Liste 1

Dinge die ich heute mag
– das Wort „Shitstorm“
– genau 5 Worte geredet zu haben
– Listen schreiben
– im Internet nach Reisezielen suche, die ich mir nicht leisten kann um dann Low Budget Reisen zu planen, bei denen ich mich Weltverbesserischer fühle
– meinen neuen Wäschekorb
– den Geruch nach Berliner Sommer
– meine neue Flatrate

Dinge die ich heute nicht mag
– mein Ipad-Ladekabel nicht zu finden
– dass ich bei der Tagesschau immer weinen muss
– unsere Pfandflaschensammlung
– nichts anzuziehen
– das hier kein Hamburger vor mir liegt (das Gericht ;) )
– dass der Hund der Katze das Futter klaut
– dass mir nicht besseres einfällt als eine Liste
– blöde Mütter glotzen mich an (nicht meine)

Rentner hängen rum

Urlaub im Altenheim

Seine Mutter schunk uns eine Reise, eine Reise an den Ort unserer Wahl. Grundsätzlich ein herrliches Angebot. Natürlich nahmen wir es wahr. Mir wurde aus Zeitmangel die Organisation überlassen. Was nehmen wir da… Hm. Madrid, Malaga, Rom oder Lissabon? Malle! Geil, waren wir noch nie, ist bestimmt schön. Also gebucht los gehts. Bereits im Flugzeug fielen mir die zahlreichen alten Menschen auf. Eine beige Jacke neben der anderen, Sperrgut vor allem Rollatoren, dazwischen unser Kinderwagen. Ein Meer aus Wolken entpuppte sich als trockenshampooniertes welliges Kurzhaar. In der Auslage des Lesematerials am Flugzeugeingang großenteils „Lisa“, „Bild der Frau“ und so langweiliger Billigmuttiescheiss.
Naja, ich dachte die Alten verwässern ja dann auf Land. Dem war nicht so. Im Transferbus zum Hotel, nur Alte. Eine Oma röchelte um ihr Leben und ich dachte daran welche tödliche Krankheit die wohl hier spazieren trägt, oder obs vielleicht chronisch ist? Egal, war eklig. Der Opa vor uns drehte sich immer mal nach unserem nörgelnden Baby um, ich beachtete ihn nicht. Ich als Grossstadtkind beachte niemanden, auch das sollte sich ändern.

Naja, jedenfalls spuckte der Bus ein Rentnerehepaar nach dem anderen an eher hässlichen Unterkünften aus, ich bekam Angst. Ich hoffte unsere Unterkunft wäre schöner. Ich konnte mich nicht an das Gebuchte erinnern, zu viele Hotels im internet. Das letzte war nun unseres. 5 Sterne, hatte anscheinend beschlossen Schwiegermamas Geld in meinen Spass zu investieren.., soweit soooo gut. Ich fands super. Nach den ersten Erkundungstouren durch den Ort bestätigte sich der Verdacht, in einer der besseren Buden gelandet zu sein. Beim ersten Abendessen mussten wir feststellen, dass sich der Altersdurchschnitt in schwindeligen Höhen befand, 50 wäre hier noch jung. Das beste Beispiel waren Omma und Oppa die nur noch da saßen und sich schweigend nicht mehr ansahen, sie sahen nicht mal mehr in die selbe Richtung. Mir schossen sofort mögliche Lösungen für das Problem durch den Kopf. Aber dann fiehl mir ein, dass es sich vermutlich selbst erledigen wird. Ich überlegte, was diese Menschen wohl für weise Dinge zu berichten wussten. Beim zweiten Abendessen durften wir dann an dieser Altersweisheit teilhaben. Mein lieber Lieber nahm unseren Sohn im Trageding auf den Rücken weil er brüllte, als sich eine irre Alte mit praktischer Frisur auf ihn stürzte und irgendwas von „unmöglich“ und “ das Kind gehört ins Bett, nich in das Ding und überhaupt was ist denn das?“ faselte. Dabei fummelte sie am kind rum und wurde rot. Danke liebe Alte für die Weisheit. Ochjeh, heute liegen wir in unseren Betten während sich die Alten unten in der Lobby dem Schlager d.J. hingeben. Heut Nacht werden sie wahrscheinlich alle übereinander herfallen, Yolo man Yolo. Aber auch das Leben ist kurz, deren leben natürlich nicht. Das leben ist nur kurz, wenn man jung ist.

