Aufräumarbeiten

So. Zurück aus dem Winterurlaub und versehen mit ein paar Erlebnissen kann jetzt ja die Abarbeitung des Aufgestauten beginnen. Und fürs Protokoll: Einfach klasse, wenn man wieder nach Hause kommt und dann in den Samstagabend-Partyverkehr gerät, sowieso nur die S-Bahn fährt, und das so unregelmässig, als wäre schon Montag und der Notfahrplan in Betrieb. Dazu die Information, dass das schon lange so läuft und wohl auch noch lange so laufen wird und dass das Auto an einer der vermeintlich teuersten Stellen kaputt gegangen ist. Da freut man sich, zurück zu sein und seine Zeit sinnvoll anlegen zu können.
Was jetzt aber die vorangegangenen Erlebnisse angeht: Jedem Menschenfreund und auch denen, die es werden wollen sei von Ganzem Herzen einmal eine Fahrt in der S5 vom Ostkreuz aus an einem ganz normalen Freitagabend, vielleicht so gegen 21.30 Uhr, angeraten. Zumindest für die kurze Strecke bis nach Birkenstein kann man da herrlich interessante Menschen kennenlernen. Dazu sollte man dann nur noch ein wenig Reisegepäck bei sich haben und bedenken, dass man eine Station vor dem Fahrtende der Partywütigen, also nur Zentimeter vor dem Kontrast, noch einmal die Bahn wechseln muss. Von einer Bahn in Normallänge in eine auf zwei Wagen Verkürzte. Das ist Tokyo für Arme, Kuscheln für Einsame und Freudentaumel für Triefnasen. Für die ganz Fortgeschrittenen empfiehlt es sich, wiederum eine Station zuvor schon einmal die schweren Taschen und Koffer einen Wagen weiter nach vorn zu transportieren, damit man nachher nicht böse erwacht, wenn man in Mahlsdorf feststellen muss, dass die Tür an der man seit nunmehr gefühlten zweihundert Stationen stand sich nicht öffnen lässt.
Alles in Allem ein würdiger Auftakt für eine Zeit der Erholung, der sich nur noch durch einen Magath’schen Waldlauf mit Rollkoffer auf dem Rücken toppen ließe.

Walk like Virus

So, nun scheinen die meisten Viren meinen abgemergelten Körper wieder verlassen zu haben, nicht jedoch ohne ein bleibendes Gefühl von Flau bis Übelkeit in mir zu hinterlassen. Doch was heißt das jetzt mal ganz konkret (wie Michael Friedmann wohl in seiner Talk Show kess fragen würde und das nicht ohne dabei seinem Gegenüber die glänzende Stirn ganz nahe vor dem Gesicht zu Parken, die Zähne zeigend eine Hand auf das Knie des Gesprächspartners zu legen und die nächste Gelegenheit ab zu warten, dem Gast beim Erklärungsversuch ins Wort fallend, sich zur Kemera zu drehen und freudig verkünden ‚Das war Micheal Friedmann…‘ APPLAUS) ?Das heißt lieber Michel und zwar ganz konkret, das man auch mal im Bus, eben noch guter Dinge und diesmal nicht die Gedanken kreisen, sondern die Gedärme von Null auf gleich Achterbahn fahren.    Das heißt, ganz konkret, panisch den STOPknopf drücken, die Lippen ganz ganz fest zusammen pressen und auf das befreiende Zischen, der sich öffnenden Bustür warten….und das heißt zu dieser Jahreszeit leider auch , ganz konkret, wenn man diesen Anfall am Opernplatz hier in Berlin erlebt, ich aus dem Bus stürze, nach frischer Luft schnappend, in eine Wolke-de-Odeure der Sonderklasse stolpere. Folgende Gerüche seien besonders erwähnt: gebrannte Mandeln, Glühwein und halber meter Bratwurstgeruch. Keiner dieser war sonderlich hilfreich!Frohes Fest*

