„Nackt Luft Anhalten“

Wo ich schon mal dabei bin, auf Artikel zu verweisen, die ich irgendwie für lesenswert halte, kann ich ja noch „Nackt Luft Anhalten“ aus dem Feuilleton der Berliner Zeitung vom 01./02. August 2009 nachschicken.

Auch kürzlich noch wurde ich komisch dafür angeschaut, dass ich weiß, dass sich Cheyenne des nächtens im DSF auszieht, wenn man ihr eine Automarke mit A oder eine Stadt nennen kann, die mit dem gleichen Buchstaben schließt, mit dem sie auch beginnt. (Eine tatsächlich schwierige Aufgabe, die gern in den Kommentaren weiterführend gelöst werden darf. DORTMUND ist schon weg!)

Doch dass sich auch die Berliner Zeitung diesem Fernsehangebot widmet lässt mich besser fühlen, zumal es mir neu war, dass es auf diesem Sender auch Frauen gibt, die wenig bekleidet den Kopf in ein Aquarium halten, um sich dem sportlichen Wettkampf des Luft-anhaltens hinzugeben. Das bleibt mir zwar ähnlich zugänglich wie einst die mit ihrem Auto im Matsch steckengebliebenen Damen in Highheels, aber solange sich jemand findet, dem das Freude bereitet bin ich dafür.

Es kann in diesem Zusammenhang ja auch kein Zustand sein, dass man auch am Ende des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert ein schlechtes Gewissen wegen seiner Vorlieben oder der wenig schockierenden Tatsache haben muss, dass man gelegentlich masturbiert. Man vergleiche hierzu Stephen Frys Rede anläßlich des iTunes Live Festivals in London, die sich zwar vornehmlich mit anderen Themen beschäftigt, aber auch für dieses Thema einen kurzen Part bereit hält und vor allem denke man an Woody Allens weise Worte: „Sag nichts gegen Masturbation. Das ist Sex mit jemandem, den ich liebe!“

Vicky Cristina Barcelona

Gestern Abend haben wir uns Vicky Cristina Barcelona, den neuen Woody Allen-Film, angesehen. Ein ganz schöner Film, vor allem wenn man den eher unterirdischen Cassandras Dream noch im Hinterkopf hat. Das einzige Manko, das ich allerdings sehe, ist der Off-Erzähler, der an vielen Stellen genau die Dinge erzählt, die man auf der Leinwand gerade sieht und nur selten dazu beiträgt, dass ein paar Leerstellen in der Handlung gefüllt werden. Oder wie Marie meinte: Er nimmt einem jegliches eigenständiges Denken ab.
Ich könnte jetzt anfangen, dieses Phänomen Off-Stimme auf furchtbar gezwungene Art und Weise mit meinem neu erworbenen Wissen über den Japanischen Film und die Rolle des Benshi-Erzählers zu verbinden, aber das würde wohl eher sehr ins Langweilige abrutschen. Eine Filmkritik braucht hier sicher auch keiner und schon gar nicht von jemandem, der in Sachen Woody Allen vielleicht nicht der Unvoreingenommenste ist. Deshalb kann ich ja einfach mal ein kurzes Erlebnis aus dem Umfeld Kinoabend vorbringen, das mir in der Form in Deutschland noch nicht begegnet ist und das ich deshalb in die Reihe meiner Klischées und Stereotypen von Stockholm/Schweden einreihen werde.

Nach der obligatorischen Filmwerbung und Werbung für Marabou Schokolade ging der Vorhang noch einmal herunter und das Saallicht wurde aufgedreht und in eine der vorderen Reihen trat der gute Mann, der zuvor, gekleidet in Anzughose, Hemd und Weste, unsere Karten abgerissen hatte und uns noch einmal unsere auf der Karte abgedruckte Sitzreihe wiederholte. Und dann führte er ein wenig Märchenstunde gepaart mit dem basalen Kino 1×1 im Stile von Stadtrundfahrten und FlugbegleiterInnenprästarteinweisungen vor. Und das ging dann ungefähr so:

Guten Abend liebe Filmfreunde und Woody Allen-Freunde,
in Kürze begeben wir uns auf eine Reise zu Liebe, Leidenschaft und Kunst nach Barcelona. Die Reise wird ca. 1 Stunde und 37 Minuten dauern. Sollten Sie zwischendurch das Verlangen verspüren, sich zu erleichtern, die Toiletten sind links und rechts, direkt dort vor den Türen, durch die sie in den Saal gekommen sind. Sie sind herzlich eingeladen, uns zu helfen, den Raum sauber zu halten und Ihren Müll selbst wegzuwerfen. Ebenfalls neben den Türen haben wir dafür extra große Müllsäcke deponiert und das wäre eine große Hilfe, da wir im Anschluß gleich einen weiteren Film zeigen werden. Vielen Dank und jetzt viel Spaß in Barcelona und mit dem Film.

Wer das auch mal erleben mag, der muss sein Glück einfach mal im Kino Saga in der Kungsgatan 24 versuchen. Oder, was soll’s, einfach in jedem Kino in Schweden, die machen das hier überall so!