Was? Hab nicht zugehört…

Jeder kennt es, jeder ist sagenhaft genervt. Man schlendert an einem schön verregneten Mittwoch Nachmittag gegen 16 Uhr die, mit Baustellen zugepflasterte Marienburger Strasse entlang und wird immer wieder von langsamen und plötzlich stoppenden Gespannen, bestehend aus einer Mutter, einem Kinderwagen mit darin befindlichen Säugling oder Kleinkind und eventuell noch einigen mitgeführten, trantütigen Kindergartenkindern bei der Ausübung des Schlenderns jäh unterbrochen. Nicht selten drängelt man sich, abschätzig mit der Zunge schnalzend daran vorbei und ist froh, wenn der Tross in der Ferne immer kleiner wird.

Ich muss zugeben, vor der Zeit als Mutter ebenso gehandelt und mich dabei im Recht und vor allem auf der richtigen Seite gedacht zu haben. Heute möchte ich nicht mehr an meine arroganten und geringschätzigen Gedanken denken. Ich schäme mich dafür!

Jeder wird sich nun fragen :“warum denn nur, sie hat doch recht!?“
Ich möchte es erklären. Anfänglich waren die Spaziergänge mit Kind eine Art Programmpunkt, welcher immer gern auch in Gesellschaft ungezwungen allnachmittäglich stattfand und keine negativen oder gar verzweifelten Züge trug. Man verabredete sich mit einer Bekannten und lief fröhlich schnatternd vom Kollwitzplatz über die Danziger Strasse bin hin zum Helmi und wieder zurück. Auf dem Weg wurde ein Latte nach dem anderen gekippt, die neuesten Babyfeatures wurden ausgewertet und must- haves für den Kinderwagen einer Qualitätsprüfung unterzogen. Irgendwann machte es komische Geräusche aus dem Teutonia, Bugaboo oder Emaljunga und man war erst verwirrt, bis einem einfiel, dass da ja das Kind wohnt, welches bestimmt Hunger hat. Also, rein ins Café und ausgepackt. Babys, Brüste und so weiter.

Hemmungen gab es inzwischen keine mehr. Der junge Mann am Nachbartisch versank hinter seinem MacBook und man nahm schnappende Atemlaute wahr. Fünf stillende Mütter sind nicht jedermanns Sache…

So, nun war das bis vor kurzem alltäglich und auch gut so. Schließlich ist man ja junge Mutter und hat genug für die Gesellschaft getan. Nun begab es sich, dass mein Sohn sich beim umherspazieren oder bei was weiß ich, irgendeinen scheiß Virus eingefangen hat, welcher zu Husten und Niesen und krampfhaften zusammenziehen des ganzen kleinen Körpers, bis hin zum Erbrechen führte. Spaziergänge bekamen nun den Sinn, das Kind feuchter Luft auszusetzen, damit es den Schleim loswerden und als Konzequenz daraus, alle besser schlafen können. Das absolut schlimmste was einer Mutter passieren kann, ist ein krankes Kind. Das weiß ich jetzt. Mal abgesehen vom Leid des Kindes ist man selbst auch irgendwie sehr daneben in dieser Zeit. Schlafen, essen, saubere Sachen oder die Dusche? Dinge die man kennt aber schon lange nicht mehr aus der Nähe gesehen hat. Eine einzigartige Survivalaktivität für (haha) die ganze Familie…