Herr Hashimotos Gespür für Sitzplätze

Wie vor Kurzem ja berichtet, gab es vom Internetfernsehbetreiber zattoo eine Einladung, doch mal bei deren Deutschland-Launch-Party vorbeizuschauen und das ein oder andere Getränk mitzunehmen. Das liessen wir investigativ angehauchten Teilzeitjournalisten uns natürlich nicht zwei Mal sagen und so kam es dann zu Folgendem.
22.10.2007, 21:30 Uhr Ballhaus Ost, Pappelallee 15, Berlin – Prenzlauer Berg.
Im Vorderhaus scheint ein Skandinavier wieder zu wenig Tageslicht abbekommen zu haben und deshalb ein seltsames Theaterstück geschrieben zu haben, auf das wir später noch einmal eingehen werden. Durch den Hof, auf dem absolute Schweigepflicht herrscht, geht es ins Hinterhaus und an den Akkreditierungsstand von zattoo. Die Einladungen gingen an viele, doch nur, wer sich auch auf diese Mail zurück gemeldet hatte, sollte an diesem Abend Einlass gewährt bekommen. Ein Mann, der vermutlich sein gesamtes Studium damit retten konnte, dass er alle von seinem Prinzip Nadelöhr überzeugen konnte, erklärte einer danebenstehenden Dame eben jenes in Bezug auf die EInlasskontrollen. Er sagte: „Das ist unser Nadelöhr“. Also einmal kurz vorstellig geworden, sich abstempeln lassen und weiter zu den beiden Damen, die mit ihren randvollen Prosecco-Tabletts den Durchgang nicht ganz versperrten, aber doch erschwerten. So nötig haben wir es dann doch nicht, dass wir hier gleich mal zulangen, wir holen uns lieber ein Glas vom Tresen während grad niemand zuschaut. Und weil das Erste immer am schnellsten alle ist, noch eins hinterher. Noch wird wild aufgebaut und irgendwie will diese konstruierte Wohnzimmeratmosphäre mit Couchen auf dem Podest nicht ganz zur zweiten Version des Internets passen, aber der Gedanke dahinter hat sich ja nahezu aufgezwungen, deshalb ist das wohl auch verzeihlich. Da aber die Werkeleien so wirken, als wenn sie noch lange nicht abgeschlossen wären, wird das Glas gegen eine Flasche Augustiner getauscht und der Ballsaal gegen frische Luft. Auf der Pappelallee schon mal nach dem letzten fahrenden öffentlichen Verkehrsmittel gesehen und dabei festgestellt, dass einer der zattoo-Gründer (im Folgenden nur Herr Hashimoto) gerade erst mit einem Schwall euphorisierter Mitarbeiter aus einem Etablissement und also vom Abendessen kommt und somit wohl noch weitere Zeit bis zu einer offenen Ansprache bleibt.
Herrn Hashimoto und dem Haufen dann unauffällig folgend geht es zurück Richtung Ballhaus und kurz nach dem Eintreten der Truppe ein weiteres Spektakel. Echte Fernsehprominenz versucht sich in der Großstadt zu orientieren. Standesgemäß mit der Taxe bis vor die Haustür gefahren kommt der Kachelmann, steuert zielbewußt auf das Werk des Skandinaviers von oben zu und bittet um Einlass in die fiktive Klinik für Amnesiepatienten. Nach einem kurzen Geplänkel in Germanoenglisch geht es stramm weiter auf der Pappelallee, nur in falscher Richtung. Doch was ein echter Wetterkartenleser ist, der findet auch hier schnell raus, dass ausgeschaltete Lampen in geschlossenen Kneipen nicht ganz das sind, was man für den Abend gesucht hat. Also Kehrtwende und ab auf den Hof und durch und rein ins Vergnügen. Lassen wir Herrn Kachelmann mal für den Moment beiseite und erwähnen nur kurz, dass auch er uns später, nicht im Ringelpullover vor dem Klo in Konversationen vertieft (da gab es ihn auch und ich bereute, extra mein geringeltes Longsleeve ausgezogen zu haben), sondern noch viel später wieder begegnen wird.
Inzwischen ist es eine gute Stunde später als noch oben. Der Saal hat sich ansehnlich gefüllt, eine wenig talentiert erscheinende junge Dame hat mit einer Art Medleygesang begonnen und mit einem kleinen Trick (immer schön undeutlich sprechen) hat sich auch David hereinmogeln können.

