Da ist kein Tiger in mir

Design ist ja eigentlich immer eine wichtige und spannende Angelegenheit. Dabei auf gewisse Sachen zu achten kann Spaß machen, nur darüber zu schreiben ist vielleicht ein wenig schwer, wenn es einem an dem nötigen Vokabular durch fehlende Fachausbildung mangelt. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so und man kann das Ganze dadurch mehr von der Verbraucherseite sehen. Vielleicht rede ich mir das gerade aber auch einfach nur schön, weil ich gern über ein größeres Wissen verfügen würde und jetzt zusehen muss, wie ich mit dem wenigen, das ich habe, etwas Sinnvolles anstellen kann.

Ich dachte mir, zu sagen „Design ist ja eigentlich immer eine wichtige und spannende Angelegenheit“ wäre beinahe schon eine so gute Feststellung, dass man damit den ganzen Beitrag auch schon wieder enden lassen könnte (früher haben wir das immer Killerphrase genannt). Das ist es aber wahrscheinlich eher doch nicht. Und eigentlich geht es mir auch mehr darum, dass Design häufig Kaufentscheidungen und dergleichen beeinflussen kann. Was meine Cornflakes angeht, muss ich ganz entschieden darauf hinweisen, dass mir beim Kauf vermutlich eher der Jämförpris, also der Vergleichspreis, als die Gestaltung zum Kauf verholfen hat. Ehrlich gesagt hatte ich darauf überhaupt nicht weiter geachtet, ich hielt den Karton einfach nur für ganz nett in seiner zurückgenommenen Art.

Doch wie es manchmal so kommt, sitzt man beim Frühstück da, schweigt sich intensiv mit der Geliebten an (Stichwort: ohne Worte verstehen). Und dann lässt man den Blick ein wenig schweifen. Und so kam es, dass mir auffiel, dass vom Gestalterischen her der Griff zu dieser Chokoflakespackung mehr einem ins Klo gleichkam. Zurückgenommen ist das Design sicherlich, aber ein wenig zurückgeblieben muss man dann auch sein, um das, was einem die Packung da vorgaukeln will für voll zu nehmen. Aber der Reihe nach.

Zum einen funktioniert eine Produktbewerbung, zumindest will mir das so scheinen, heutzutage eigentlich nicht mehr ohne Schlagschatten und so schwebt diese Schüssel doch sehr über das Paket anstatt die nötige Bodenhaftung zu zeigen. Doch damit nicht genug geschwoben. Auch die Flakes selbst schweben über der Milch, liegen seltsam auf, oder nehmen ein eigenartiges Photoshop-Milchbad. Man achte hierbei besonders auf die Flakes am linken Schalenrand und die „Milch“, die plötzlich einfach aufhört richtig weiß zu sein und eine Stufe höher zu stehen scheint als ihre Schwestermilch ein Stück weiter oben auf der Packung.

Ähnlich katastrophal sehen dann auch die Bananenscheiben aus, die eher angemalte Holzscheibchen zu sein scheinen. Völlig fern ab von der sprichwörtlich krummen Banane oder einer Scheibe, die von Menschenhand geschnitten sein mag. Sicherlich ist es möglich, eine Banane morgens in die Salami- und Brotschneidemaschine einzuspannen, um eben- und gleichmässige Scheiben zu bekommen, aber das macht doch nun wirklich nur der, der auch seine m&m’s nach Farben sortiert.

Was soll das alles nun bedeuten? Was können wir aus diesem kleinen Ausflug in der Welt der Verpackungskünstler lernen? Keine Ahnung. Eventuell wäre es einfach mal spannend, Christo und Jeanne-Claude das Müsli in Stoffbahnen schlagen zu lassen. Vielleicht folgen wir aber auch einfach der postmodernen Denkweise und sagen, am Ende aller großen Erzählungen gibt es auch keine großen Blogeinträge mehr. Vielleicht sollte man aber auch einfach kein Müsli mehr von Firmen kaufen, die sich keinen vernünftigen Produktfotografen/-gestalter leisten können. Als Kontrollgruppe folgen hier noch zwei Packungen, bei denen sich ein wenig mehr Mühe gegeben wurde (obwohl in meiner Erinnerung nur ein Produkt es wirklich verdient hat, sich „Start“ zu nennen).

Veröffentlicht von

konrad.

Eighty percent of success is showing up.

3 Gedanken zu „Da ist kein Tiger in mir“

  1. schöner bericht und ich gebe dir recht, die schweden scheinen eher auf puristische gestaltung zu stehen, was mir sehr gefällt. deshalb vom ansatz schön, umsetzung zweite reihe. ran an rechner und neu machen!

    aber die wichtigste frage ist doch, hat es geschmeckt?

    ps: die beiden anderen müslis sind nu aber auch nich der knaller oder?

  2. Um die wichtigste Frage mal zu beantworten: Jein. Das war okay, aber irgendwie sehr schokoladig und für meinen Geschmack nicht so süß, wie man sich das von solchen Cornflakes erwartet. Also auch in der Hinsicht eher keine Empfehlung.
    Die anderen beiden Packungen gelten ja nur als Kontrollgruppe und auch wenn dich das Design vielleicht nicht überzeugt, so ist es doch handwerklich zumindest gut umgesetzt, finde ich.

  3. da hat der autor doch tatsächlich vergessen zu erwähnen, dass frau und nicht man den blick hat schweifen lassen und zu schier endlosen detailbetrachtungen eingeladen hat.. tsst, was soll frau dazu sagen.

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