So, nun zu den Müttern die sich in den Weg schieben, Gehwege zuparken, schwatzend an der engsten stelle im Supermark stehen. Eine Packung Sahne gefühlte 20 Minuten betrachten, um sie dann verwirrt zurück ins Hundefutterregal zu stellen.
Im Prinzip ist das eine Art „Energie-spar-modus“ oder „Standby“, welches automatisch nach einer bestimmten Zeit ohne Nutzung angeworfen wird.
Sie sind einfach nicht mehr in der Lage ihre Außenwelt wahrzunehmen, sie tragen noch den Pyjama unter ihrem Mantel und können sich nicht erinnern, wann sie das letzte mal geduscht haben. Ihnen klebt Babyrotze im Haar und ihre Hauptnahrungsquelle ist Lieferheld. Das fühlt sich so an, wie eine Szene aus Matrix in der die Kugeln an einem vorbeifliegen und man gaaaaanz langsame Bewegungen macht. Also bitte liebe Mitmenschen, nicht böse schnalzen, einfach nett lächeln und ein bisschen schubsen aber nur ganz lieb.

Die Lehre vom Wickeln des Tuches

Ist man eine gute Mutter, so wickelt man sein Kind möglichst aufwändig irgendwie an seinem Körper fest, habe ich gelernt. Wer nicht schleppt ist eine Rabenmutter, so lautet die einhellige Meinung der Prenzlauer Berger Mütter. Was das für die einzelne Mutter, das Individuum sozusagen, für schwerwiegende Folgen haben kann, interessiert dabei keinen, so scheint es.
Um nun dem ungeschriebenen Gesetz der Straße (Kollwitzstraße) Folge zu leisten, bestellte ich schon weit vor der Geburt des Kindes ein Tragetuch. Mokkabraun dachte ich… da dachte ich noch Kinderkacke ist braun. Ist sie aber nicht, nur so nebenbei, sieht aus wie Kürbissuppe…jedenfalls Mokkabraun. Super Sache, vier Meter gutes Gewissen.
Als das Kind nun da war, konnte ich es kaum erwarten das kleine unschuldige Bündel Leben, bei 40°C Außentemperatur an mich zu binden (das Bild ergab sich so).
Also, zwei Wochen nach der Geburt musste der kleine ran. Klappte auch ganz gut, die ersten drei Wochen habe ich fleißig getragen, das Kind schlief fleißig dabei. Alle waren neidisch auf mein ruhiges Kind, ich fühlte mich sagenhaft perfekt.
Wider erwarten nahm der kleine Zwerg nun unverhältnismäßig schnell an Gewicht zu. Im ersten Monat schon mal doppelt so viel wie alle anderen. Meine Muskeln kamen nicht hinterher, trotzdem ich mich muttermäßig anstrengte. Zusätzlich zu meinen körperlichen Beschwerden kamen, im Zuge der Ausübung der Tragetätigkeit in Kombination mit pränatalen Großelternbesuchen, noch mentale Belastungen hinzu. Kritische Uromas können hartnäckig darauf bestehen, dass man das Kind schön in das bisher jungfräuliche Kinderbett legt, viel zu dick verpackt und dann mal ne Runde schreien lässt, bis es sich in den Schlaf gebrüllt hat. Ich lehnte jedoch ebenso hartnäckig ab und schmetterte sämtliche „mir hom drei großgezogen…“ mit „Ja, vor 50 Jahren“ ab. Kam mir gleichzeitig respektlos und unheimlich muttertiermäßig vor. Ein Gefühl, welches sich im laufe der folgenden Monate tief, tief in meine Mutterseele brennen wird. Inzwischen schmettere ich hochprofessionell ab.
Zurück zum Tragethema. Nachdem der kleine Brocken die 7,8 Kg geknackt hatte, konnte ich nicht mehr, jedenfalls nicht Tragetuch. Ich habe nun einen wenig urinstinktiven Babycarrier, welcher mit unästhetischen Schnallen befestigt wird, für deren Anbringung man keinen Applaus erntet. Was man nicht tut für einen intakten Rücken…. Die Lehre vom Wickeln des Tuches weiterlesen

Von Yoga, Pilates und „Felgenkreis“….

