. Und im Prinzip ließe sich an dem Film bzw. der Geschichte vortrefflich über christliche Moralvorstellungen im 19. Jh. und die Selbstständigkeit der Frau debattieren. Am Ende bleibt der Film aber irgendwie zwiespältig. Ganz gut gemacht, aber auch reichlich anstrengend. Was eventuell auch an dem Phänomen Historien-Literaturverfilmung an sich liegt.

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die haut, in der ich wohne - plakatDie Haut, in der ich wohne (La piel que habito)
ES 2011, 117 min.
R: Pedro Almodóvar. B: Almodóvar, Thierry Jouquet.
D: Antonio Banderas, Elena Anaya, Jan Cornet, ..

Beim ersten Anzeichen, dass der Film diese Woche der neue Almodóvar sein könnte, jubelte hinter mir irgendwer halblaut auf. Ich so: okay..? Na, mal sehen. Und dann: Stimmungsaufbau, hallo. Erstmal nicht so genau wissen, Andeutungscontent, Mutmaßen und was ist hier eigentlich Phase?
Bildtechnisch ist das schön gemacht und (ansatzweise zu) perfekt durcharrangiert. Große Farben, Perspektivspiel und so. Die Geschichte spinnt sich mit Rückblenden so allmählich dahin und dass hier irgendwie Hitchcock und meinetwegen auch Lynch Pate standen: passt. Mithin: eine irgendwie faszinierende Geschichte, teils hochgradig eigenartig, teils sehr direkt, teils um die Ecke, manchmal Quatsch par excellence, manchmal auch etwas kitschig. Thematischer Rahmen: Plastische Chirurgie, Umgang mit Vergangenem, Genexperimente und Körperlichkeit. Blut und Gewalt inklusive. Dabei aber irgendwie stilvoll, was wiederum beinahe schon gruselig ist. Durchaus gute Sache, im Rahmen von Filme, die ich sonst vermutlich eher nicht gesehen hätte und auch im diesjährigen Sneak-Schnitt definitiv im oberen Drittel. Nur eine Frage noch: warum sieht Antonio Banderas auf einmal aus wie Roger Moore?

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Tyrannosaur
UK 2011, 91 min.
R/B: Paddy Considine
D: Peter Mullen, Olivia Coleman, Eddie Marsan, ..

Was willste sagen, wenn dir eigentlich nach 10 Minuten Film schon komplett die Worte fehlen? Im Minutentakt rasen Oma Hans-Zitate durch den Kopf. Englands Subproletariat ist im Eimer; frei nach Sjöwall/Wahlöö hat der Sozialstaat gänzlich versagt und überlässt die unten eben sich selbst und ihren Unzulänglichkeiten. Aus jeder Faser beinahe jeder Unterhaltung hierin klappt irgendeine Gewalt nach außen. Von Anfang  an. Irgendwer schreit immer mal wieder irgendwen an, Fenster gehen zu Bruch, Menschen schlagen sich, Hunde sterben. Dazu: Bier, Schnaps, Beleidigungen, Drohungen. Niemand ist komplett sympathisch, die Meisten noch nicht mal das. Beklemmend. Einerseits. Andererseits: großartige Kamerabilder als Kontrapunkt, die eben doch Zwischentöne zulassen, Ruhe schaffen, die dem Publikum  in dieser an Ken Loach geschulten Sozialfarce (Drama ist hier dann doch das falsche Wort) letztendlich gar die Hauptfigur Joseph sympathisch machen kann.  Und mitunter schleicht sich in den rauen Umgang doch auch eine gewisse Herzlichkeit. Hat was, der Film, aber auch einiges Verstörendes.

(Eine Woche verspätet, das Ganze hier, weil.. ja, darum eben.)