Einlassdame: Wie heißt du?
David: David?
EInlassdame: David, wie weiter?
David: Meyer.
Einlassdame: Das ist ein sehr schwieriger Name. (Und sie notiert irgendetwas ausserhalb der normalen Felder, der Stempel wird aufgedrückt und Einlass gewährt.)

Wir besorgen uns Schlüsselbänder 2.0 und Biere, setzen uns auf das Podest und greifen auch mal eine Schmalz- und ein Salamistulle ab. Der Gesang der Dame von vorhin wird besser. Und das ganz objektiv, denn ihr Äußeres hat sich durch den Alkoholkonsum nicht verbessert, Beweis also angetreten, sie scheint sich warm gesungen zu haben. Nur mit der Stimmungsmache klappt es nicht so gut, ein Glück, dass ihr einziger Versuch in dieser Richtung auch ihre letzten Worte an das Publikum waren „Und jetzt noch viel Spasssss…“ kommt einfach mal genau so gut an wie „Seid ihr alle da“ und „Ich will eure Hände sehen“, schwierige Gewässer also.
Jetzt ist also Zeit für Herrn Hashimoto, noch einmal auf den Plan zu treten. Ein paar warme englische Worte, ein Lächeln und die Erkenntnis, dass ich nicht mehr weiß, was er gesagt hat, da kann nicht viel Substanz dahinter gewesen sein. Der Schweizer danach, der sich mit den Worten „Ich bin Schweizer“ vorstellte konnte da immerhin noch eine Pointe bringen. Wir wären von einem Peer-to-Peer- zu einem Bier-to-Bier-Netzwerk gekommen, drei Leute schaffen es nicht, sich nicht auf die Schenkel zu klopfen und ab dafür. Das war der zattoo-Launch von offizieller Seite. Nichts weiter, keine Präsentation, keine Slideshows, kein Internet im ganzen Haus, irgendwie so etwas wie nichts. Das hatten wir uns dann doch irgendwie anders vorgestellt, aber warum auch etwas bewerben, was alle Anwesenden ja schon eine Weile kennen?
Da der Abend aber noch nicht zu Ende war und inzwischen auch ein leidlich talentierter Mensch ein paar Schallplatten über sein iTunes laufen ließ, machten wir es uns auf einem weichen Hocker bequem, bevor es auf die Empore ging. Herr Hashimoto hatte sich inzwischen ein neues Getränk geben lassen und schwänzelte ein wenig durch die Gegend auf der Suche nach einem Sitzplatz, der ihm jedesmal mit den Worten „Nee, da sitzt schon wer“ verwehrt wurde. Er lächelte daraufhin und ging wieder seines Weges, doch uns brach es das Herz, wir wussten, wenn wir nichts für ihn tun würden an diesem Abend, dann würde es niemand tun. Oben angekommen waren dann ein paar Stühle und Tische aufgebaut, Tischdecken aufgezogen und anscheinend der Nachwuchs der zattoo-Macher mit Alkoholschem versorgt worden. Das war ein sehr trauriger Anblick. Ein halber Hahn in ein zu großes Sakko gesteckt checkte mit dem hobbymässige Max Buskohl-Double nach jedem unfallfrei herausgebrachten Wort. Und als sich auch noch unproportionierte Heranswachsende mit an den Tisch gesellten begann der Balztanz, wurden Getränke geholt und knieend serviert. Wenn man sich jetzt schon schwer vorstellen konnte, wie sagenhaft häßlich die dazugehörigen Eltern aussehen mussten, verbot sich jedweder Gedanke an eine Paarung dieser Opferanoden vom Nachbartisch. Deshalb traten wir lieber die Flucht auf die Couch an und David konnte Herrn Hashimotos Abend retten, als er ihn an der Bar anstehend nach weiteren Promo-T-Shirts befragte und dieser sich bedauernd entschludigen musste, sie hätten leider nicht genügend einstecken.
Für uns wurde es jetzt langsam Zeit, die Segel zu streichen, also sämtliche Habe geschnappt und wieder die Treppen hinunter, um an der unteren Bar noch eine flüssige Wegzehrung abzugreifen. Diese habe ich dann leider wenige Häuserecken später aus meiner Hand auf den Boden gleiten lassen, wo sie zerschellte, aber über einen Mangel an Bier kann ich mich an diesem Abend ja nun wirklich nicht beschweren.
Einer der letzten Eindrücke, wie mir Tags darauf klar wurde, war dann noch einer der traurigsten an diesem Abend, vielleicht noch trauriger als Herrn Hashimotos Stuhlunglück. Auf jeder Party gibt es zu äusserst fortgeschrittene Stunde immer ein Paar oder eine Gruppe, die mit einer unglaublichen Zielstrebigkeit an der absolut beschissensten Ecke der Lokalität die Ärsche parkt. Beschissen nicht nur, weil diese Stelle mit im Weg ist und man also immer beinahe über diesen Haufen aus Mensch klettern muss, beschissen auch und vor allem, weil es die Ecke ist, in der sich a
usgeschüttete Getränke und Zigarettenreste zu sammeln flegen. Und genau in dieser Ecke und dieser Menschenverkettung saß jetzt der arme Herr Kachelmann und versuchte an ein Getränk geklammert einer bizzaren weiblichen Gestalt etwas zu erklären. Worüber sie sprachen, keine Ahnung, es wird vermutlich nicht das Wetter gewesen sein.

