Stephen says…

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Stephen Fry sagte in einem seiner Podgrams:

When you run out of ideas for an article it’s very easy to cast your mind around for some nostalgic regret, some piece of cultural observation that you have made, that shows your acuity and your connection to the culture. And the cheapest and most obvious to the point of cliché of these is to regret the passing of the milkman’s cheery whistle. […] Those sorts of article are harmless enough I suppose. That’s trap one: Going off into the sentimental, the regretful, the nostalgic. Trap two is for anger to take the upper hand. And that’s the easiest one of all. Articles with anger in them write themselves. It doesn’t matter whether you’ve been kept waiting in the queue in the supermarket […] it doesn’t matter how banal and obvious it is, just a bit of fury will take you a long long way. And the article get’s itself written. And of course for journalism you could also put in stand-up comedy, which more or less is the 21st century’s equivalent to journalism and is as guilty of being obvious and banal and cheap and finding the shortest distance between two laughs as journalism is.

Irgendwie habe ich mich bei diesen Worten ertappt gefühlt. Nicht, weil ich glaube, ein talentierter Journalist zu sein oder weil ich mich komödiantisch für versiert halten würde, sondern vielmehr, weil ich ein wenig nostalgisch wurde, als ich gerade in der Küche stand. Nostalgisch von irgendwoher. Es kann nicht viel damit zu tun gehabt haben, dass ich mir ein Brot geschmiert habe, denn im Wesentlichen hatte ich daran gedacht, wie schnell die Zeit vergeht und da machen die zwei Minuten mit dem Messer in der Hand den Kohl auch nicht fett.

Es ist inzwischen zehn Jahre her, dass Armin und ich die erste größere Reise ohne unsere Eltern oder ähnliche Vertreter einer älteren Generation unternommen haben. Ehrlicherweise muss ich wohl hinzufügen, dass es für mich die erste Reise dieser Art war. Armin, so glaube ich mich zu erinnern, hatte schon ein wenig Balaton-Klischee ohne Erziehungsberechtigte abgreifen können. Zehn Jahre also ist her, dass Annika und ein Mädchen, das unbedingt Granini – ich glaube wegen der Bonbons, nicht wegen des Saftes – gennant werden wollte, eine Reihe vor uns im Bus nach Rimini saßen und Armin ihnen so wunderbar barsch „Ich hasse Kekse!“ ins Gesicht sagte, obwohl sie doch nur über ein paar Leibniz‘ ins Gespräch kommen wollten. Zehn Jahre seit wir Granita-Becher mit Namen von Freunden versehen haben und diese im Sand verbuddelten und dass uns eine Stimme vom Band des nächtens in unserem 13-Mann-Zimmer weismachen wollte, wir wären nicht der Mittelpunkt des Universums; ein seltsames Gefühl.

Paart man dieses Gefühl mit der oben beschriebenen Falle Nummer zwei, der Wut, die so oft die Beiträge hier bestimmt hat, dann steht man reichlich dumm da. Nabelschau betreibend kommt man schnell zu dem Schluß, dass man es sich wohl häufig sehr einfach gemacht. Dann aber bleibt die Frage, warum auch nicht!? Wir sind eben keine professionellen Schreiber und es muss auch hier nicht der Ort dafür sein. Und nur ein paar Minuten nachdem der gute Stephen Fry diese zwei einfachen Fallen präsentiert hat erklärt er, dass er eben genau in diese beiden tappen will – wissentlich – da sich etwas in ihm aufgestaut hat, das er nur so loswerden kann. Was folgt ist ein äußerst unterhaltsamer Verriss doppelmoralischer Nuancen im englischen und amerikanischen Fernsehen. Wo Geheimagenten nicht unangeschnallt im Auto fahren oder während der Fahrt telefonieren dürfen, da sie ja eine Vorbildfunktion für junge Serienliebhaber haben. Wo sie sich aber ungehemmt ins Gesicht schießen können und wo dieser Fakt von niemandem als eine Übertretung eben jener Funktion gesehen wird. Köstlich, wie sich Fry in Rage redet und wie er immer wieder „shooting people in the face“ wiederholt. Ein Anhörbefehl…