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ich bin gerade, mit dem den ihr aus marjas beiträgen als ihren typen kennt, auf der anderen seite der welt, im/auf lovley taiwan und hong kong, und wollte mal ein paar gedanken festhalten:

wenn etwas klar oder unklar ist, nie weiterführende fragen stellen. das wird nichts.

außer in taipei, und selbst da nicht wirklich, versteht oder spricht man kein englisch.

aus kommunikationsgründen nicht ohne hände und füße reisen.

die vier ist eine unglückszahl.

laut gesetz dürfen wohl nicht mehr als drei raucher an einem ort stehen. hält sich aber keiner dran.

taiwans straßen sind wahnsinnig sauber, obwohl sich keiner an die raucherregeln hält und es nahe zu keine mülleimer gibt.

es muß eine straßenbrückenmafia geben. also ernsthaft.

taiwan hat eine wundervolle natur… und straßenbrücken.

betelnüsse sind nicht nur legale drogen die das bewußtsein erweitern, sondern sie machen auch die zähne so kaputt, dass man irgendwann nur noch bananen und suppe essen kann.

man kann an jeder ecke suppe essen. und nudeln. und fisch. und schwein. und rind. und seafood. und sachen bei denen man nicht weiß was das ist. fragen kann man ja nicht. aber in vieles würde man sich gerne reinlegen, weils lecker ist.

wer an der form des sonne-mond-sees die form einer sonne oder eines mondes oder deren schriftzeichen erkennen kann, hat zu viel von den nüssen gegessen.

wo man nicht suppe essen kann, wurde ein 7eleven eingerichtet. es gibt von nichts mehr auf dieser insel als 7eleven, außer suppen-nudeln-fisch-schwein-rind-seafood-man-weiß-es-nicht-stände. vielleicht noch kakerlaken, aber ich hab bis jetzt nur zwei gesehen.

spinnen können hier eeeecht groß werden.

es gibt tempel.

es gibt kein trinkgeld. gar nicht.

zwischen strand und den gipfel von halbwegs hohen bergen liegen hier manchmal nur wenige 100 meter.

hier kann man jungen ureinwohnerfrauen beim nasenflöte spielen zugucken und beim suveniersverkaufen.

ea gibt nicht, wie von uns erwartet, an jeder ecke ramschläden in denen man suveniers kaufen kann (an dieser stelle möchte ich nochmal auf die nahrungzubereitungsstätten und 7elevens hinweisen). wir haben noch nicht mal iiiiirgendwo postkarten gesehen.

furzen in der öffentlichkeit scheint geduldet zu werden. auch drei mal hintereinander. laut. in der lobby.

asiatisches frühstück ist mir suspekt.

update #1:

taipei ist ein dorf.

das tarifsystem der metro ist idiotensicher. man muss die sprache nicht lesen können und niemanden fragen. das würde ja auch nichts bringen.

update #2:

polizeiwagen fahren hier immer mit leuchtenden sirenen, aber ohne martinshorn durch die gegend, wenn sie nich im einsatz sind. …oder hier ist immer was los.

die springbrunnen+licht show vor der sun yat-sen memorial hall sollte man unbedingt verpassen.

die taiwanesen wissen wie man gedenkstätten für führungspersönlichkeiten baut.

man kann einen latte für 4€ trinken, der es auch wert ist.

obst schmeckt hier nach obst. papaya <3

update #3:

wärend man selber am liebsten 3 mal täglich das t-shirt wechseln möchte, trägt man hier gefütterte stiefel.

der tüv rheinland scheint hier sehr oft seine finger im spiel zu haben.

入口 heißt eingang
出口 heißt ausgang

update #4:

habe in den letzten 9 tagen nur einmal eine gabel in den händen gehalten und freiwillig wasabi an sachen rangemacht.

man muß unbedingt mit stäbchen essen können hier. ich hab auch jemanden verzweifeln sehen.

ich glaube das war gerade die gruseligste taxifahrt meines lebens, es sei denn ich habe eine andere schon verdrängt.

ich hab mich noch nie im urlaub so sicher gefühlt wie hier.

man kann nichts kaufen ohne den kassenbon mitzunehmen. er wird einem zur not hinterher gebracht.

update #5:

ich glaube die fahrt zum flughafen war die gruseligste taxifahrt meines lebens, es sei denn ich habe eine andere schon verdrängt.

