Vicky Cristina Barcelona

Gestern Abend haben wir uns Vicky Cristina Barcelona, den neuen Woody Allen-Film, angesehen. Ein ganz schöner Film, vor allem wenn man den eher unterirdischen Cassandras Dream noch im Hinterkopf hat. Das einzige Manko, das ich allerdings sehe, ist der Off-Erzähler, der an vielen Stellen genau die Dinge erzählt, die man auf der Leinwand gerade sieht und nur selten dazu beiträgt, dass ein paar Leerstellen in der Handlung gefüllt werden. Oder wie Marie meinte: Er nimmt einem jegliches eigenständiges Denken ab.
Ich könnte jetzt anfangen, dieses Phänomen Off-Stimme auf furchtbar gezwungene Art und Weise mit meinem neu erworbenen Wissen über den Japanischen Film und die Rolle des Benshi-Erzählers zu verbinden, aber das würde wohl eher sehr ins Langweilige abrutschen. Eine Filmkritik braucht hier sicher auch keiner und schon gar nicht von jemandem, der in Sachen Woody Allen vielleicht nicht der Unvoreingenommenste ist. Deshalb kann ich ja einfach mal ein kurzes Erlebnis aus dem Umfeld Kinoabend vorbringen, das mir in der Form in Deutschland noch nicht begegnet ist und das ich deshalb in die Reihe meiner Klischées und Stereotypen von Stockholm/Schweden einreihen werde.

Nach der obligatorischen Filmwerbung und Werbung für Marabou Schokolade ging der Vorhang noch einmal herunter und das Saallicht wurde aufgedreht und in eine der vorderen Reihen trat der gute Mann, der zuvor, gekleidet in Anzughose, Hemd und Weste, unsere Karten abgerissen hatte und uns noch einmal unsere auf der Karte abgedruckte Sitzreihe wiederholte. Und dann führte er ein wenig Märchenstunde gepaart mit dem basalen Kino 1×1 im Stile von Stadtrundfahrten und FlugbegleiterInnenprästarteinweisungen vor. Und das ging dann ungefähr so:

Guten Abend liebe Filmfreunde und Woody Allen-Freunde,
in Kürze begeben wir uns auf eine Reise zu Liebe, Leidenschaft und Kunst nach Barcelona. Die Reise wird ca. 1 Stunde und 37 Minuten dauern. Sollten Sie zwischendurch das Verlangen verspüren, sich zu erleichtern, die Toiletten sind links und rechts, direkt dort vor den Türen, durch die sie in den Saal gekommen sind. Sie sind herzlich eingeladen, uns zu helfen, den Raum sauber zu halten und Ihren Müll selbst wegzuwerfen. Ebenfalls neben den Türen haben wir dafür extra große Müllsäcke deponiert und das wäre eine große Hilfe, da wir im Anschluß gleich einen weiteren Film zeigen werden. Vielen Dank und jetzt viel Spaß in Barcelona und mit dem Film.

Wer das auch mal erleben mag, der muss sein Glück einfach mal im Kino Saga in der Kungsgatan 24 versuchen. Oder, was soll’s, einfach in jedem Kino in Schweden, die machen das hier überall so!

Nicht schon wieder!

Es gibt sie noch, richtig gute Werbung, die einen auch einmal herzhaft auflachen lässt.
So wie die folgende, die eine uns allen nur allzu bekannte Situation wiedergibt: Man sitzt im Kino und die Blase drückt, man denkt: „Nicht schon wieder!“. Doch da scheint es jetzt Abhilfe zu geben. Und wem das noch nicht genügt, der kann sich ja auch mal die alliterativ hochwertige Broschüre Ratgeber Reizblase zusenden lassen.

Reizblase

Sneak Preview: Fleisch ist mein Gemüse

Es gibt Neues aus dem Kino. Leider nichts Gutes. Der Mann, der bei Grissemann und Stermann im Auto saß und den größten Fremdschämfaktor dargestellt hat, hat jetzt seinen gleichnamigen Bestseller (wie das passieren konnte ist mir auch ein Rätsel, muss wohl der gute Titel sein) verfilmen lassen (mir fällt auf, er hätte es auch „Fremdschämfaktor“ nennen können).
Ich gebe Befangenheit zu, ich hatte nämlich im Vorfeld keine Lust diesen Film zu sehen, wußte da aber noch nicht warum. Das Beste, was man wohl über „Fleisch ist mein Gemüse“ sagen kann ist, dass Katja Riemann nicht mitgespielt hat. Ansonsten vereint dieses Werk sehr viele unangenehme Momente, platten Witz und falsche Dramen. Auch meine positive Einstellung den nordischen Dialekten gegenüber konnte da nicht viel rausreißen und der Schluß war ja, ja, was war der eigentlich? Vielleicht kam der einfach fünf Minuten zu spät und zu konstruiert, auch wenn er ja die Konstruiertheit offenlegen wollte.

Wie dem auch sei, ich kann nur hoffen, dass das Buch besser war und empfehle jedem, der eben jenes mochte, nicht ins Kino zu gehen, das kann nur zu bitterer Enttäuschung führen. 1 von 5 BE, weil es sicher immer noch schlechter geht und ich vielleicht dreimal Lachen musste.