Sneak Reviews #3

jane eyre posterJane Eyre
UK 2011, 120 min.
R: Cary Fukunaga. B: Charlotte Brontë.
D: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Jamie Bell, Judi Dench, ..

Verfilmung Nr. X von Charlotte Brontës, in Teilen autobiographischem Debütroman/Klassiker. Kann man ja erstmal so im Raum stehen lassen. Passende Kategorie auch: Filme, die mittendrin anfangen. Und: Filme, in denen quasi nie die Sonne scheint. Über auf diesen abrupten Anfang folgende Rückblicke ins Aufwachsen der Protagonistin, schwierige Kindheit bei unfreundlichen Verwandten und in einem bigott moralisierenden Internat, lässt sich zumindest so allmählich herausfinden, wo hier das Kernproblem liegt.
Ansonsten überall Abgeschiedenheit. Düsternis. Viktorianische Architektur, Kleidung und Einrichtung. Anwesen und einsame Wohnhäuser mitten im (vermutlich schottischen?) Hochland. Regen, Weite, blasse Farben. Mitunter poltert irgendwas ins Bild. Sehr plötzlich. Der Suspense-Aufbau funktioniert auch. Rätsel-Momente und Geheimnisvolles werfen Fragen auf, werden gestapelt bis zum großen Knall, wo dann der Film nach zwei Dritteln auch wieder am Anfang angekommen ist und zum entscheidenden Kniff ausholt. Nun ja. Die Geschichte kann ja jeder in diesem Internet-Lexikon des Vertrauens nachlesen. Und im Prinzip ließe sich an dem Film bzw. der Geschichte vortrefflich über christliche Moralvorstellungen im 19. Jh. und die Selbstständigkeit der Frau debattieren. Am Ende bleibt der Film aber irgendwie zwiespältig. Ganz gut gemacht, aber auch reichlich anstrengend. Was eventuell auch an dem Phänomen Historien-Literaturverfilmung an sich liegt.

Sneak Reviews #2

die haut, in der ich wohne - plakatDie Haut, in der ich wohne (La piel que habito)
ES 2011, 117 min.
R: Pedro Almodóvar. B: Almodóvar, Thierry Jouquet.
D: Antonio Banderas, Elena Anaya, Jan Cornet, ..

Beim ersten Anzeichen, dass der Film diese Woche der neue Almodóvar sein könnte, jubelte hinter mir irgendwer halblaut auf. Ich so: okay..? Na, mal sehen. Und dann: Stimmungsaufbau, hallo. Erstmal nicht so genau wissen, Andeutungscontent, Mutmaßen und was ist hier eigentlich Phase?
Bildtechnisch ist das schön gemacht und (ansatzweise zu) perfekt durcharrangiert. Große Farben, Perspektivspiel und so. Die Geschichte spinnt sich mit Rückblenden so allmählich dahin und dass hier irgendwie Hitchcock und meinetwegen auch Lynch Pate standen: passt. Mithin: eine irgendwie faszinierende Geschichte, teils hochgradig eigenartig, teils sehr direkt, teils um die Ecke, manchmal Quatsch par excellence, manchmal auch etwas kitschig. Thematischer Rahmen: Plastische Chirurgie, Umgang mit Vergangenem, Genexperimente und Körperlichkeit. Blut und Gewalt inklusive. Dabei aber irgendwie stilvoll, was wiederum beinahe schon gruselig ist. Durchaus gute Sache, im Rahmen von Filme, die ich sonst vermutlich eher nicht gesehen hätte und auch im diesjährigen Sneak-Schnitt definitiv im oberen Drittel. Nur eine Frage noch: warum sieht Antonio Banderas auf einmal aus wie Roger Moore?

Sneak Reviews #1

Tyrannosaur
UK 2011, 91 min.
R/B: Paddy Considine
D: Peter Mullen, Olivia Coleman, Eddie Marsan, ..

Was willste sagen, wenn dir eigentlich nach 10 Minuten Film schon komplett die Worte fehlen? Im Minutentakt rasen Oma Hans-Zitate durch den Kopf. Englands Subproletariat ist im Eimer; frei nach Sjöwall/Wahlöö hat der Sozialstaat gänzlich versagt und überlässt die unten eben sich selbst und ihren Unzulänglichkeiten. Aus jeder Faser beinahe jeder Unterhaltung hierin klappt irgendeine Gewalt nach außen. Von Anfang  an. Irgendwer schreit immer mal wieder irgendwen an, Fenster gehen zu Bruch, Menschen schlagen sich, Hunde sterben. Dazu: Bier, Schnaps, Beleidigungen, Drohungen. Niemand ist komplett sympathisch, die Meisten noch nicht mal das. Beklemmend. Einerseits. Andererseits: großartige Kamerabilder als Kontrapunkt, die eben doch Zwischentöne zulassen, Ruhe schaffen, die dem Publikum  in dieser an Ken Loach geschulten Sozialfarce (Drama ist hier dann doch das falsche Wort) letztendlich gar die Hauptfigur Joseph sympathisch machen kann.  Und mitunter schleicht sich in den rauen Umgang doch auch eine gewisse Herzlichkeit. Hat was, der Film, aber auch einiges Verstörendes.

