{"id":138,"date":"2007-11-26T00:31:08","date_gmt":"2007-11-25T22:31:08","guid":{"rendered":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/?p=138"},"modified":"2007-11-26T00:31:08","modified_gmt":"2007-11-25T22:31:08","slug":"herr-hashimotos-gespr-fr-sitzpltze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/herr-hashimotos-gespr-fr-sitzpltze\/","title":{"rendered":"Herr Hashimotos Gesp&#252;r f&#252;r Sitzpl&#228;tze"},"content":{"rendered":"<p>Wie vor Kurzem ja berichtet, gab es vom Internetfernsehbetreiber zattoo eine Einladung, doch mal bei deren Deutschland-Launch-Party vorbeizuschauen und das ein oder andere Getr\u00e4nk mitzunehmen. Das liessen wir investigativ angehauchten Teilzeitjournalisten uns nat\u00fcrlich nicht zwei Mal sagen und so kam es dann zu Folgendem.<br \/>22.10.2007, 21:30 Uhr Ballhaus Ost, Pappelallee 15, Berlin &#8211; Prenzlauer Berg.<br \/>Im Vorderhaus scheint ein Skandinavier wieder zu wenig Tageslicht abbekommen zu haben und deshalb ein seltsames Theaterst\u00fcck geschrieben zu haben, auf das wir sp\u00e4ter noch einmal eingehen werden. Durch den Hof, auf dem absolute Schweigepflicht herrscht, geht es ins Hinterhaus und an den Akkreditierungsstand von zattoo. Die Einladungen gingen an viele, doch nur, wer sich auch auf diese Mail zur\u00fcck gemeldet hatte, sollte an diesem Abend Einlass gew\u00e4hrt bekommen. Ein Mann, der vermutlich sein gesamtes Studium damit retten konnte, dass er alle von seinem Prinzip Nadel\u00f6hr \u00fcberzeugen konnte, erkl\u00e4rte einer danebenstehenden Dame eben jenes in Bezug auf die EInlasskontrollen. Er sagte: &#8222;Das ist unser Nadel\u00f6hr&#8220;. Also einmal kurz vorstellig geworden, sich abstempeln lassen und weiter zu den beiden Damen, die mit ihren randvollen Prosecco-Tabletts den Durchgang nicht ganz versperrten, aber doch erschwerten. So n\u00f6tig haben wir es dann doch nicht, dass wir hier gleich mal zulangen, wir holen uns lieber ein Glas vom Tresen w\u00e4hrend grad niemand zuschaut. Und weil das Erste immer am schnellsten alle ist, noch eins hinterher. Noch wird wild aufgebaut und irgendwie will diese konstruierte Wohnzimmeratmosph\u00e4re mit Couchen auf dem Podest nicht ganz zur zweiten Version des Internets passen, aber der Gedanke dahinter hat sich ja nahezu aufgezwungen, deshalb ist das wohl auch verzeihlich. Da aber die Werkeleien so wirken, als wenn sie noch lange nicht abgeschlossen w\u00e4ren, wird das Glas gegen eine Flasche Augustiner getauscht und der Ballsaal gegen frische Luft. Auf der Pappelallee schon mal nach dem letzten fahrenden \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel gesehen und dabei festgestellt, dass einer der zattoo-Gr\u00fcnder (im Folgenden nur Herr Hashimoto) gerade erst mit einem Schwall euphorisierter Mitarbeiter aus einem Etablissement und also vom Abendessen kommt und somit wohl noch weitere Zeit bis zu einer offenen Ansprache bleibt.