Tag 2 – New York – Listen to your feet

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alternativer Titel dieses Eintrags: Sie sind ein Arschloch, Sir!

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Retrospektiv betrachtet war Sonntag der Tag, an dem wir uns den größten Schaden zugefügt haben, da wir uns einfach übernommen hatten. Allen nach uns Reisenden sei empfohlen, lieber anfangs eine Nummer ruhiger zu fahren, um an den anderen Tagen schmerzfrei herumtollen zu können. Die ganze Stadt, oder auch nur ganz Manhattan, kann man in einer Woche sowieso nicht sehen, also muss man auch nicht auf Zwang losrennen…

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Durch unser frühes zu Bett gehen, und vermutlich weil wir aufgeregt waren wie kleine Schulmädchen, waren wir bereits kurz vor sechs Uhr in der Frühe einsatzbereit und haben uns dann dafür entschieden, mit der U-Bahn zur Staten Island Ferry, und mit dieser mal eben hin und zurück zu fahren. (Kann man nur jedem empfehlen und kostet auch nix!) Auf Staten, wie wir sagen, angekommen hieß es lediglich kurz anschlagen, durch das Terminal flitzen und an einem anderen Ausgang die nächste Fähre zurück nehmen. Selbst der uns freundlicherweise von Steffen überlassene ADAC-Reiseführer wusste nicht sonderlich viel atemberaubendes über die Insel zu berichten und so konnten wir sie ohne schlechtes Gewissen links liegen lassen. Wie sich das also für zwei Kerle gehört, die sich seit fast 15 Jahren kennen und zufälligerweise am Valentinstag in New York sind, fuhren wir im Sonnenaufgang auf die Skyline von Manhattan zu und schlossen uns dabei fest in die Arme (eigentlich hatte jeder die Hände bei sich und auch den Rest der Reise über immer über der Bettdecke, aber es geht ja darum, schöne Bilder zu erzeugen).

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Wieder in Downtown angekommen konnten wir uns halbwegs unbeobachtet durch den Financial District bewegen, ein kleines Frühstück bei Starbucks einlegen (und große Pläne für exklusive Fotoshootings schmieden). Die Endzeitfilmstimmung mit dampfenden Gullis, bepinkelten Hydranten ohne Hunde weit und breit und menschenleeren Straßen wurde erst an der Wall St./Nassau St., also im Umkreis des NYSE durch eine Horde von (Zombie-)Japanern aufgebrochen, die Armin aber heldenhaft abwehren konnte, indem er sie mit ihren eigenen Waffen schlug und ihre Seelen auf Fotofilm bannte.

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Vorbei an der Trinity Church, an der Philipp auf Grund ihrer völligen (naja, zumindest gefühlten) Deplatziertheit vermutlich seine wahre Freude gehabt hätte, ging es zum Ground Zero. Inzwischen nur noch ein ehemaliger Häuserblock umhüllt von meterhohen Bauzäunen und mit einem stark gegen null konvergierenden Informationsgehalt.

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Also hieß es wieder einmal Hände in Füße nehmen und auf dem Hintern vorwärtsrobben, oder wie es Dendemann auszudrücken pflegt: Wir können nicht stehen bleiben als größte Fans des Fortschritts. Am City Hall Park ging es vorbei, hinauf auf die Brooklyn Bridge und einmal die komplette Länge bis nach Brooklyn, wo uns schlagartig unser Mut verließ. Deshalb ging es für uns nur manhattannah weiter bis zur Manhattan Bridge, durch die Parkanlagen, die einem das Klischeepostkartenpanorama eröffnen, das sich oben bewiesen findet.
Vermutlich einer der am häufigsten gelesenen famous last tweets aus Brooklyn kam uns in den Sinn: »Wir gehen jetzt mal in eine Seitenstraße…« Spoiler-Alarm: Es ging sich gut für uns aus. Nachdem wir uns mit einem weiteren Kaffee betankt hatten sind wir in die J-Line gehüpft und zum East Broadway gefahren, zwei Brückenlängen sind wirklich nur was für die ganz Ausgeflippten.

