„Nackt Luft Anhalten“

Wo ich schon mal dabei bin, auf Artikel zu verweisen, die ich irgendwie für lesenswert halte, kann ich ja noch „Nackt Luft Anhalten“ aus dem Feuilleton der Berliner Zeitung vom 01./02. August 2009 nachschicken.

Auch kürzlich noch wurde ich komisch dafür angeschaut, dass ich weiß, dass sich Cheyenne des nächtens im DSF auszieht, wenn man ihr eine Automarke mit A oder eine Stadt nennen kann, die mit dem gleichen Buchstaben schließt, mit dem sie auch beginnt. (Eine tatsächlich schwierige Aufgabe, die gern in den Kommentaren weiterführend gelöst werden darf. DORTMUND ist schon weg!)

Doch dass sich auch die Berliner Zeitung diesem Fernsehangebot widmet lässt mich besser fühlen, zumal es mir neu war, dass es auf diesem Sender auch Frauen gibt, die wenig bekleidet den Kopf in ein Aquarium halten, um sich dem sportlichen Wettkampf des Luft-anhaltens hinzugeben. Das bleibt mir zwar ähnlich zugänglich wie einst die mit ihrem Auto im Matsch steckengebliebenen Damen in Highheels, aber solange sich jemand findet, dem das Freude bereitet bin ich dafür.

Es kann in diesem Zusammenhang ja auch kein Zustand sein, dass man auch am Ende des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert ein schlechtes Gewissen wegen seiner Vorlieben oder der wenig schockierenden Tatsache haben muss, dass man gelegentlich masturbiert. Man vergleiche hierzu Stephen Frys Rede anläßlich des iTunes Live Festivals in London, die sich zwar vornehmlich mit anderen Themen beschäftigt, aber auch für dieses Thema einen kurzen Part bereit hält und vor allem denke man an Woody Allens weise Worte: „Sag nichts gegen Masturbation. Das ist Sex mit jemandem, den ich liebe!“

Stephen says…

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Stephen Fry sagte in einem seiner Podgrams:

When you run out of ideas for an article it’s very easy to cast your mind around for some nostalgic regret, some piece of cultural observation that you have made, that shows your acuity and your connection to the culture. And the cheapest and most obvious to the point of cliché of these is to regret the passing of the milkman’s cheery whistle. […] Those sorts of article are harmless enough I suppose. That’s trap one: Going off into the sentimental, the regretful, the nostalgic. Trap two is for anger to take the upper hand. And that’s the easiest one of all. Articles with anger in them write themselves. It doesn’t matter whether you’ve been kept waiting in the queue in the supermarket […] it doesn’t matter how banal and obvious it is, just a bit of fury will take you a long long way. And the article get’s itself written. And of course for journalism you could also put in stand-up comedy, which more or less is the 21st century’s equivalent to journalism and is as guilty of being obvious and banal and cheap and finding the shortest distance between two laughs as journalism is.

Irgendwie habe ich mich bei diesen Worten ertappt gefühlt. Nicht, weil ich glaube, ein talentierter Journalist zu sein oder weil ich mich komödiantisch für versiert halten würde, sondern vielmehr, weil ich ein wenig nostalgisch wurde, als ich gerade in der Küche stand. Nostalgisch von irgendwoher. Es kann nicht viel damit zu tun gehabt haben, dass ich mir ein Brot geschmiert habe, denn im Wesentlichen hatte ich daran gedacht, wie schnell die Zeit vergeht und da machen die zwei Minuten mit dem Messer in der Hand den Kohl auch nicht fett.

Es ist inzwischen zehn Jahre her, dass Armin und ich die erste größere Reise ohne unsere Eltern oder ähnliche Vertreter einer älteren Generation unternommen haben. Ehrlicherweise muss ich wohl hinzufügen, dass es für mich die erste Reise dieser Art war. Armin, so glaube ich mich zu erinnern, hatte schon ein wenig Balaton-Klischee ohne Erziehungsberechtigte abgreifen können. Zehn Jahre also ist her, dass Annika und ein Mädchen, das unbedingt Granini – ich glaube wegen der Bonbons, nicht wegen des Saftes – gennant werden wollte, eine Reihe vor uns im Bus nach Rimini saßen und Armin ihnen so wunderbar barsch „Ich hasse Kekse!“ ins Gesicht sagte, obwohl sie doch nur über ein paar Leibniz‘ ins Gespräch kommen wollten. Zehn Jahre seit wir Granita-Becher mit Namen von Freunden versehen haben und diese im Sand verbuddelten und dass uns eine Stimme vom Band des nächtens in unserem 13-Mann-Zimmer weismachen wollte, wir wären nicht der Mittelpunkt des Universums; ein seltsames Gefühl.

Paart man dieses Gefühl mit der oben beschriebenen Falle Nummer zwei, der Wut, die so oft die Beiträge hier bestimmt hat, dann steht man reichlich dumm da. Nabelschau betreibend kommt man schnell zu dem Schluß, dass man es sich wohl häufig sehr einfach gemacht. Dann aber bleibt die Frage, warum auch nicht!? Wir sind eben keine professionellen Schreiber und es muss auch hier nicht der Ort dafür sein. Und nur ein paar Minuten nachdem der gute Stephen Fry diese zwei einfachen Fallen präsentiert hat erklärt er, dass er eben genau in diese beiden tappen will – wissentlich – da sich etwas in ihm aufgestaut hat, das er nur so loswerden kann. Was folgt ist ein äußerst unterhaltsamer Verriss doppelmoralischer Nuancen im englischen und amerikanischen Fernsehen. Wo Geheimagenten nicht unangeschnallt im Auto fahren oder während der Fahrt telefonieren dürfen, da sie ja eine Vorbildfunktion für junge Serienliebhaber haben. Wo sie sich aber ungehemmt ins Gesicht schießen können und wo dieser Fakt von niemandem als eine Übertretung eben jener Funktion gesehen wird. Köstlich, wie sich Fry in Rage redet und wie er immer wieder „shooting people in the face“ wiederholt. Ein Anhörbefehl…