<br \/>Herrn Hashimoto und dem Haufen dann unauff\u00e4llig folgend geht es zur\u00fcck Richtung Ballhaus und kurz nach dem Eintreten der Truppe ein weiteres Spektakel. Echte Fernsehprominenz versucht sich in der Gro\u00dfstadt zu orientieren. Standesgem\u00e4\u00df mit der Taxe bis vor die Haust\u00fcr gefahren kommt der Kachelmann, steuert zielbewu\u00dft auf das Werk des Skandinaviers von oben zu und bittet um Einlass in die fiktive Klinik f\u00fcr Amnesiepatienten. Nach einem kurzen Gepl\u00e4nkel in Germanoenglisch geht es stramm weiter auf der Pappelallee, nur in falscher Richtung. Doch was ein echter Wetterkartenleser ist, der findet auch hier schnell raus, dass ausgeschaltete Lampen in geschlossenen Kneipen nicht ganz das sind, was man f\u00fcr den Abend gesucht hat. Also Kehrtwende und ab auf den Hof und durch und rein ins Vergn\u00fcgen. Lassen wir Herrn Kachelmann mal f\u00fcr den Moment beiseite und erw\u00e4hnen nur kurz, dass auch er uns sp\u00e4ter, nicht im Ringelpullover vor dem Klo in Konversationen vertieft (da gab es ihn auch und ich bereute, extra mein geringeltes Longsleeve ausgezogen zu haben), sondern noch viel sp\u00e4ter wieder begegnen wird.<br \/>Inzwischen ist es eine gute Stunde sp\u00e4ter als noch oben. Der Saal hat sich ansehnlich gef\u00fcllt, eine wenig talentiert erscheinende junge Dame hat mit einer Art Medleygesang begonnen und mit einem kleinen Trick (immer sch\u00f6n undeutlich sprechen) hat sich auch David hereinmogeln k\u00f6nnen. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Einlassdame: Wie hei\u00dft du?<br \/>David: David?<br \/>EInlassdame: David, wie weiter?<br \/>David: Meyer.<br \/>Einlassdame: Das ist ein sehr schwieriger Name. (Und sie notiert irgendetwas ausserhalb der normalen Felder, der Stempel wird aufgedr\u00fcckt und Einlass gew\u00e4hrt.)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Wir besorgen uns Schl\u00fcsselb\u00e4nder 2.0 und Biere, setzen uns auf das Podest und greifen auch mal eine Schmalz- und ein Salamistulle ab. Der Gesang der Dame von vorhin wird besser. Und das ganz objektiv, denn ihr \u00c4u\u00dferes hat sich durch den Alkoholkonsum nicht verbessert, Beweis also angetreten, sie scheint sich warm gesungen zu haben. Nur mit der Stimmungsmache klappt es nicht so gut, ein Gl\u00fcck, dass ihr einziger Versuch in dieser Richtung auch ihre letzten Worte an das Publikum waren &#8222;Und jetzt noch viel Spasssss&#8230;&#8220; kommt einfach mal genau so gut an wie &#8222;Seid ihr alle da&#8220; und &#8222;Ich will eure H\u00e4nde sehen&#8220;, schwierige Gew\u00e4sser also.<br \/>Jetzt ist also Zeit f\u00fcr Herrn Hashimoto, noch einmal auf den Plan zu treten. Ein paar warme englische Worte, ein L\u00e4cheln und die Erkenntnis, dass ich nicht mehr wei\u00df, was er gesagt hat, da kann nicht viel Substanz dahinter gewesen sein. Der Schweizer danach, der sich mit den Worten &#8222;Ich bin Schweizer&#8220; vorstellte konnte da immerhin noch eine Pointe bringen. Wir w\u00e4ren von einem Peer-to-Peer- zu einem Bier-to-Bier-Netzwerk gekommen, drei Leute schaffen es nicht, sich nicht auf die Schenkel zu klopfen und ab daf\u00fcr. Das war der zattoo-Launch von offizieller Seite. Nichts weiter, keine Pr\u00e4sentation, keine Slideshows, kein Internet im ganzen Haus, irgendwie so etwas wie nichts. Das hatten wir uns dann doch irgendwie anders vorgestellt, aber warum auch etwas bewerben, was alle Anwesenden ja schon eine Weile kennen?