Schon vor der Geburt unseres Prachtkerlchens besuchte ich einen Kurs im nahegelegenen Yogastudio. Der Kurs nannte sich „Yoga für Schwanger“ und fand jeden Montag gegen 10 Uhr statt.

Ich, als alter Anhänger, machte mich seinerzeit also los zum Studio wo ich, dank dickem Bauch, schonmal total fertig ankam. Den anderen Baldmamas ging es nicht anders und nachdem zehn Frauen erst einmal die Toilette besucht und eine bequeme Sitzhaltung gefunden hatten (gar nicht so leicht, wenn man so schwanger ist), gings auch schon los.

Damals stellte man sich folgendermaßen vor: „Hallo, mein Name ist Marja, ich bin in der 30. Schwangerschaftswoche, es wird ein Junge….“. Am Ende wusste man keinen einzigen Namen mehr, aber in welcher Woche sich die Damen befanden und ob´s ein Junge oder ein Mädchen wird. Zudem erkannte ich, dass ich die Jüngste war. Alle beäugten mich wie eine versehentlich im Geräteraum erschwängerte Sechzehnjährige…

Eine Übung nach der anderen wurde angeboten, wer die dann konnte, durfte sie auch durchführen. (Das war nicht selbstverständlich, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt kann man nicht mehr auf dem Rücken, auf dem Bauch und nur noch auf der linken Seite liegen.)

Meistens kam ich schon durch das bloße Andeuten einer Übung  an meine Grenzen.

Einigen Teilnehmerinnen merkte man ihr Erfahrung im Yoga deutlich an vor allem, weil sie es immerzu betonten… „Ist das die selbe Übung wie der sterbende Schwan? Ich kenn das aber anders…“ Innerlich verdrehten sich meine Augen gen Himmel…

Die Übungen sollten uns auf die bevorstehenden Herausforderungen der Geburt vorbereiten. Im Nachhinein muss ich sagen, sie taten es nicht im Geringsten, lediglich die „Tön- Übungen“ kamen nahe ran. Bei dieser Art der Meditation oder ich weiß nicht was, ruft man laut Buchstaben, vorzugsweise Vokale, in den Raum. Mein Lieblingsbuchstabe war das „U“. Hatte sich dann auch bei der Geburt bewährt.

Die Entspannungsübungen am Schluss jeder Stunde bewirkten massenhaftes Wegdösen mit geräuschvoller Untermalung jeglicher Art….

Im Umkleideraum wurden dann Schauergeschichten über befreundete Mütter ausgetauscht, welche schon entbunden hatten. Immer hatten sie 80 Stunden lang Wehen und starben den Heldentod an der Mutterfront.

Um sich anschließend die abtrainierten Kalorien wieder anzufuttern, saßen wir nach jeder Stunde im Bioladen nebenan und futterten Torte und soffen Latte Macchiato. Wie sich das gehört, dachte ich jedes Mal und rieb mir das Bäuchlein.

Ich als verantwortungslose Teenmom musste mich in jeder neuen Runde den Fragen stellen: „Und was macht dein Freund? Ihr seid doch nicht verheiratet, oder? Ach, Softwareentwickler, dann ist ja gut….“ Bin dann dazu übergegangen das gleich am Anfang zu erwähnen, das erspart den luxusproblemgeplagten Schwangeren, sich das Gehirn über Sozialwohnungen in der Nähe zu zermartern.