Anleitung zum … Kaffee tragen

Der Teaser ist mittlerweile auch schon Ewigkeiten her und deshalb, und auf Grund einer einzelnen erneuten Anfrage, jetzt hier endlich der erste Teil unserer grossen Anleitung zum Großstädterdasein.

Kaffee – das schwarze Gold des kleinen Mannes.

Kaum etwas ist heutzutage in den Fußgängerzonen im Morgengrauen und zur Mittagsstunde so unabdingbar und wichtig, solch ein Necessoire, wie der tragbare Kaffee. Koffeinschübe am Morgen und Mittag sind es, die darüber entscheiden, ob ein Tag überhaupt durchstehbar ist.
Nicht erst seit der vergangenen Fußballweltmeisterschaft ist das offizielle Heißgetränk der togolesischen Nationalauswahl von den Straßen nicht mehr wegzudenken. Doch noch immer passieren schreckliche Dinge, jeden Tag und vor unser aller Augen. Menschen eilen geschwind durch enge Gassen und verbrühen sich dabei ihre new economy-Fingerchen, die doch der Schlüssel zum eigentlichen Broterwerb sind. Andere verteilen das heilige Schwarz auf dem Bürgersteig oder dem Blousson, das ist ärgerlich und teilweise bares Geld, das da nicht wieder aufhebbar zwischen den Pflastern der Straßen verrinnt.
Doch das muss nicht sein!
Einer wohligen Ausgeglichenheit steht nichts mehr im Wege, wenn man nur ein paar einfache Hinweise, Drei Schritte zum alltäglichen Kaffeeglück, beachtet.

Schritt #1 – die Bestellung

Eigentlich ist die Bestellung noch der leichteste Part. Entscheiden Sie sich für eines der angepriesenen Heißgetränke und sagen Sie dieses dem Menschen an der Maschine an.
Hinweis: Ab einer Bestellmenge von mehr als zwei Getränken gleichen Typs empfiehlt es sich immer, zusätzlich die gewünschte Anzahl per in die Luft gehaltener Finger anzuzeigen.
Vorsicht: Vermeiden Sie etwaige ambige Formulierungen! Sagen Sie in keinem Fall: „Ich hätte gern eine große Latte.“, o.ä.