Heute Abend – LOTTO-Millionär

Wie fange ich das jetzt am besten an? – WWM & LOTTO –

WWM – Habe ich gestern Abend gesehen und um das Akronym ein wenig zu entzaubern muss ich jetzt vielleicht sagen, dass Günther Jauch diese Sendung wieder einmal hervorragend geleitet hat. Dort saß in den paar Minuten, die ich mir das angesehen habe eine junge Frau auf dem ihm gegenüber stehenden Hocker, die trotz eines sehr seltsamen Anfangs, bei der man sie für recht beschränkt hätte halten können mit letztlich 64.000 € aus dem Studio gegangen ist. Mit einem Teil des Geldes will sie das Bad ihrer Mutter renovieren. Das mag ja löblich erscheinen, aber Mädel, sollte man in dem Alter nicht andere Träume haben, als neue Fliesen und ein Tiefspülerklo in Muttis Scheißschaus einzubauen? Was mich jetzt aber gewundert hat war, dass sie bei 300 € schon extrem an dem Haaren herbeigezogene Erklärungen für falsche Antworten austüfteln wollte. Es ging darum, welches Tier in den Anden zu finden ist und die Antwortmöglichkeiten waren: Lupenhund, Monokelmarder, Brillenbär und Kontaktlinsenkatze. Natürlich setze ich nicht voraus, dass jeder Mensch weiß, dass es davon nur den Brillenbär geben kann, haarsträubend wird es aber erst, wenn jemand sein Unwissen mit der Hilfe von Schullatein aufzeigen kann. Die junge Dame war zunächst also der Meinung, es müsse sich um den Lupenhund handeln, denn Lupe = Lupus = Wolf und dann hätten wir ein Tier, den Wolfshund! Günther Jauch brachte sie dann sanft zur Räson und erklärte ihr, dass für 300 € eine solch komplexe Erklärung wohl einfach zu viel verlangt wäre. Er hätte aber auch sagen können: Es ist nie Lupus!

Wo bringt mich das jetzt hin? Und warum stelle ich hier rhetorische Fragen? Kürzlich laß ich auf spiegel.de von einem jungen Mann, der sich sein Studium mit Quizshows finanziert hat und dabei wohl ein ganz leidliches Auskommen hatte. Dieser will da nun erklären, wie man mit unnützem Wissen so richtig schön abkassieren kann. Vielleicht sollte man mal wieder ernsthafter überlegen, den lokalen Experten auf diese Gebiet, Johannes, ohne sein Wissen bei so manchen dieser Shows anzumelden. Meine Welt wäre das wohl nicht, ob nun mit Wissen oder dem Mangel selbigens, das große Abendprogramm im Fernsehen nehme ich ein andermal in Angriff, für mich bleibt vorerst, was den kleinen Mann träumen läßt.

LOTTO – Das ist ja so eine Institution bei der man sich von Zeit zu Zeit denkt: Jetzt spielst du einfach noch mal mit, der Jackpot ist ja auch so schön groß und dann guckst du mal, ob du mit deinen persönlichen Glückziffern nicht wenigsten das Geld für den Spielschein und eine krosse Ente nebst großem Getränk wieder einholst. Selbst das klappt ja in den selstensten Fällen. Für heute aber habe ich ein umwerfend gutes Gefühl. Auch wenn ich mich bisher eigentlich zu den Leuten zählen würde, die gern von sich behaupten: Ich habe ja noch nie etwas gewonnen./Ich gewinne bei sowas ja nie. Zweiteres mag ein wenig Auslegungssache sein, Ersteres ist meist einfach nur gelogen, denn in irgendeiner Tombola in der Grundschule, beim Topfschlagen zum Kindergeburtstag oder an einem Glücksrad auf dem Wochenmarkt hat bestimmt jeder schon mal etwas gewonnen oder für umsonst mitnehmen können und das spart einem ja zumindest etwas Geld. Und gespart ist gewonnen, nicht erst seit den jetzigen so schwierigen Zeiten.

Was jetzt aber meine gesteigerten Chancen angeht, den LOTTO-Jackpot an diesem Samstag, den 28. März 2009 zu knacken, da leite ich meine Siegesgewissheit aus einem überraschenden Moment nach dem Aufstehen ab. Eigentlich waren es sogar zwei. Ich beginne mal mit dem Zweiten, denn der ist weniger spannend.

