Tag 1 – New York – Kate, oder: Wie man die Zeichen richtig deutet

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alternativer Titel dieses Eintrags: Acht Bier machen dich auch nicht schöner

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Am Samstag, den 13.02.2010 ging es los in die USA, genauer nach New York. Da wir vergessen hatten, ihm Bescheid zu geben, dass wir einen Bus früher nehmen wollen, haben wir Frank, der an diesem Tag nach New Orleans zum Fest der Blumenketten und nackten Busen fliegen wollte, erst am Flughafen getroffen. Dafür haben wir ihn dort umso herzlicher in unsere Arme geschlossen.

Mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung ging es um kurz nach 13 Uhr dann vom Flughafen Tegel auf zum JFK und hindurch durch zwei schleppende Phasen an Bord, der ersten direkt nach dem Abheben und einer zweiten während des Filmprogramms. Dieses bestand aus »Whip It«, »The Informant«, »Four Christmasses« und »Last Chance Harvey«, die allesamt dabei halfen, die Flugzeit als äussert kurz zu empfinden. Eine besondere Erwähnung sollte aber »The Informant« erhalten, der nicht nur in einer Phase uns plötzlich und eiskalt übermannender Müdigkeit ausgestrahlt wurde, sondern auch noch wesentlich enttäuschender war, als ich das im Vorfeld angenommen hatte. Es sei denn, einem sind zwischendrin die Augen nicht nur zugefallen, sondern man ist richtiggehend für eine Weile eingeschlafen, dann, aber nur dann konnte es passieren, dass man, wie Armin, den Film als eigentlich ganz gut empfinden konnte.

Besondere Hochachtung auf dem Hinflug hat der junge Mann aus dem Berliner Randgebiet verdient, der für mindestens acht Biere (das sind jetzt nur die, die wir auch mitbekommen haben) nur fünf mal aufs Klo musste und dann die Komafotografie mit Blitzlichteinsatz wie eine Eins und ohne mit der Wimper zu zucken überstand. Der Kerl hat wirklich sein Bestes gegeben, das meiste aus dem Flugpreis wieder rauszuholen – Chapeau! Abzüge gab es für seine weibliche Begleitung, da sie a. ohne Taschentücher die Reise angetreten hatte und b. dann die Frechheit besaß, sich darüber zu amüsieren, dass die Taschentücher, die ich ihr zur Rettung gereicht hatte vom Netto sind. Eine Szene deren Skandalträchtigkeit nur noch davon übertrumpft wurde, dass sie in einem dieser seltsamen Hub- und Fahrverließe stattfand, die, Zitat Armin, »von innen aussehen wie eine Original-Außenszene bei „Eine schrecklich nette Familie“, inklusive Wandflokati.«

Trotz des verspäteten Abflugs waren wir dann bereits eine halbe Stunde früher als geplant in New York, was sich durch die Einreisekontrollen etwas egalisierte, aber insgesamt waren diese doch laxer, als einem im Vorfeld in Aussicht gestellt wurde.

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Wir hatten davon gehört, dass man, um vom Flughafen wegzukommen, den AirTrain nehmen sollte, zumindest dann, wenn man keine 50$ für ein Taxi berappen wollte. Und so stellten wir uns, wie sich das für dumme Deutsche gehört, brav direkt in die nächste Schlange getreten. Zum AirTrain ging es aber woanders lang, was uns zum Glück halbwegs schnell aufging und so rollerten wir mit den Koffern los. Über Stock und über Stein, in den Fahrstuhl, die Rolltreppe hoch, woanders wieder runter, um die Ecke und dann doch irgendwann in einen Wagen, der uns bis zur Jamaica-Station brachte.

Dort angekommen gaben wir der letztlich recht freundlichen Schrankendame allen Grund, uns auszulachen, denn nicht nur waren wir zum dumm, 2$ mit der Supersonderwochenendextrazeitkarte zu sparen. Nein, um den AirTrain zu verlassen musste man diese Karte auch noch in einen dafür vorgesehenen Schlitz einführen, damit sich eine Schranke öffnet und wir hatten doch tatsächlich alle vier Varianten des Reinsteckens gebraucht, um diese Falle zu verlassen.