Inzwischen habe ich den ersten Versuch gestartet, zusammen mit meinem Sprössling die Yogastunde „Yoga nach der Geburt“ zu besuchen. Hat man die Absicht da wirklich Yoga zu machen, kann mans echt vergessen. Schreiende und kotzende Säuglinge liegen überall auf dem Boden, dicke Mütter strecken ihre Hintern und die Entspannungsübungen fallen einfach ganz weg. Jetzt stellt man sich so vor:“ Hallo, ich bin Jonah´s Mama, Jonah ist jetzt 8 Wochen alt.“ Alle fummeln nur an ihren Babys rum und keiner guckt die Vorturnerin an. Nur ich natürlich und gelte damit gleich wieder als egoistisch und vernachlässige mein Kind…

Habe daraufhin beschlossen, noch eins, zwei Monate ins Land ziehen zu lassen bevor ich einen neuen Versuch starte. Schwimmen soll ja auch toll sein…

Oekomuetter vom Prenzlauer Berg? Will da einer was drüber wissen?

So, nun mal kein Audiobeitrag sondern eine ernsthafte Frage in die „Runde“…

In Folge meiner neu erlangten Mutterschaft, ist es mir vergönnt, Einblicke in das Mysterium „Prenzlauerbergmütter und ihrer Handlungsgrundlagen“ zu erlangen. Inzwischen habe ich mich gut assimiliert und überlege nun, sowohl meine Erfahrungen „da draussen“, als auch mein eigenes Tun zu dokumentieren.

Es böte sich also die einmalige Gelegenheit für alle Aussenstehenden (mich vor zehn Wochen eingeschlossen), die oft schwer nachzuvollziehenden Aktionen umhervagabundierender „Jung“mütter dieses schönen Bezirkes nachzuvollziehen.

Wer also Interesse hat, soll sich melden. Es erfordert schließlich eine Menge hart gebunkerter Biofettzellen, um mein kleines stilldementes Gehirn anzuwerfen und sowas zu tippen…

B E R L I N

Wer hätte gedacht, dass ich mal mit Heimweh an die Pissetunnel des Bahnhofs Lichtenberg denken würde?

Ich nicht!

Ich hätte auch nicht gedacht, dass mir der metallische Geruch der Bahngleise am Alex oder die Geräusche der Flügelschläge einbeiniger Tauben so fehlen könnten.

Ich habe jahrelang keinen Fuß aus dem warmen Nest meiner Heimatstadt gesetzt und habe mich jahrelang dafür geschämt.

Ich wollte immer Kosmopolit sein, wie die zahllosen Mitbewohner meiner Wohngemeinschaften. Ich wollte den Jakobsweg pilgern, Zäune in Südamerika streichen, gekonnt auf russisch einem Arzt von juckendem Ausschlag im Genitalbereich erzählen…

Ja, das wird wohl nichts, denn wie ich inzwischen weiß, kann ich weder auf meine Stadt, noch auf meine Freunde und vor allem nicht auf meinen Typen verzichten. Und leider haben alle Jobs…

Also, bleibe ich wohl einfach hier und werde einer dieser grimmigen Alten die einen im Straßencafe´ mit abschätzigen Blicken betrachten und Eimerladungen Wasser vom Balkon kippen, wenn man mal wieder betrunken vor der Türe weiterfeiert…

Ich freu mich drauf.

