Hurry, hurry, time is knapp

So oder so ähnlich zitiert meine Mutter gern Egon Olsen, Leiter der famosen Dänischen Gaunerbande mit gleichem Namen. Und was dieses Zitat illustriert ist, dass die Zeit hier unglaublich schnell voranschreitet. Das ist sicherlich zu einem Großteil der außergewöhnlichen Ereignisse am Anfang unseres Aufenthaltes hier geschuldet (mehr dazu dann sicher, wenn ich einmal Lust verspüren sollte, einen Abriss davon zu verfassen).

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Eigentlicher aktueller Auslöser ist aber, dass heute bereits die erste meiner drei Pflichtveranstaltungen hier zu Ende gegangen ist und ich jetzt eine nette kleine Hausarbeitsaufgabe zur Kulturgeschichte des Japanischen Films auf meinem Schreibtisch zu liegen habe. In diesem Zusammenhang ist mir dann auch wieder klar geworden, dass die Dokumentation unseres Aufenthaltes hier bisher etwas zu kurz gekommen ist. Da wir aber nebenbei durchaus einiges im Bilde festgehalten haben, sei hiermit auf die Bildergalerien die es schon gibt und die, die da noch kommen werden hingeweisen.

Generell lässt sich das Geschehen unter folgendem Link nachverfolgen:

http://picasaweb.google.com/konrad.wohlrab/

Speziellere Verweise gibt es schon einmal hier:

Nobelpreisfrage

Ich lege mich fest. Das tue ich zwar jedes Jahr und bin dadurch dann bisher auch jedes Jahr wieder enttäuscht worden. Doch dieses Jahr wird alles anders, ganz sicher. Nicht umsonst sind wir ja dieses Jahr in Stockholm, der Stadt, in der die Nobelpreise vergeben werden. Und so können wir uns dann die T-Shirts vom Leibe reißen und jubelnd auf die Straße stürmen, wenn denn morgen Mittag Philip Roth endlich und verdient der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wird.
Das sollte an kessen Thesen und Ausdemfensterlehnungen für den heutigen Abend genug sein. Morgen entscheidet sich dann, ob ich mit Stolz geschwellter Brust (oder wie Hanni einst meinte: mit stolz geschwelltem Schritt) auf die Straße gehen kann oder wieder der Falschvoraussagen bezichtigt werden kann. Bei den Buchmachern steht auf jeden Fall ein Amerikanischer Autor hoch im Kurs, oder gerade nicht, also, ähem, was ich sagen will, die Quote für einen Amerikaner ist eher schlecht. Srilankesen könnten Geld bringen. Gibt es da jemanden im näheren Umfeld, der sich mit dieser Nationalliteratur auskennt und der hier einen Gastbeitrag verfassen möchte? Ich würde mich freuen.

Scheitern als Chance

Immer wenn etwas so richtig gut daneben geht hat das Ganze das Potential, immerhin noch für eine gewisse Unterhaltung sorgen zu können. So ungefähr ist sicher das Konzept hinter dem grossartigen Failblog zu verstehen, auch wenn es da wohl eher höhnisch zugeht und man nicht zwingend den Eindruck bekommt, dass da auch mal über sich selbst gelacht wird. Da nun aber unser Versuch, dort einen Beitrag zu leisten, gescheitert ist (auf einem dieser Toilettenendlospapierspenderpapiere war eine Hand abgebildet, die eine Anhängerkupplung so unmöglich hält, dass der Eindruck entstehen kann es handele sich um eine Masturbationsgeste) können wir unsere lustigen Strassenschilder, Plakate, etc. ja auch einfach hier ein wenig streuen. Ausserdem können wir dabei darauf verzichten, jedes Bild mit einem coolen wasauchimmer fail-Spruch gesetzt in der zeitlosen Impact zu versehen.

Im Schnelldurchlauf #01

So. Die Dokumentationspflichten haben wir aus gegebenem Anlass hier deutlich vernachlässigt und eben dieser Anlass ist es auch, der die Motivation ein wenig runterzieht. Damit das hier aber eventuell irgendwann mal weitergehen kann gibt es jetzt die erste schwedische Woche im Schnelldurchlauf.

12.08.2008

Abreise aus Berlin am frühen Morgen. Fähre Sassnitz-Trelleborg. Mittags dann Malmö im Regen und dem entsprechend nicht ganz so viel tolles von dort. Danach fortgesetzte Reise an der schwedischen Westküste nordwärts mit Fernziel Göteborg. Übernachtung unter anderem in einer Bumskugel (siehe gern hier: http://picasaweb.google.de/konrad.wohlrab/SDschweden?authkey=6248F3ubXJI#).

