Ehrlichkeit

Ich musste heute darüber nachdenken, wieviel Sinn der Satz „Ich will mal ganz ehrlich sein.“ für mich ergibt. Und ich glaube, dass „Keinen.“ die Antwort ist. Klar fällt es einem immer viel leichter, Dinge zu verreißen und es ist auch um Längen spektakulärer. Häufig ist auch so viel lustiger, zu lesen, was jemand ausgesprochen scheiße findet, aber auf Dauer macht man sich damit nicht nur keine Freunde, man verliert wahrscheinlich auch ein wenig den Blick für die angenehmen Kleinigkeiten. Vielleicht wird man mit dem Alter ja einfach etwas milder. Vielleicht war ich mir der Unfairness meiner harschen Ausbrüche aber auch schon immer ein Stück weit bewusst (unbewusst zumindest…). Für mich jedenfalls kann (oder besser: sollte) es künftig nur noch heißen:

Ich will mal teilweise ehrlich sein.

Wenn ich das nicht schon immer war. In dem Fall sollte ich wohl ausgewogener werden. Was man dann schon fast wieder als eine größere Ehrlichkeit verstehen kann. Egal, wie es kommt, eines scheint sicher: Es bleibt kompliziert. Oder wie es Pfleger Robert beim Zivildienst auszudrücken pflegte: Es ist ein hartes Leben.