(Eine Woche verspätet, das Ganze hier, weil.. ja, darum eben.)

Noch mehr Meinung

Nach über neun Jahren beinahe regelmäßiger Partizipation und irgendwann auch schon einmal angefangener Sneak-Kritik, nehme ich mir jetzt mal vor, die Bewertungen, die ich sowieso wöchentlich (gegeben des Falles ich war überhaupt da) bei Twitter in die „Welt“ „rausschreie“, irgendwie noch auf fünf, sechs, neunzehn Sätze ausgeweitet hier zu bringen. Vielleicht braucht das Ganze noch eine gute Headline, unter der das laufen wird, aber im Prinzip: Here we go.

Berlin nervt #01

Wir Deutschen schauen ja sehr gerne mal nach Skandinavien rüber, insbesondere nach Schweden. Und mit neiderfüllter Stimme berichten wir uns gegenseitig von all den Errungenschaften der schwedischen Gesellschaft und all den Dingen, die so einfach wie genial sind, punktum Sachen, die wir uns eigentlich mal abgucken sollten.

Und dann gehst du in ein Einkaufszentrum oder einfach ein mehrstöckiges Geschäft, dessen Etagen mit Rolltreppen verbunden sind und du fragst dich, wie ernst dieser Innovationswille eigentlich wirklich gemeint ist.

In weniger als der halben Geschwindigkeit einer durchschnittlichen schwedischen Rolltreppe zeitlupt man mit all den dicken Monstern Ruck um Ruck nach oben, aber das ist dann auch egal, denn es ist ja nicht so, als wenn man durch den Einsatz von Muskelkraft eine Chance haben würde, schneller nach oben zu kommen. In Deutschland nämlich, da stehen wir immer möglichst nebeneinander auf Rolltreppen. Fast scheint es, der gemeine Deutsche könne nicht allein auf diese Fahrebene treten, so wie das landläufig immer vom Toilettengehverhalten geschlechtsreifer junger Dinger behauptet wird…

Ich weiß nicht mehr, wer es war und wo er es sagte (man ergänze diese Information gern für mich), aber an dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es »Rolltreppe« heißt und nicht »Rollstehe«!

+++UPDATE+++
Armin war so freundlich, mich darauf hinzuweisen, dass es beim guten alten Flix war. Siehe hier: http://der-flix.de/index.php?preselect=734

Biste inne Stadt, wat macht dich da satt…

…’ne Currywurst. – Herbert Grönemeyer (siehe Youtube)

dcwm_coming-soon.jpg

Inzwischen sind es weniger als 320.000 Sekunden bis am Samstag, dem 15.08.2009 anläßlich des 60. Geburtstages der vielbesungenen Wurst das Deutsche Currywurst Museum Berlin eröffnet. Neben der Aufarbeitung der Geschichte der Currywurst (Hier wittere ich großen Streit mit der Hansestadt Hamburg darüber, wer denn nun wirklich zuerst da war. Man vergleiche hierzu auch Uwe Timms Buch „Die Entdeckung der Currywurst„!) kann man im Museumsimbiss wohl so manche Variation probieren. Insofern sollten wir hier vielleicht mal eine investigative Gruppenreise dorthin starten, nur vielleicht nicht gerade am Eröffnungstag, da wird ja auch wieder Fussball gespielt/geschaut.

Einzig mit dem Maskottchen scheint man mal wieder einen halben Griff ins Klo hingelegt zu haben, sieht dieses Wesen mit dem unsinnigen Namen QWoo doch eher wie scheiblierte Scheiße aus. Aber mit diesen Assoziationen muss man wohl leben, wenn man sich der Geschichte der Wurst verschrieben hat. Und ultimativ wird die Wurst ja wieder zu einer anderen Wurst. Wir erinnern uns an die Schule und den ersten Wursterhaltungssatz. Genauso gerne denke ich auch an den Schnellimbiss vor dem damals noch vorhandenen ehemaligen Palast der Republik, wo so mancher der Rückbauarbeiter sich dem klassischen Wurst-rein-Wurst-raus-Manöver hingab.

Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier: www.currywurstmuseum.de