14.08.2008

In der Nähe von Göteborg haben wir an einem See gehalten, einen Parkschein für den offiziellen Parkplatz gekauft und sind dann baden gegangen. Eine halbe Stunde später war das Auto bis auf eine Reisetasche, die Campingausrüstung, unsere Betten, die Verpflegung und interessanterweise Monitor und Drucker geleert. Der Abend bei der Polizei war beschissen, da der gute Mann uns gegenüber nicht nur keine Ahnung sondern auch keine Kapazitäten, Empathie oder sonst etwas hilfreiches besaß. Die Nacht auf dem Ibis-Schiff im Göteborger Hafen (oder war es nur ein Kanal?) verbracht, was sicher ein Highlight gewesen wäre, wenn die Situation nicht so unfreiwillig gewesen wäre. Der nächste Tag war von Hilflosigkeit erfüllt und endete mit einer Marathonfahrt bis nach Stockholm, wo uns eine Freundin von Maries Cousin freundlicherweise bis zum nächsten Montag aufnahm.

18.08.2008

Tag eins im Wohnheim. Leichte Besserung, weil man nicht mehr ganz auf der Flucht resp. Durchreise lebt. Von hier aus dann der Versuch, weitere lebenswichtige Sachen zu regeln. Dazu immer wieder die schönen Spaziergänge zur Universität, wo man dann auch mal einen Computer nutzen konnte, um mit der Welt in Kontakt zu treten.

Was soll ich sagen

Auch wenn das hier bald so wirkt, als wenn ich eine Hosen-Passion hätte, aber ich habe jetzt die Regenhose fürs Radfahren, also einen Punkt weniger auf der To-Do-Liste. Die Learning Agreements sind unterwegs und wenn die Schweden aus dem Urlaub zurück sind (Schweden scheinen jedes Jahr zwischen dem 15.07. und 15.08. kollektiv als ganzes Land im Urlaub zu sein!) dann sollten die hier auch wieder bei den Verantwortlichen ankommen. Die Anerkennung habe ich auch schon zur Hälfte besprochen, die andere Hälfte ist ein Vorzeigeskandinavist, der es den Schweden gleichtut und ungefähr im selben Zeitraum nicht zu sprechen ist, da hoffe ich dann mal darauf, dass er ein skandinavisch-early-adopter-Mensch ist und die Email-Kommunikation so rege betreibt, wie mir das bei den Schweden Gang und Gebe zu sein scheint. So, damit hätten wir auch eine Portion Stereotype in diesen Beitrag gebracht und können diese dann im echten Leben erproben.
Weiterhin ist das Zimmer natürlich angezahlt und inzwischen glaube ich, dass es sogar ganz nett dort werden kann, auch wenn ich eigentlich lieber im Tarifbereich A gewohnt hätte, aber man muss dankbar sein, überhaupt einen Platz im Wohnheim bekommen zu haben, das sollte man sich jeden Tag aufs Neue sagen.
Soviel für den aktuellen Status, jetzt heißt es, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und die ersten Taschen mit den (zum Glück noch nicht gleich) benötigten Wintersachen zu packen.

Falsche Freunde – Lektion #01

Das Leben lehrt uns viele wichtige Dinge. Vor allem lehrt es uns, Dinge zu lernen, die man sich beim drögen Ausdenken von Lehrbüchern häufig gar nicht vor Augen führt. Dazu gehören vor allem die so genannten false friends, die falschen Freunde, sprich: Worte, die in der einen Sprache etwas ganz anderes bedeuten als in der anderen. Dafür gibt es jetzt aber diese Rubrik, mit hoffentlich anschaulichen Beispielen, die eine Verinnerlichung vereinfachen.

Stellen wir uns für die erste Lektion also folgendes Szenario vor:

Es ist Samstagabend in einer schwedischen Studentenstadt. Ein Mädchen aus Deutschland mit nur sehr rudimentären Kenntnissen der schwedischen Sprache verspürt die unbändige Lust, sich zu den Klängen der Konservenkapelle zu bewegen. Bei dieser Gelegenheit lernt sie einen attraktiven jungen Herren kennen, mit man durchaus mal eine Tasse Kaffee trinken könnte, um sich über Gott und die Welt, vor allem bei einer geringeren Umgebungslautstärke, zu unterhalten. Der junge Mann ist Schwede und (Klischéewarnung!) spricht deshalb ein ausgesprochen gutes Englisch, das unseren beiden Post-Adoleszenten zur Kommunikation dient. Als würde er die Gedanken seines Gegenübers ahnen, fragt er nach einer Verabredung zum Kaffee. Sie willigt natürlich sofort ein. Jetzt gilt es für ihn nur noch einen Termin auszumachen und diesen zu fixieren, in seinem Kalender versteht sich. Doch der liegt am anderen Ende des Clubs. Wohlerzogen wie er ist, entschuldigt er sich, um diesen eben rasch zu holen.

Und hier lauert die Gefahr!