In meinem elektronischen Posteingang befand sich heute morgen eine Gewinnmitteilung von einer Verlosung, die an eine universitäre Umfrage der TU, Fachbereich Mensch-Maschine-Systeme, angehängt war. Das waren 15 € in Gutscheinform, die ich entweder bei amazon.de (Zeit über affiliate Einnahmenmöglichkeiten nachzudenken) oder im iTunes Store (selbes Spiel hier) verbraten kann. Geschenktes Geld – klasse. Dabei gewinne ich bei sowas ja nie.

Eine weitere Gewinnbenachrichtigung/Überraschung war dann sowohl in meinem Posteingang als auch in meinem twitter/rss/facebook/flickr/sonstewas-Sammelprogramm EventBox aufgetaucht (das man sich im Zuge der MacHeist-Verscherbelungsaktion hier gerade kostenlos herunterladen kann) und informierte mich per twitter darüber, dass ich bei der Verlosung meines Lieblings-, in Ermangelung eines deutschen Wortes, note taking Programms, Evernote, eine Clarifi-Hülle von Griffin für mein iPhone gewonnen habe und doch bitte per direct message meinen Klarnamen und meine Adresse übermitteln solle. Das löste große Freude auf meiner Seite aus, hatte doch dieses ewige Teilnehmen an irgendwelchen Umfragen zusammen mit dem gelegentlichen Versuch, bei einem Gewinnspiel etwas abzuräumen endlich mal funktioniert und dann auch noch zwei mal am gleichen Tag! Doch dann kam relativ schnell die Einsicht, dass dem Ganzen ja jetzt nur noch eine Sache fehlt, nämlich mein iPhone.

Und final ist es genau das, was mich so sicher macht, dass ich heute wohl einen gewissen Geldbetrag im deutschen LOTTO gewinnen muss, denn schließlich brauche ich zu der Hülle ja das passende Telefon und für eben jenes eine Stange Geld, um es bei der Telekom auszulösen. Mehr dazu dann sicher im Laufe des Abends, wenn das ernüchternde Ergebnis meines erneuten Nichtgewinns feststeht.

Wer diesen vorletzten Teil hier einfach nur für eine schöne Geschichte hält, dem danke ich. Wer überprüfen möchte, ob ich auch nicht gelogen habe, der möge bitte dieses Verlosungsvideo anschauen und auf den Moment warten zu dem mein twitter-name konrad_ gezogen wird. Oder man begnüge sich mit meinem Bildschirmfotos davon.

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Für alternative Möglichkeiten, neue Glückzahlen zu generieren kann man auch gern hier noch einmal nachlesen.

Wer per twitter nicht nur privaten Blödsinn verfolgen will, sondern über Differentialdiagnose-Update und neue Beiträge informiert werden mag (obwohl das ja das gleiche bloß in größerem Umfang wäre), der kann sich hier in die sehr kurze Reihe der Follower einreihen.

Jedes Weihnachten

Weihnachten rückt immer näher. Die Zeit der Besinnlichkeit, der Familie und des Konsums. Aber auch die Zeit der schrecklichen Lieder im Radio und den Kaufhäusern. Nicht dass die Lieder in den Kaufhäusern sonst besonders erfrischend wären, aber das ist ein anderes Thema. Mir ist durchaus auch klar, dass man davon ausgeht, dass gewisse Musik den Konsum ankurbelt, aber es gibt auch Lieder, die eine gegenteilige Wirkung haben können. Für mich gibt es in dieser Jahreszeit viele Lieder, die meine Stimmung nicht gerade heben, aber nur eines, das komplett verboten gehört. Ich habe es mir zu einer Art Sport werden lassen, die Qualität des Jahres nach dem Zeitpunkt zu bemessen, zu dem ich dieses Lied das erst mal höre. Die Rede ist hier natürlich von dem schrecklichen „Last Christmas“ der grausligen Wham!
Interessanterweise scheint sich meine allgemeine Einschätzung dieses Jahres mit dem Zeitpunkt des ersten Hörens besonders gut zu decken.
Es war der 25. November, an dem ich in einem Bekleidungshauses dafür bestraft wurde, in der Damenabteilung herumzustehen und nicht bei den Herren ein wenig Industrial-angehauchten Mist zu hören.
Ganz so fortgeschritten ist mein Bewertungssystem noch nicht (ich sollte wohl mal daran arbeiten, eine Übersicht mit Zeitpunkten und der Übelkeit des Jahres einzurichten), aber ich gehe davon aus, dass es um das persönliche Jahr nicht allzu gut bestellt sein kann, wenn man schon gut einen Monat vor dem Heiligen Abend eiskalt erwischt wird.
Wie sieht es bei den Lesern aus? Gibt es eigene Erfahrungen mit „Last Christmas“ oder der Qualitätsbemessung des aktuellen Jahres? Eigene Äquivalente zu diesem Liedgut oder Ausweichstrategien (die wären für’s nächste Jahr evt. sehr hilfreich!)?