Schritt #2 – Den Kaffee transportbereit machen

Nachdem Sie ihre bestellte Kaffee- oder Teespezialität nach eigenem Gutdünken mit Milch und/oder Zucker oder wahlweise keinem von beidem versehen haben gilt es ihr tragbares Getränk wegbereit zu machen. Nehmen Sie sich dazu einfach einen der meist in der Nähe von Zucker und Rührstab stehenden Deckel.
Vorsicht: In den meisten Fällen gibt es davon mindestens zwei verschiedene Größen. Achten Sie darauf, den Deckel nicht einfach gedankenlos auf ihr Getränk fallen zu lassen. Überprüfen Sie, ob sich die Durchmesser von Becher und Deckel gleichen, indem Sie zunächst den Deckel mit drei Fingern haltend langsam auf den Becher zuführen. Sollten die Größen übereinstimmen fahren Sie wie unten beschrieben fort, sollte dies nicht der Fall sein, kehren Sie zum Deckelstapel zurück.
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Legen Sie nun den Deckel auf dem Becher ab und drücken ihn vorsichtig mit beiden Händen an. Achten Sie dabei darauf, dass Sie den Becher mit beiden kleinen Fingern (anfänglich empfiehlt sich auch noch die Ringfinger zur Hilfe zu ziehen) stützen, damit dieser nicht umfallen kann.
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Wiederholen Sie das Andrücken nun in kreisförmiger Drehung um den Becher herum, damit Sie sicher gehen können, dass ein genauer Abschluß zwischen Deckel und Becher gewährleistet ist.
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Testen Sie nun, ob der Deckel auch wirklich gut sitzt, indem Sie den mit beiden Zeigefingern am unteren Rand anfassen und den Becher so vorsichtig und für nur ein paar Zentimeter anheben. Können Sie den ganzen Becher unfallfrei anheben, geht es weiter zum nächsten Schritt. Löst sich der Deckel vom Becher, wiederholen Sie bitte die letzten drei Handgriffe.

Schritt #3 – Der Kaffee unterwegs

Gratulation! Jetzt gibt es nicht mehr viel, was Sie von einem erfolgreichen Tag und dem schwapperfreien Tragen und Trinken ihres gewählten Heißgetränks fern hält. Doch warten im letzten Teil wieder ganz besondere Tücken auf Sie. Also seien sie behutsam!
Es geht also auf die Straße. Damit sie sich in der handschuhfreien Jahreszeit nicht an den Händen verbrühen empfiehlt sich eine spezielle Tragetechnik, die sowohl die Hitze des Bechers berücksichtigt, als auch der Tatsache Beachtung schenkt, dass auch der Inhalt mal gekocht wurde.
Die drei Finger, die wir im Folgenden brauchen werden sind Daumen, Zeige- und kleiner Finger.
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Fassen Sie mit Daumen und Zeigefinger links und rechts des Bechers an den verstärkten Deckelrand. Erfahrungsgemäß wird hier die wenigste Hitze an die Umgebung abgegeben.
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Damit Sie nicht Gefahr laufen, sich Spreizfinger zuzuziehen, sollten Sie den Becher zusätzlich mit dem kleinen Finger von unten stützen. Keine Angst, auch hier ist der Papprand verstärkt und bleibt in den meisten Fällen eines der kühlsten Teile der gesamten Apparatur.
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Der eigentliche Geheimtipp ist nun aber die Positionierung des Heißgetränkeausgussloches zur Hand. Achten Sie darauf, dass dieses entweder zum Handrücken gerichtet oder wie oben auf dem Bild gänzlich von der Hand wegführend positioniert ist. So garantieren Sie eine schwapperfreien Transport auf all ihren Wegen.

SIE HABEN ES GESCHAFFT! AB SOFORT KÖNNEN SIE SICH EIN STÜCK WEIT GROSSSTÄDTISCHER UND WELTMÄNNISCHER FÜHLEN. SIE BEHERRSCHEN JETZT DEN SCHMERZFREIEN VERZEHR VON MITNAHMEHEISSGETRÄNKEN JEGLICHER COULEUR.

Abschließend noch ein paar allgemeine Hinweise.

  • Rennen Sie nicht mit einem Becher in der Hand dem Nahverkehr nach!
  • Trinken Sie nach Möglichkeit nicht im Gehen sondern Pausieren sie für jeden Schluck!
  • Pusten Sie unbedingt vor dem ersten Schluck aus einer gewissen Entfernung in den Becher, die Ihnen entgegenschwallende Luft kann wichtige Auskunft darüber geben, ob Sie tatsächlich schon gedankenverloren runterschütten können!
  • Rennen Sie generell niemals mit einem Becher in der Hand!
  • Verbreiten Sie die Kunde von dieser Anleitung, sie kann auch Ihre Hose einmal vor braunen Flecken bewahren!

Ja wo leben wir denn hier…?