taxifahrer können, natürlich, auch kein englisch, aber dass es an “international airport” scheitern würde, hätten wir auch nicht gedacht.

update #6, ab jetzt hong kong

es leben hier zu viele menschen für die fläche die geboten wird. es ist immer und überall voll.

es fahren hier viele busse. v i e l e busse. doppelstockbusse. mindestens einen meter höhere als wir sie kennen. und dann noch auf der falschen seite.

es gibt doppelstockstraßenbahnen und disneyland.

the symphony of lights muss man sich unbedingt nicht angucken.

nachts sieht der blick rüber nach hong kong island aus wie bildtapete.

der 10HK$ schein sticht jeden ehemaligen guldenschein aus. der hat sogar ein guckloch.

in sachen hochhäuser kann new york echt nach hause fahren.

die fahrkarte für den öpnv heißt octopus-card. warum auch immer. ist aber wahnsinnig praktisch.

es gibt rolltrepen die zu den besseren wohnvierteln führen. man braucht etwa 20 minuten nach oben. das sind wirklich viele rolltreppen. und anschließend kann man sich super verlaufen.

der urwald, den es noch stellenweise gibt, ist beeindruckend.

sie müllabfuhr ist in privater hand, wird aber vom gesundheitsamt kontrolliert und müssen drei mal am tag die mülleimer leeren, sonst gibt’s haue. nen müllwagen haben wir dennoch nie gesehen.

hong kong ist sauber, (das liegt vielleicht an den horenden strafen, die schon dafür drohen, wenn man z.b. papier in die aschenbechervorrichtung an mülleimern wirft) wenn man von der luft absieht.

für die nächste reise hierher unbedingt kleine karten vorbereitet auf denen auf chinesisch und englisch sinngemäß steht: “vielen dank, aber ich trage keine uhren und schon gar keine gefälschten. ich fühle mich geehrt und bedanke mich für ihre bemühungen. ich wünsche ihnen einen schönen tag und weiterhin viel erfolg bei ihren geschäften.” bei bedarf kann man nich drunterschreiben: “UND SAG ALL DEINEN FREUNDEN BEACHEID, WEIL IHR GEHT MIR ECHT AUF DIE EIER!”. oder vielleicht gleich als t-shirt.

es folgen ein paar erinnerungshilfen für mich. man braucht hier nicht weiterlesen.

das ist halt tee du pfeife.
da würde ich gerne mit meinem kajak mal langfahren
sunmoonlake
very convenient, ja, mhh
follow the hand
paue
bin ich jesus? hab ich klapperln an?

TBC

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»In bed on a Friday night, wearing sweatpants and eating peanut butter from the jar, Madeleine was in a state of extreme solitude.«

http://www.newyorker.com/fiction/features/2010/06/07/100607fi_fiction_eugenides?currentPage=all

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Nach über neun Jahren beinahe regelmäßiger Partizipation und irgendwann auch schon einmal angefangener Sneak-Kritik, nehme ich mir jetzt mal vor, die Bewertungen, die ich sowieso wöchentlich (gegeben des Falles ich war überhaupt da) bei Twitter in die “Welt” “rausschreie”, irgendwie noch auf fünf, sechs, neunzehn Sätze ausgeweitet hier zu bringen. Vielleicht braucht das Ganze noch eine gute Headline, unter der das laufen wird, aber im Prinzip: Here we go.

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Feist promo

So, über Musik schreiben ist ja bekanntermaßen…

Deshalb sei an dieser Stelle nur gesagt, ich konnte zum neuen Album von Feist ganz hervorragend meine Wäsche aufhängen und das ist eine Tätigkeit, die wohl viele sehr gern erträglicher gemacht haben wollen, dabei kühlt das im Winter immer so schön die Hände und bringt im Sommer etwas Feuchtigkeit in die gute Stube.

