{"id":362,"date":"2009-05-19T15:12:23","date_gmt":"2009-05-19T13:12:23","guid":{"rendered":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/?p=362"},"modified":"2009-05-19T15:12:23","modified_gmt":"2009-05-19T13:12:23","slug":"your-bag-is-by-the-police","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/your-bag-is-by-the-police\/","title":{"rendered":"Your bag is by the police!"},"content":{"rendered":"<p>Sonntag Abend sa\u00df ich zu Hause und erwartete die Polizei. Ein Streifenwagen sollte kommen. Vorausgegangen war eine kurze Episode, die mich mit der Frage zur\u00fcckgelassen hatte, wer denn bei solch komplizierten Vorg\u00e4ngen noch Interesse an aktiv gelebter Zivilcourage u.\u00e4. haben sollte.<\/p>\n<p>Zuvor sah es folgenderma\u00dfen aus: Ich kam nach Hause und sah bei mir im Hausdurchgang, dass dort eine Freitag-Tasche und ein blaues Holzf\u00e4llerhemd lagen. Instinktiv und wie vermutlich so manch anderer habe ich diesen Haufen erst mal liegen gelassen, h\u00e4tte ja auch sein k\u00f6nnen, dass dieser von jemandem nur kurz abgelegt wurde. Sp\u00e4ter wollte ich mich dann f\u00fcr nur ein paar Minuten, oder sagen wir eine halbe Stunde, an der Sonne auf dem Wasserturm erfreuen und ein wenig Relekt\u00fcre von Knut Hamsuns &#8222;Hunger&#8220; betreiben. Ein ziemlich gutes Buch, dass bei meinem ersten Durchgang vor einigen Jahren ein konstantes Titel-Gef\u00fchl bei mir hervorrief und irgendwie eigentlich mehr eine Empfehlung f\u00fcr einen kalten und hungrigen Winter ist. Meine Flucht aus dem Hause und in die Sonne war dabei nicht nur einem verzweifelten Versuch geschuldet, f\u00fcr den Sommer schon ein wenig vorgebr\u00e4unt zu sein, um dann nicht komplett zu verbrennen, wenn man mal den ersten Tag etwas l\u00e4nger in die kr\u00e4ftigere Sonne tritt. Auch das Fr\u00fchlingsfest <strike>der Volksmusik<\/strike> des Ayurvedischen Zentrums im Nachbarhinterhof mit Zitherspiel und Probe-Lach-Yoga-Seminar trug seinen Teil dazu bei.<\/p>\n<p>Nun ist es aber bei weitem nicht so, dass man in der \u00d6ffentlichkeit ungest\u00f6rter ist als in den eigenen vollgelachten vier W\u00e4nden. Und so dauerte es dann auch nicht lang bis zwei seltsame Gestalten am Horizont auftauchten, um mir den Sonntag ein wenig mit ihrem Gefasel zu vers\u00fc\u00dfen. Der Eine trug sein lockiges Haar per blauer Vollplasteschirmm\u00fctze an den Kopf geklatscht und dazu passend eine dieser gro\u00dfen Sonnenbrillen, w\u00e4hrend sein Kompagnon gerade frisch gek\u00fcrter Sieger der Berliner Meisterschaften im Paul Potts Look-a-like-Contest der Filmstudentenbrillentr\u00e4ger geworden zu sein schien. Und so legte der Klatschhaarige los und erz\u00e4hlte seinem im Gespr\u00e4ch auf Ja&#8217;s reduziertem Gegen\u00fcber davon, dass er und seine Band ja eigentlich keine Vertriebsdeals mehr machen wollten, da dabei ja kaum was rumk\u00e4me und sie \u00fcberhaupt dann auch eher Musik f\u00fcr die \u00e4lteren Semester machen w\u00fcrden. Die Jugendlichen gingen ja eher so zu Emo-Veranstaltungen oder auch mal Indie, aber sie w\u00fcrden ja so soliden Rock machen. Ich gehe davon aus, dass sie sich dann sicher noch auf das ein oder andere committen konnten, um deals zu machen wo sie ihre forces joinen k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p>Da haste dann die Brille auf und eh man sich&#8217;s versieht auch wieder die Schuhe an den F\u00fc\u00dfen und diese auf der Treppe, die in Richtung der einfachen Lacher f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Und um die Polizeianekdote noch zu einem Ende zu f\u00fchren: Bei erneutem Eintritt in den Hausdurchgang lag das Paket noch unver\u00e4ndert da und