WTO – Die Welttoilettenorganisation

Als ich diese Meldung am 19.11.2008 in der kostenlosen schwedischen Metro (wir erinnern uns zurück an die gute alte 15 Uhr aktuell) fand, hielt ich es im ersten Moment für einen Scherz.

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Wie mir die Wikipedia aber verriet, gibt es diesen Welttoilettentag, besagten 19.11., aber tatsächlich. Dass sich die dazugehörige Organisation allerdings tatsächlich WTO nennt, kommt mir doch ein wenig kess vor.
Der Artikel besagt, dass 2,5 Millionen Menschen auf der Welt keinen Zugang zu vernünftigen Toiletten haben, und dass dieser Klomangel zu 200 Millionen Tonnen menschlicher Abführungen führt, die unbehandelt und uneingesammelt in der Welt herumliegen.
Da soll mal noch jemand widerstehen und nicht sagen, dass das ja eine ganz schön große Scheiße ist…

Warum ich eine Hose trage

Ist es immer noch lustig, wenn man durch die überfüllten Straßen im Prenzlauer Berg zieht? Da wo entnervte Eltern ihre kauzigen Kinder (Ja, richtig, Alliterationen!) vor sich her jagen? Die Antwort müsste in gut 99% der Fälle ein eindeutiges Nein sein.

Doch heute ein König, heute ein Hoffnungsschimmer.

Kind A verfolgt Kind B, das neben dem Mülleimer steht. Der Vater schiebt Kind C auf dem Fahrrad. A will zu B aufschließen, doch die Hose rutscht. Wir sind aber Kinder, wir haben noch kein Schamgefühl. Anders der Papa, der ruft: „InsertBeliebigenKindernamenHere, deine Hose!“ Kind A dreht sich herum und grinst einfach nur breit. In der Zwischenzeit habe ich es geschafft an diesem Elend vorbeizuradeln, da tut es einen Schlag. Das ist natürlich übertrieben, denn es war vielmehr ein Patsch. Vom Schweigen erfüllte Sekunden folgen, in denen man sich fragt, ob das Kind jetzt erstickt oder einfach nur nachdenkt, ob das gerade weh getan hat. Und dann bricht es los, das Martinshorn der Kleinwüchsigen. Eine Katastrophe.
Wir halten zwei wichtige Erkenntnisse fest:

  1. In-Ear-Kopfhörer sind ein Segen.
  2. Schamgefühl ist Klasse. Es sorgt dafür, dass du nicht auf die Fresse fliegst.

Anna Middelova

Kürzlich hörten Marie und ich auf der Rückbank des Autos ihrer Eltern einen Radioklassiker, den ich spontan mit Sonntagsausflugsfahrten mit der Familie ins Berliner Umland und dem damit verbundenen leichten Übelkeitsgefühl auf der Rückfahrt auf Grund des nahenden Wochenendendes und der daheim wartenden Unmengen an Hausaufgaben verband. Marie fragte mich sodann wer denn eigentlich diese Frau Middelova sei? Nach langem Überlegen und dem entgültigen Erkennen des zugrunde liegenden Scherzes entschied ich mich dann dafür, dass es wohl eine weißrussische Tennisspielerin aus dem Jahrgang von Monica Seles oder Gabriela Sabbatini sein muss, die es zu keinem eigenen Duft und somit langanhaltender Erinnerung geschafft hat. Aber immerhin hat man eine Straße nach ihr benannt und irgendjemand hat dort sogar ein Haus gebaut, das dann auch noch besungen wurde.

There’s a house in the Middelova street.