Als ich gestern Abend auf dem Heimweg, bei Umsteigen auf dem Berliner Alxanderplatz, von einem zwielichtigen Zeitgenossen angespuckt wurde , nur weil ich ein klitze kleines bißchen Zivilcourage bewiesen hab, war ich doch für einen Moment sprachlos. Was macht man da, mitten im Gewühl? Einerseits entsetzt von der primitiven Reaktion, anderseits angeekelt von dessem Sputum, doch erst recht besonders entäuscht von der eigenen, viel zu schlagfertiglosen Reaktion. Nach dem sich der kurze Tumult nach wenigen sekunden wieder auflöste, stand ich also vor der Wahl dem Typen einen Fratzenhammer zu verpassen oder es gut sein lassen. Habe mich für letzteres entschieden, jedoch nicht ohne dem Kerl, den ich einfach mal Kalle getauft hab, noch ein : ‚ Na das war ja eine ganz schwache Nummer, Kalle!‘ Ich fühle mich damit aber nicht allein, erst recht nicht in einer Millionenstadt wie Berlin. Ich wünschte manchmal auch so kühn zu sein wie Manfred Dumke! Manfred Dumke, Berliner, 60 Jahre alt, Frührentner, ledig. Er ist der schonungslose Schlusskommentator bei Polylux und analysiert verlässlich das Weltgeschehen…
 

Ab jetzt jeden Tag!

Im Fontblog feiert man dieser Tage 1000 Einträge in nur einem Jahr, was sensationell ist, zumal es da ja fast immer um irgendwas mit Inhalt, um mal nicht Substanz zu sagen, geht. Andere haben da durchaus weniger zu berichten, schreiben aber trotzdem jeden Tag, schon allein, weil man dadurch so wunderbar an Profil verliert und endlich zu einem schwammigen Brei findet. Und genau das machen wir jetzt auch, würde ich sagen. Nein, natürlich nicht. Schon allein deshalb nicht, weil ich es einfach nicht schaffe auf der Frequenz mit zu funken, wie es meine beiden Kollegen hier tun, aber so einen Output können eben auch nur zwei von dreien haben, einer bleibt dahinter sicherlich immer zurück. Aber dank der großen Herzen werde ich gerade noch so mit durchgeschleppt.

Meine Idee am heutigen Tage hat mal wieder entfernt etwas mit Sexualität zu tun, darauf lasse ich mich auch gern und mit Stolz reduzieren. Es geht um Hintern. Hintern sind toll. Man kann verrückte Sachen mit ihnen machen, auch wenn das Schönste vielleicht immer noch das bloße Sitzen auf ihnen ist. Es geht aber auch, dass man sie akrobatisch einsetzt, sei es im Zirkus oder um mit dem braun-güldenen Körpersekret Buchstaben ins Porzellan zu legen. Man kann Hintern anfassen, einige mögen das, wie mir von diversen Stellen berichtet wurde. Was man aber wirklich häufig auch tut und sicherlich bewußter als das Daraufsitzen, ist das Angucken. Hintern gibt’s ja nun wie Sand am Meer und da sollte für jeden was zum gucken dabei sein. Dieser Tage wird man aber als Beobachter gern über die Maßen für die eigene Obsession bestraft. Deshalb meine Aufforderung: Wir gründen die RHF (Rote Hintern Front). Dazu bewaffnen wir uns wahlweise mit Edding, Filzmalern oder Textmarkern und ziehen durch die Straßen, um diese für das Auge sicherer zu machen. Es geht einfach nicht an, dass man permanent den Frauen mit ihren Hüfthosen und den auch immer seltener noch eingeklempten String-Tanga-Hosen beinahe direkt in das Poloch gucken kann. Also nehmen wir unser Schreibgerät der Wahl und ziehen quasi im Vorbeigehen direkt über dem Hosenbund eine horizontale (je nach Lage des Objekts sicher auch andere) Linie. Auf diese Weise schaffen wir eine ganz andere Aufmerksamkeit. Nicht nur für uns Betrachter sondern vor allem auch für die Frau, deren Hose die Überhand gewonnen hat.
Damit das hier nicht den Hauch der Benachteiligung bekommt, möchte ich natürlich auch alle Frauen zum Mitspielen einladen, denn sicher sind auch Männer nicht vor dem klassischen Bauarbeiterdekolleté gefeit.
Interesse bitte mit einen aussagekräftigen Kampfnamen in den Kommentaren bekunden.