da kam bei mir die Frage auf, wer denn der Besitzer dieses vermutlichen H\u00e4ufchens Diebesgut sein mag und oh Wunder, es waren sogar Briefe von simyo und der Sparkasse aufgerissen dabei. Und wer tr\u00e4gt im Berliner Fr\u00fchsommer ein blaues wollenes Karoholzf\u00e4llerhemd wenn nicht ein Japaner aus der Memhardstra\u00dfe? Den vermeintlichen Polizeibeamten vor der gegen\u00fcberliegenden Synagoge \u00fcber meinen Fund informierend wurde ich mit neuem Wissen versorgt. Die gr\u00fcnen Menschen vor dem j\u00fcdischen Glaubenshaus sind keineswegs Beamte, sondern lediglich Angestellte und wenn man so einen Fund t\u00e4tigt, dann ist man verpflichtet eine gewisse Telefonnummer der Berliner Polizei anzurufen, seine Angaben zu machen und auf den n\u00e4chsten Streifenwagen zu warten. Das erschien mir dann doch wenig verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig. Zumal ich ja dachte, dem guten Menschen dort einen Gefallen zu tun, indem ich ein wenig Action in den sonst so dr\u00f6gen Alltag des Beine-in-den-Bauch-Stehens bringe. Und auch wenn er mich darauf hinwies, dass ich das jetzt aber auch durchziehen m\u00fcsse, da ich das ja gemeldet habe (bei wem eigentlich, wenn er gar kein richtiger Polizist ist?) lie\u00df ich ihn stehen und zog ab. Aber nicht, um jetzt supercool das Ende meiner gutherzigen Pioniert\u00e4tigkeiten bekannt zu geben, sondern um mir den Kopf von meinem Vater diesbez\u00fcglich waschen zu lassen und dann kleinlaut die Nummer aus dem Internet zu suchen, die mir der Angestellte vor der Synagoge schon reichen wollte, die ich ihm dann aber wieder zur\u00fcckreichte.<\/p>\n<p>Und das Ende der Geschichte: Zwanzig Minuten sp\u00e4ter standen ein Mann und eine Frau vor meiner Wohnungst\u00fcr, f\u00fcr die es wieder typisch war, dass ich ja unbedingt im dritten Stock wohnen m\u00fcsse und sie da hocheiern sollten (der gute alte Murphy!). Nach kurzem Gespr\u00e4ch fand der Eine eine Telefonnummer und reichte dann f\u00fcr die &#8222;englische&#8220; Gespr\u00e4chsf\u00fchrung mit dem Japaner (der ein \u00e4hnliches Talent f\u00fcr diese Fremdsprache aufzubringen schien) am anderen Ende des Rohres an seine Kollegin weiter. Und was dann geschah spottet jeder Beschreibung. German Police&#8217;s English Skills. Wenn man am Ende des Studiums also so gar keine Ahnung hat, was man machen soll, dann vielleicht mal an den Innensenator wenden und in einer PowerPoint-Pr\u00e4sentation darlegen, warum man durchaus Potenzial im &#8222;international conflict and problem handling\/solving&#8220; bei den Berliner Polizeibeamten sehe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag Abend sa\u00df ich zu Hause und erwartete die Polizei. Ein Streifenwagen sollte kommen. Vorausgegangen war eine kurze Episode, die mich mit der Frage zur\u00fcckgelassen hatte, wer denn bei solch komplizierten Vorg\u00e4ngen noch Interesse an aktiv gelebter Zivilcourage u.\u00e4. haben sollte. Zuvor sah es folgenderma\u00dfen aus: Ich kam nach Hause und sah bei mir im &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/your-bag-is-by-the-police\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eYour bag is by the police!\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"enabled":false},"version":2}},"categories":[5,6],"tags":[33,56,103,198],"class_list":["post-362","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-berlin","category-buch","tag-berliner-polizei","tag-english-skills","tag-lachyoga","tag-zivilcourage","entry"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p26TYT-5Q","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=362"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}