Huhn

Wie jeden Tag stehen mein Typ und ich vor der Wahl des Tages: Mittagessen.
Es gibt da verschiedenste Möglichkeiten, die eine Entscheidung wirklich nicht leicht machen und immer wieder zu kleineren Streitigkeiten, in unserer sonst eher formschönen Beziehung, führen.
In einer Stadt wie Berlin kann man unter mannigfaltigen Anzählen von Fressbuden wählen, der Vietnamese an der Ecke ( da sind wir wirklich oft ), der Inder eine Straße weiter ( nicht so oft, weil da muss man ja so weit laufen ) und natürlich hätte man rein theoretisch auch die Möglichkeit, sich etwas zu kochen. Dazu kommt es jedoch selten.
Heute ist so ein Tag an dem ich nun beschließe, eine Ausnahme zu machen und schmeisse mein kleines Hausfrauengehirn an.
„Letztes Jahr habe ich doch mal ein Hühnchen gemacht, wie war das?“  Staub bröckelt hörbar.
Ich beschließe, auf dem Weg zum Supermarkt weiter darüber nachzudenken.
Sehr eilig ziehe ich mich an. Die Klamotten hatte ich schon an, nur die Schuhe müssen noch gesucht werden. Habe die erwischt, die meine Mama beim letzten Besuch wegwerfen wollte. Ich fühle mich ein wenig rebellisch.
Auf geht´s zum Supermarkt.
Dort angekommen bin ich dem Rezept kein Stück näher gekommen. Ich beschließe es drauf ankommen zu lassen, und improvisiere.
Diese Fähigkeit habe ich bereits in meiner frühesten Jugend entwickelt und bin immer wieder überrascht wie gut sie, über all die Jahre des Wohlstandes, erhalten wurde.
Ich werfe also allerhand Dinge in den Korb, von denen ich denke, sie könnten sich als Beilage für Huhn eignen. Möhre, Apfel, Pflaumen, Kartoffeln. Bei den Kartoffel muss ich kämpfen, ein Opa griff genau über meinem Kopf ins Regal. Er hatte ein Polyesterhemd an.
Nachdem ich nun alles mit einem großen Schein bezahlt habe, ( Ich zahle nicht gern mit großen Scheinen, da wirkt man schnell neureich. Es kommt allerdings nicht oft vor. Zum Glück ) trete ich hinaus und begebe mich auf den Rückweg, vorbei an kleinen Straßencafe´s und rauchenden Neureichen. Ich hoffe keiner sieht mir auf die Schuhe.
Zuhause werfe ich alle Zutaten auf den Küchentisch. Ich wasche das Huhn und muss dabei an eine der Sendungen denken, die kurz vor der Prime Time laufen. Bakterien im Schwamm und auf meinem Holzbrett. Ich beschließe, beides nach dem Kochen mal mit heißem Wasser zu übergießen.
Beim Schneiden muss ich an diese Dauerwerbesendungen denken, in denen sie Blechdosen mit dem Messer durchschneiden. Ob ich das mal probieren soll? Bei sechzig Euro für ein Messer müssten die das eigentlich durchhalten. Entscheide mich aus pazifistischen Gründen dagegen.
So, alles fertig alles in den Ofen, Ofen an und rausgehen. Nach fünfundvierzig Minuten komme ich wieder. Das Huhn ist fertig. Ich serviere das ganze in einem tiefen Teller und beobachte den Hund beim sabbern.
Ich hatte gehofft an diesem Tag am Esstisch zu essen, die Hoffnung zerschellt jedoch beim Betreten des Wohnzimmers. Der Typ hat sich bereits am Fernsehtisch niedergelassen und die Kiste angeworfen. Mittag bei Uns. Ich verspeise hochachtungsvoll mein Hühnerbein und versichere mich in regelmäßigen Abstände, ob es ihm denn nun schmeckt. Er sagt ja, ich denke er lügt nicht. Nächstes mal gehen wir wohl wieder zum Vietnamesen.

so macht man das

Dienstag der 4. Oktober 2011 wird von nun an als der Tag meines Beitrittes in die Welt der Erwachsenen, in zahlreichen posthum veröffentlichten Artikeln, Büchern, wissenschaftlichen Abhandlungen und so weiter, Erwähnung finden.
Nicht nur, dass ich nach 3 Gläsern Rotwein die folgenden 2 Tage ausserstande bin, mich normal zu artikulieren, sondern auch die Tatsache nun zum Kreise derer zu gehören, die Schadensersatzforderungen in Raten bezahlen, macht mich zu einem wertvollen Teil der so genannten „mündigen end-twens“…

So stehe ich in der Sparkasse an der Ecke.