Ihr/Euer Helfer der Hosen

Neben der Documenta #12

Kassel
Kassel, du Perle Hessens – mit Multiplex und Fußgängerbrücke.

Das hier ist übrigens von der, wie ich aufschnappen konnte, im Volksmund „Beamtenlaufbahn“ genannten Brücke herab fotografiert. Alle mit einer Spreerundfahrt vorbei am Paul Löbe-Haus im Rücken wissen, in Berlin gibt es die „höhere Beamtenlaufbahn“.

Ein klarer Pluspunkt der Documenta, auch wenn man das von Konzertkarten oder Tickets für Sportveranstaltungen irgendwie schon so gewöhnt ist, war, dass man den Kasseler öffentlichen Nahverkehr auf gewissen Linien für umsonst nutzen konnte. Das lässt man sich dann auch als mit dem Auto angereister, vor allem aber mit Blick auf die Parkgebühren im Innenstadtbereich, nicht nehmen.
Also rein in die Linie 1 und gefühlt einmal von West nach Ost durchgefahren. Und vielleicht lag es ja an der gefahrenen Himmelsrichtung, vielleicht aber auch nicht, aber ich muss sagen, ich bin erleichtert, dass es das auch im Westen der Republik gibt. Schreiend dumme Kinder! Mädchen, die im Idealfall die 14 Lenzen schon touchieren, aber sicher nicht mehr. Und davon eine kleine Horde, na gut, sie saßen in meinem Rücken und können vielleicht auch nur zu fünft gewesen sein, aber was man sich darüber aufregen und in welcher Lautstärke man durch die Bahn schreien kann, wenn man bei einer der Besagten plötzlich Kondome in der Tasche findet, das ist sensationell. Für das arme Mädchen sicher hochpeinlich und wer weiß, ob jetzt nicht in ihren kleinen Köpfchen ein Schalter umgelegt wurde, der sie bis zu ihrem 54ten Lebensjahr nicht an Geschlechtsverkehr in wirklicher Praxis denken lässt.
Die beiden dann zugestiegenen Vierjährigen konnten auf jedenfall ihre Beine stiller halten und sich auf einem ebenso hohen Niveau verständigen wie die Mädels hinter mir und das sollte einen doch zuversichtlich stimmen. Im Westen ist nicht alles besser, die Kinder sind genauso stumpf und die Musik ballert auch da gnadenlos und verzerrt aus den Mobiltelefonen. Das macht einem die Heimfahrt auch gleich viel leichter.

Mittagskaffee #2

Eine wichtige Erkenntnis der letzten Tage ist ja, dass eine Straßenbahn M2, die ihre Endhaltstelle am Alexanderplatz hat, absolut unsinnig ist. Die Bahn ist jetzt zu jeder Tageszeit gerammelt voll, es ist schier unmöglich zum Rosa-Luxemburg-Platz zu kommen und auch zum Hackeschen Markt kann man nur, wenn man gewillt ist entweder noch für eine lächerliche Station in die S-Bahn zu steigen oder aber die komplette Diercksenstraße lang zu laufen. Deshalb gibt es jetzt, so wie es momentan aussieht, zwei Alternativen. Beide von Armin aufgeschnappt auf der heutigen Chaosfahrt zum Alex. Nummer eins stammt von einem Mitfahrer und Nummer zwei von einer älteren Dame, die das Glück hatte, den breitesten Platz in der Bahn zu erwischen.

Erstens: Alle, aber auch wirklich alle, beschweren sich bei der BVG und wir hoffen, dass unser innigster Wunsch, die M2 auf eine sinnvolle Weise einzusetzen, wird erhört.

Zweitens: Alle, aber auch wirklich alle, beschweren sich bei der BVG und wir hoffen, dass unser innigster Wunsch, die M2 fährt im5-Minuten-Takt und kriegt dazu noch einen „Anhänger“, wird erhört.

Nur eins muss jetzt wirklich jedem klar sein, wir müssen das zusammen anpacken!