Für einen kurzen Moment hat unser junger Held vergessen, dass er sich in einer Fremdsprache unterhalten muss und greift auf ein für ihn alltägliches Wort aus seiner Muttersprache zurück. Er erzählt der vermeintlichen Herzensdame in spe, er müsse mal eben seinen fickkalender holen. Hier schellen sofort sämtliche Alarmglocken bei einem deutschen Zuhörer und wir dürften uns nicht wundern, würde das Mädchen entrüstet von dannen ziehen. Doch Obacht! Was bei uns die plump-vulgäre Form erkennen ließe, einen Partner für den Beischlaf terminlich in der nächsten Woche unterzubringen ist im Schwedischen nur der Hinweis darauf, dass es sich um einen kleinen, handlichen Kalender für die Tasche (vgl. schwedisch ficka – Tasche) handelt. Unser Schwede ist also keineswegs ein Lustmolch sondern vielmehr ernsthaft daran interessiert, das deutsche Mädchen näher kennen zu lernen. Dafür will er sich eine kurze Notiz machen, denn es scheint ihm mit ihr ernst zu sein.

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Zusammenfassung der Lektion #01:

deutsch
Fickkalender m Das Buch, in das man Verabredungen zum (oder Protokolle des) Geschlechtsverkehr(s) schreibt.

schwedisch
fickkalender en Das Buch im Taschenformat, in das man jegliche Art von Terminen schreibt.

Grundwasser…

…ist ein sicherlich nicht zu unterschätzendes Problem, wenn man plant das eigene Traumhaus zu bauen. Grundwasser ist aber immer störend, wenn einem der Arsch darauf geht. (UPDATE: Boah wie dumm von mir, da fällt mir jetzt erst auf, dass der Arsch ja auf GrundEIS geht..Peinlich.) Wer das Ganze jetzt mal etymologisch angehen mag, ist dazu herzlich eingeladen, hier oder bei der Differentialdiagnose als Gastautor oder gern auch regelmässiger Beiträger aufzutreten. So lange, bis das dann passiert, kann ich nur davon berichten, dass die Zeit bis zur Abreise immer kürzer wird, wir am Wochenende schon Sassnitz und Neu-Mukran, unseren Abfahrtsfährhafen, im Vorbeifahren in Augenschein nehmen konnten und es langsam tatsächlich spannend wird und man mal das Packen und die Mitnahme gewisser necessaires überdenken kann.

Aktuell habe ich den Wohnheimplatz im Norden Stockholms, Kungshamra, seines Zeichens teil von Solna, angenommen. Die Learning Agreements sollten auf dem Weg zur Gastfakultät sein und ich muss mich jetzt mal um die Anerkennung der Studienleistungen kümmern. Die letzten Prüfungen hier stehen noch aus und Kleinigkeiten mit dem Auto und der Versicherung, sowie dem wohlverdienten Camping-Urlaub vor Wintersemesterbeginn stehen noch zur Klärung aus.

28 Tage, 16 Stunden und 41 Minuten. Alles wird gut.

Praktikumssuche erfolgreich abgeschlossen

Die herzliche Ankündigung meiner Wenigkeit darf nicht lange auf Resonanz warten.

Ja, ich bin auch dabei und habe heute sogar passenderweise, nachdem ich wochenlang im Jammertal verschollen war, mal was von der sonnigen Seite des Lebens zu berichten. Ewig zu kurz gefasste E-Mails und furchtbar viel Verwirrung meinerseits später, kann ich nun verkünden, nach einem etwas holprigen Telefonat nach Stockholm, glückliche Gewinnerin (Trommelwirbel!) eines Praktikumsplatzes in der schwedischen Hauptstadt zu sein. Glückwünsche werden gern entgegen genommen.

Es ist ein Mädchen

Das ist dann hier also ein Tochterblog von Differentialdiagnose und in nicht mal mehr 35 Tagen geht die Reise nach Schweden und also die richtige Berichterstattung hier los. Entgegen anderslautender Aussagen wird also alles rund um den Stockholm-Aufenthalt von August 2008 bis Januar 2009 hier festgehalten. Mal sehen, wie das alles dann so wird. Den ersten Beitrag zur Vorberichterstattung kann man hier noch einmal nachlesen, ich werde ihn nicht doppelt posten. Soweit für den Augenblick.

P.S.: Einige Anpassungen, oder wie der gute Achim Schaffrina vom DesignTagebuch gern schreibt: anzuziehende Schrauben, wird es hier sicherlich noch geben, aber das sollte im kaum merklichen Bereich geschehen. Wem etwas seltsam erscheint, der melde sich doch einfach bei mir.

P.S. 2: Apropos Mädchen: Marie versprach hier auch ab und an ein wenig ihre Freude und/oder auch andere Erlebnisse vor Ort zu schildern. Happy Birthday und willkommen.