Stolz und vorurteilsfrei fülle ich die Felder „Kontoinhaber“ und „Kreditinstitut“  mit einer möglichst unleserlichen Schrift aus wobei ich den Hinweis „IN DRUCKBUCHSTABEN“ weitestgehend ignoriere.
Kurz geknickt und dann ab in den Schlitz in der Wand, das dauert länger als am Automaten.

Wie immer bin ich froh, dass ich den ersten Schritt in Richtung „ankommen im richtigen Leben“ hinter mich gebracht habe.

Der Freitag Abend vor´m Fernseher

Heute entschied ich mich, nach einem ausgedehnten Mutter- Tochter Tag in 7 Zentimeter Absätzen, dann doch für den Abend vor dem Fernseher daheim.

Zu Beginn mäanderte ich noch voller Hoffnung durchs Programm und fand mich bald in einer „Sechzigerjahre“ Dokumentation über das alltägliche Leben der Bevölkerung und deren witzige Schattenseiten wieder.

So wurden in den „Sechzigerjahren“ Großraumbüros mit Ecken ausgestattet, welche einen kleinen runden Spiegel und eine Ablage unterhalb des kleinen runden Spiegels beinhalteten. Diese sollten den jungen Damen im Büro die Möglichkeit geben, sich bei renovierungsbedürftiger Gesichtsbemalung kurz zurückzuziehen. Dies geschah wohl mit der Absicht, das Antlitz danach in neuem Glanze zu präsentieren. Das sie eine Auffrischung nötig hatte, erkannte die Frau an den abschätzigen Blicken der Männer.Ein Mann in der Dokumentation betonte noch, dass die Frauen vorwiegend aus ästhetischen Gründen geduldet wurden.

Nach zwanzig Minuten war dann aber auch diese Sendung vorbei und ich drückte mehrfach auf das kleine Plus bei „Pr“ und dann noch ein paar mal das Minus.

Ein großer Sender der hauptsächlich seichte Unterhaltung bot, lieferte mir ausreichend Schmalziges.
Ein kleiner Punk trat hinter dem gelben Stern an der Rückwand der Bühne hervor. Er hatte wohl schon einiges erlebt und so wurden zur Untermalung seiner prekären Lage einige Szenen eingeblendet, welche ihn in dreckigen Ecken irgendwelcher Parks zeigten.
Er erzählte von seinem Leben auf der Straße und von einem missglückten Selbstmordversuch. Seine großen braunen Augen wirkten wenig drogengeschädigt und auch die Haare sahen merkwürdig gut gefärbt aus. Er erwähnte seine „Mama“ und dass er sie über alles lieben würde. So weit, so gut.

Das Publikum zeigte sich skeptisch und betrachtete den vermeintlich Arbeitslosen aus zusammengekniffenen Augenschlitzen. Da wurde das gesamte Spektrum des deutschen Proletenadels eingeblendet. Von Badelatschenmannie über Friseurgabi bis zur kleinen Pressilla-Schantall.

Nachdem  nun eines der Jurymitglieder eins, zwei überflüssig abschätzige Fragen gestellt hatte, die ohne Widerspruch beantwortet wurden, durfte der kleine Punk aus der Schweiz loslegen. Ein Stück am Klavier, selbst komponiert.
Das Stück war kaum beendet, da standen schon die ersten wild klatschenden deutschen Bürger in ihren Rängen.

Standing ovations sollten eigentlich nicht so inflationär eingesetzt werden, wie diese Sendung es vermittelt, dachte ich mir und drückte drei mal auf Plus.

Ein Sondereinsatzkommando stürmt ein Einfamilienhaus, Werbung, schlechte Komiker stehen auf Bühnen und berichten vom letzen Arztbesuch.

Das war auch der Zeitpunkt an dem ich mir dachte: „Du solltest mal wieder was kreatives machen!“.