„The Office“

Oh du fröhliche Studienzeit! Du bist wie die meisten anderen Zeiten im Leben im Rückblick noch ein ganzes Stück schöner als im erlebten Augenblick. Und auch wenn sich mein Studium nicht gerade dadurch ausgezeichnet hat, dass ich the time of my life hatte, ist es doch schade, dass diese Zeit der ruhigen Kugeln auf ihr Ende zugeht.

Alles was mich im Moment noch von einem Master-Titel trennt ist eine einzige Arbeit. Im Vergleich zu den Arbeiten früherer Absolventen nur lächerliche 60 Seiten lang und zu einem Thema meiner Wahl, solange ein gewisser Skandinavienbezug zu erkennen ist. Das sollte eigentlich ein Leichtes sein, möchte man meinen. Aber irgendwie scheinen da mehr als zwei Kräfte in meiner Brust zu streiten. Auch wenn ich nicht alle benennen kann.

Ich habe eine gute Weile aufgeschoben und nichts getan, prokrastiniert wie man so schön, beinahe euphemistisch, sagt. Vielleicht war das ein Versuch, das leichte Leben eines Studenten noch einmal voll auszukosten und die Studienzeit auf diese Weise künstlich zu verlängern. Doch diese Phase ist mit der Anmeldung meiner Arbeit nun endgültig vorbei und die Tatsache, dass ich jetzt eine Deadline habe sollte eigentlich einen Motivationsschub für mich mit sich bringen. Eigentlich. Aber so richtig ist auch das ausgeblieben. Einzig das schlechte Gewissen ist an den Tagen, an denen ich mich dem völligen Nichts hingebe, größer geworden.

Es bleiben mir noch gute 136 (einhundersechsunddreißig) Tage lang Zeit bevor ich die Arbeit abgeben muss. 136 Tage, das ist ein unglaublich langer Zeitraum, vor allem dann, wenn man immer wieder merkt, dass man bei Pflichtaufgaben den Abgabedruck braucht. 136 Tage, 60 Seiten, das sind schlappe 0,44 Seiten/Tag – das kann nicht gut gehen. Eine andere Herangehensweise an die Sache muss her. Entweder ich schaffe es, mein Thema nicht mehr als Pflichtübung aufzufassen oder ich muss eine Art Arbeitsalltag herstellen.

Da die erste Möglichkeit die schwierigere zu sein scheint muss der Büroalltag her. Wie aber den erschaffen, wenn man kein Büro hat? Mit einer Arbeitskabine in der Bibliothek wäre eine Möglichkeit. Und genau so eine habe ich mir heute in der Zweigbibliothek Skandinavistik reserviert – und fertig ist mein Büro-Substitut. Zumindest für den Monat Dezember. Das ist doch besinnlich.

Jetzt sitze ich hier in meinem Brutkasten Nummer 5 (und lebe, ha!) und erfreue mich der schlechtesten Isolation von der Umwelt, die in einer dieser Kabinen möglich ist, denn in meinem rechten Augenwinkel spielt sich der ganze Bibliothekstrubel ab. Und dazu fühlt es sich ein wenig wie Zoo an. Ausblick zu haben, um die Gedanken schweifen lassen zu können oder einfach nur mal nicht auf den Monitor zu schauen ist sicher nicht schlecht, doch wäre mir ein Blick, der nicht so direkt erwidert werden kann irgendwie lieber gewesen. Aber vielleicht verbessert sich die Situation ja mit einer anderen Kabine im neuen Jahr, im Moment ist das hier ja eh erstmal ein Testlauf.

So, jetzt heißt es, an die Arbeit…

Veröffentlicht von konrad.

Eighty percent of success is showing up.

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6 Kommentare

  1. da zitiere ich gerne steffi:
    „ich hab solange ein motivationsproblem, bis ich ein zeitproblem habe.“ : )

    viel erfolg.

  2. naja, wenn du auf schlaf völlig verzichtest funktioniert das GUT. ich habs ausprobiert… dann hätteste auch die nächsten 129 tage frei und könntest dein studentenleben voll geniessen. klingt verlockend, oder?

  3. ohje, lass dich bitte bloß nicht von hanni beraten! :)
    kein thema zu haben ist zweifelsohne das wirksamste gift für die produktivität. erstaunlich, dass man sich ohne thema anmelden kann bei euch – da waren die bei uns strenger. zum glück gibt’s ja ein paar mittel und wege wie man auf ein thema kommt.
    halt die ohren steif (und das wird nicht der letzte motivationszuruf sein ;)

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