<br \/>Da der Abend aber noch nicht zu Ende war und inzwischen auch ein leidlich talentierter Mensch ein paar Schallplatten \u00fcber sein iTunes laufen lie\u00df, machten wir es uns auf einem weichen Hocker bequem, bevor es auf die Empore ging. Herr Hashimoto hatte sich inzwischen ein neues Getr\u00e4nk geben lassen und schw\u00e4nzelte ein wenig durch die Gegend auf der Suche nach einem Sitzplatz, der ihm jedesmal mit den Worten &#8222;Nee, da sitzt schon wer&#8220; verwehrt wurde. Er l\u00e4chelte daraufhin und ging wieder seines Weges, doch uns brach es das Herz, wir wussten, wenn wir nichts f\u00fcr ihn tun w\u00fcrden an diesem Abend, dann w\u00fcrde es niemand tun. Oben angekommen waren dann ein paar St\u00fchle und Tische aufgebaut, Tischdecken aufgezogen und anscheinend der Nachwuchs der zattoo-Macher mit Alkoholschem versorgt worden. Das war ein sehr trauriger Anblick. Ein halber Hahn in ein zu gro\u00dfes Sakko gesteckt checkte mit dem hobbym\u00e4ssige Max Buskohl-Double nach jedem unfallfrei herausgebrachten Wort. Und als sich auch noch unproportionierte Heranswachsende mit an den Tisch gesellten begann der Balztanz, wurden Getr\u00e4nke geholt und knieend serviert. Wenn man sich jetzt schon schwer vorstellen konnte, wie sagenhaft h\u00e4\u00dflich die dazugeh\u00f6rigen Eltern aussehen mussten, verbot sich jedweder Gedanke an eine Paarung dieser Opferanoden vom Nachbartisch. Deshalb traten wir lieber die Flucht auf die Couch an und David konnte Herrn Hashimotos Abend retten, als er ihn an der Bar anstehend nach weiteren Promo-T-Shirts befragte und dieser sich bedauernd entschludigen musste, sie h\u00e4tten leider nicht gen\u00fcgend einstecken.<br \/>F\u00fcr uns wurde es jetzt langsam Zeit, die Segel zu streichen, also s\u00e4mtliche Habe geschnappt und wieder die Treppen hinunter, um an der unteren Bar noch eine fl\u00fcssige Wegzehrung abzugreifen. Diese habe ich dann leider wenige H\u00e4userecken sp\u00e4ter aus meiner Hand auf den Boden gleiten lassen, wo sie zerschellte, aber \u00fcber einen Mangel an Bier kann ich mich an diesem Abend ja nun wirklich nicht beschweren.<br \/>Einer der letzten Eindr\u00fccke, wie mir Tags darauf klar wurde, war dann noch einer der traurigsten an diesem Abend, vielleicht noch trauriger als Herrn Hashimotos Stuhlungl\u00fcck. Auf jeder Party gibt es zu \u00e4usserst fortgeschrittene Stunde immer ein Paar oder eine Gruppe, die mit einer unglaublichen Zielstrebigkeit an der absolut beschissensten Ecke der Lokalit\u00e4t die \u00c4rsche parkt. Beschissen nicht nur, weil diese Stelle mit im Weg ist und man also immer beinahe \u00fcber diesen Haufen aus Mensch klettern muss, beschissen auch und vor allem, weil es die Ecke ist, in der sich a<br \/>\nusgesch\u00fcttete Getr\u00e4nke und Zigarettenreste zu sammeln flegen. Und genau in dieser Ecke und dieser Menschenverkettung sa\u00df jetzt der arme Herr Kachelmann und versuchte an ein Getr\u00e4nk geklammert einer bizzaren weiblichen Gestalt etwas zu erkl\u00e4ren. Wor\u00fcber sie sprachen, keine Ahnung, es wird vermutlich nicht das Wetter gewesen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie vor Kurzem ja berichtet, gab es vom Internetfernsehbetreiber zattoo eine Einladung, doch mal bei deren Deutschland-Launch-Party vorbeizuschauen und das ein oder andere Getr\u00e4nk mitzunehmen. 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