Nun, ja, hier also kriegt man im Tausch gegen eine E-Mail-Adresse etwas zu hören: http://www.listentofeist.com/metals/

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Landet brunsas vinjett

So, Fernsehtip! Nur ohne Fernseher, weil im Internet, dafür für alle, also nur alle, die auch Schwedisch verstehen. Dazu aber mit Untertiteln und so, weil: Das macht’s leichter. Und für alle anderen: Die Sendung ist auch wahnsinnig toll fotografiert, finde ich, wenn man so sagt…

Also, bei SVT Play ist vor nicht allzu langer Zeit die zweite Staffel von »Landet Brunsås« angelaufen und beschäftigt sich mit den Essgewohnheiten der Schweden, mal wieder, nur anders, irgendwie, in jedem Fall neu, lustig und unterhaltsam.

landet brunsås
Schyffert, Lundgren, Haag

Wem mache ich eigentlich was vor? Jochi, du kannst hier mal reinschauen: http://svtplay.se/v/2530521/landet_brunsas/

Philipp, bookmarken für das nächste Semester!

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Heute entschied ich mich, nach einem ausgedehnten Mutter- Tochter Tag in 7 Zentimeter Absätzen, dann doch für den Abend vor dem Fernseher daheim.

Zu Beginn mäanderte ich noch voller Hoffnung durchs Programm und fand mich bald in einer „Sechzigerjahre“ Dokumentation über das alltägliche Leben der Bevölkerung und deren witzige Schattenseiten wieder.

So wurden in den „Sechzigerjahren“ Großraumbüros mit Ecken ausgestattet, welche einen kleinen runden Spiegel und eine Ablage unterhalb des kleinen runden Spiegels beinhalteten. Diese sollten den jungen Damen im Büro die Möglichkeit geben, sich bei renovierungsbedürftiger Gesichtsbemalung kurz zurückzuziehen. Dies geschah wohl mit der Absicht, das Antlitz danach in neuem Glanze zu präsentieren. Das sie eine Auffrischung nötig hatte, erkannte die Frau an den abschätzigen Blicken der Männer.Ein Mann in der Dokumentation betonte noch, dass die Frauen vorwiegend aus ästhetischen Gründen geduldet wurden.

Nach zwanzig Minuten war dann aber auch diese Sendung vorbei und ich drückte mehrfach auf das kleine Plus bei „Pr“ und dann noch ein paar mal das Minus.

Ein großer Sender der hauptsächlich seichte Unterhaltung bot, lieferte mir ausreichend Schmalziges.
Ein kleiner Punk trat hinter dem gelben Stern an der Rückwand der Bühne hervor. Er hatte wohl schon einiges erlebt und so wurden zur Untermalung seiner prekären Lage einige Szenen eingeblendet, welche ihn in dreckigen Ecken irgendwelcher Parks zeigten.
Er erzählte von seinem Leben auf der Straße und von einem missglückten Selbstmordversuch. Seine großen braunen Augen wirkten wenig drogengeschädigt und auch die Haare sahen merkwürdig gut gefärbt aus. Er erwähnte seine „Mama“ und dass er sie über alles lieben würde. So weit, so gut.

Das Publikum zeigte sich skeptisch und betrachtete den vermeintlich Arbeitslosen aus zusammengekniffenen Augenschlitzen. Da wurde das gesamte Spektrum des deutschen Proletenadels eingeblendet. Von Badelatschenmannie über Friseurgabi bis zur kleinen Pressilla-Schantall.

Nachdem  nun eines der Jurymitglieder eins, zwei überflüssig abschätzige Fragen gestellt hatte, die ohne Widerspruch beantwortet wurden, durfte der kleine Punk aus der Schweiz loslegen. Ein Stück am Klavier, selbst komponiert.
Das Stück war kaum beendet, da standen schon die ersten wild klatschenden deutschen Bürger in ihren Rängen.

Standing ovations sollten eigentlich nicht so inflationär eingesetzt werden, wie diese Sendung es vermittelt, dachte ich mir und drückte drei mal auf Plus.

Ein Sondereinsatzkommando stürmt ein Einfamilienhaus, Werbung, schlechte Komiker stehen auf Bühnen und berichten vom letzen Arztbesuch.

Das war auch der Zeitpunkt an dem ich mir dachte: „Du solltest mal wieder was kreatives machen!“.

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