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In Chinatown haben wir dann ein wenig das Chinesische Neujahrsfest mitgefeiert, das allerdings nicht halb so pompös war, wie ich mir das bei einer so großen Community in New York ausgemalt hätte.
Als Fanboys konnten wir natürlich in SoHo nicht am Apple Store vorbei, außerdem bestand dort die Möglichkeit, Kontakt mit der Heimat aufzunehmen. Eigentlich eine Unsitte und vor einigen Jahren so ja noch gar nicht möglich, aber wenn man in New York ist, dann muss man das dem ein oder anderen schon mal unter die Nase reiben, sonst lohnt sich das ja auch nicht. Nach großem Hin und Her und Vor und Zurück (zu unserer Orientierungs- und Entscheidungsschwäche bei anderer Gelgenheit mal mehr…) fanden wir im East Village einen wunderbaren kleinen Falafelladen (»Tahini« in der 3rd Ave./St. Marks (8th St.)), der Armin sogar vom Haloumi weg zum Falafel bewegen konnte. Nachhaltlich, wie er mir kürzlich gestand.
Durch die Lower East Side und ein wenig über die Hauptstraßen am East River ging es weiter, bis wir von vermeintlichen Sozialbauten, Umspannwerken und Schnellstraßen die Nase voll hatten und mit dem Bus bis zur 33rd St. hochfuhren, um auch dort ein wenig ziellos umherzulaufen und die Großstadt zu genießen.

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Fanboytastisch ging es dann weiter in den Apple Flagship Store an der 5th Ave., direkt am südlichen Ende des Central Parks, doch auch hier gab es für uns nichts zu holen. Was man als Optimist jetzt auch als wunschlos glücklich deuten kann…
Vor dem Central Park schimpften ein paar aufgebrachte Demonstranten über die Pferdekutschenfahrer. Credo der ganzen Aktion: Pferde sind auch nur Menschen. Einzig bemerkenswert blieb der Ausspruch einer jungen Dame, die einem Kutscher ein freundliches »Sie sind ein Arschloch, Sir!« mit auf den Weg gab.

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Bevor wir uns vollkommen zerstört vom Tag ein wenig zum Ausruhen und für den Verzehr unserer Dr. Peppers und Hershey’s Schokoladen (mit beidem kann man nichts falsch machen) auf unser Zimmer zurückzogen sind wir noch ein wenig durch den Central Park und bis hin zu den Strawberry Fields geflitzt (vermutlich zu dem Zeitpunkt eher schon gehumpelt). Naturgemäß blühte dort Mitte Februar noch nicht allzu viel, aber ein paar Menschen waren zugegen und hatten Erdbeeren dabei…

Den Abend wollten wir mit Burger, Bacon, Fritten und einer Coke in der Sports Bar in der 31st St. ausklingen lassen, schließlich war an dem Abend das All Star Game. Leider war der Laden nicht so toll. Das Essen war okay, nur die Bedienung sehr unfreundlich, was, wie wir erst später feststellten, daran lag, dass sie eigentlich schon längst hatten schließen wollen, aber das kann man bei einer Sportbar an so einem wichtigen Abend eigentlich nicht erwarten. Für ein weiteres Quarter hatten wir uns noch die 7th Ave. bis zum Times Square hochgequält, um in der ESPN Zone das Spiel zu verfolgen, aber die war proppenvoll und so ging es rasch wieder zurück ins Hotel, wo wir im Selbstmitleid zerfließend unsere Wunden lecken konnten (etwas worin wir im weiteren Verlauf der Reise noch ungeahnte Expertise erlangen sollten).

Veröffentlicht von konrad.

Eighty percent of success is showing up.

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1 Kommentar

  1. „Es ging sich gut für uns aus.“ – kannte ich bisher nur von österreichern…aber toll, dass diese sendung weiter auf dem vormarsch ist!

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