Danach stand dann aber nur noch eine kurze Fahrt mit der Long Island Rail Road (LIRR) vor uns, gefolgt von ein paar Metern zu Fuß von der Penn Station bis zum Hotel.

Im »Chelsea Star Hotel« verhinderten dann höhere Gewalten, dass wir unser Doppelzimmer beziehen konnten, aber für einen 100$ Discount und das Versprechen, dort allein untergebracht zu sein, würden wir die ersten beiden Nächte auch in einem 6-Mann-Zimmer verbringen. Bedenkt man den sogenannten »Rimini-Vorfall«, bei dem wir – mehr Teil einer Kinderlandverschickung als eines Jugendurlaubs – unsere Zeit ab 22 Uhr in einem Zimmer mit 12 anderen, eher dubios gesinnten Menschen auf Feldbetten zubrachten, ein tatsächlicher Fortschritt in unserer Urlaubskarriere.

Wer einen kostengünstigen, gut gelegenen Platz zum Schlafen braucht und sonst die Ansprüche eher zurückzuschrauebn weiß, der ist im Chelsea Star Hotel richtig. Das Wasser in den Leitung wurde zwar nur langsam warm, das WLAN war alles andere als zuverlässig und der Bau etwas hellhörig. Auf der anderen Seite ist das aber eben eher ein Hostel denn ein Hotel gewesen und wer nach New York reist, der will ja den Straßenlärm!

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Nach dem Einchecken ging es für uns zur allgemeinen Orientierung noch eine große Runde um den Block und dabei konnten wir feststellen, dass die Entfernungen zwischen den Streets eher gering, zwischen den Avenues dafür aber umso größer sind. Trotz allem hatten wir uns von 30. Straße noch bis zum Times Square hochgekämpft und standen dann dort in den flackernden Lichtern und irgendwann auch vor einer Wand aus Schokodropsen im M&Ms Store.

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Über die 8th Ave. ging es dann zurück, vorbei am Haus der New York Times und dem Busbahnhof hin zu unseren Gefilden nahe Madison Square Garden und Central Post Office. Unser Abendessen bei Brother Jimmy’s – Bacon Burger und süße Fritten (wobei die Fritten keine Empfehlung sind) – stellte uns Kate nach nichtssagenden »higuyshowudoin-fine-great-thanks-aight« auf den Tisch und unser nonchalantes Gestammel schien sie so sehr berührt zu haben, dass sie uns ein Herz auf die Rechung malte. Man muss keine 6 Semester Amerikanistik studiert haben, um zu sehen, dass sie ganz offensichtlich über die Maßen »into us« war, wie man so sagt und da wäre wohl mehr als einiges gegangen. Aber wir waren müde und sie wirkte auch nicht so, als würde sie die süßen Fritten allzu schnell Fritten sein lassen können, um ein leichtes Bier auf den Stufen der Post mit uns zu trinken…Und überhaupt, einst sagte ein kluger Kopf: Das Leben ist zu kurz für amerikanisches Bier.

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Nachdem wir in den heiligen Vorhallen des Madison Square Garden gewesen und die Knicks-Ticket für sehr teuer befunden hatten sind wir dann noch zum Flat Iron Bldg. gegangen, um ein Postkartenmotiv zu faken und mit der Erkenntnis, dass man trotz ausgesprochener Preislichkeit zu einem Basketballspiel gehen sollte, wenn sich einem diese einmalige Chance bietet, fielen wir ins Bett. Um 10 Uhr abends, fertig mit der Welt und der schlimmen Vorahnung, dass das Hohe Alter der eigenen Eltern in gar nicht mehr allzu ferner Weite ist.

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Bereits um 4 Uhr morgens war ich dann wieder wach. Armin zerlegte gerade in der Kategorie Einzelsägen der Herren mit vollem Einsatz sein Etagenbett. Und mir kam die dunkle Erinnerung, dass ich dies beim Einschlafen, vermutlich gepaart mit unglaublicher Müdigkeit und der Zauberkraft der blauen Ohropax, irrtümlich für geschlechtsverkehrsbedingtes Aufstöhnen von einer Etage unter uns gehalten hatte.

Veröffentlicht von konrad.

Eighty percent of success is showing up.

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1 Kommentar

  1. armin ist ein lumberjacker… sehr gut! melden wir ihn für die stihl timbersports serie an…

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