{"id":137,"date":"2007-11-24T19:20:02","date_gmt":"2007-11-24T17:20:02","guid":{"rendered":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/?p=137"},"modified":"2007-11-24T19:20:02","modified_gmt":"2007-11-24T17:20:02","slug":"der-vermeintliche-weg-ins-glck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/differentialdiagnose.gerndesign.de\/index.php\/der-vermeintliche-weg-ins-glck\/","title":{"rendered":"Der (vermeintliche) Weg ins Gl&#252;ck"},"content":{"rendered":"<p>Da es dieser Tage wieder einmal einen richtigen Batzen Geld im staatlichen Lotto zu gewinnen gibt (und wir trotz aller guten Vors\u00e4tze und bem\u00fchter Zahlenmystiken und Geburtsdatenpr\u00fcfungen vergessen haben, zu tippen), jetzt noch ein Klassiker aus dem Hause Differentialdiagnose. Die Geschichte von unserem vermeintlichen Weg ins Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie so viele vor uns und vermutlich auch noch viel mehr nach uns, kamen wir eines Tages auf die Idee, dass ein probates Mittel aus der Armut ein \u00fcberraschender Gewinn in der Staatslotterie sein k\u00f6nnte. Und weil wir nicht dumm sind, dachten wir uns, spielen wir erst mit, wenn es wirklich viel zu gewinnen gibt. Und das gab es dann auch. 37,6 Mio. \u20ac. Das ist gar nicht so leicht mal eben ausgegeben, auch nicht, wenn man das Ganze auf drei aufteilt. Naja, dachten wir uns, \u00fcber den Kampf ist noch fast jeder ins Spiel gekommen. Und wir ahnten auch noch nicht, dass sich die Frage relativ schnell erledigt haben, als wir Samstag Abend beieinander sa\u00dfen und uns fragten, warum Franziska Reichenbacher eigentlich so perfide grinsen muss, wenn sie die drei Maschinen anmoderiert, die die paar B\u00e4lle da durcheinanderwerfen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es bei uns von der ersten gezogenen Zahl an richtig schei\u00dfe lief. Aber irgendwie kamen dann doch zwei zusammen, die irgendwie richtig waren und die Aufregung stieg. Zumindest bei der Couchfraktion mit direktem Blick auf den Spielzettel. Und denn kam es so, wie es kommen musste, noch eine Zahl war richtig und Freude gro\u00df, weil das ja die Zusatzzahl war und die Zusatzzahl, das wei\u00df jedes Kind, gibt noch mal richtig Knete dazu. Jetzt mag der aufmerksame Leser und erfahrene Lottospieler hier schon mal insistieren und aufschreien, mit den Armen rudern und irgendwie das Mikrofon an sich rei\u00dfen wollen, weil &#8230; na weil Pustekuchen, sagen wir hier noch nicht, weil es ja Leute gibt, die wie wir sind und mit denen sind wir dann unten. Naja, das haben wir zumindest fr\u00fcher immer versucht, uns zu vergewissern, aber wer will eigentlich unten sein? Ist unten nicht immer da wo die Lottomillion nicht ist und sowieso, es wurde ja auch Herbst und dann ist es unten kalt und dunkel. Auf jeden Fall war das dann so, dass wir ja schon gro\u00dfe Pl\u00e4ne hatten oder nach der Ziehung machten, aus heutiger Sicht kann das keiner mehr so genau sagen und wenn doch, dann zumindest nicht ich, und haha, das Problem ist ja, dass ich das hier schreibe. Ja. Also es sollte eine sch\u00f6ne Schiffsreise auf der Spree dabei f\u00fcr uns rumkommen, sollten ja auch mal schlappe 30 Eier werden, die einem da auf die Kralle gelegt werden. Wahlweise kann man drei\u00dfig Euro auch immer gut in zehn Portionen Curry\/Pommes Schranke (ab hier dann nur noch CPS, sp\u00e4ter bestimmt mal in einem Glossar nachzuschlagen) investieren. Man merkt also, die Pl\u00e4ne waren so vielseitig wie unklar, aber wen schert das, wenn man reich ist? Also reicher als wie zuvor. (Gibt es eigentlich eine goldene Regel f\u00fcr Leute, die \u201aals wie\u2019 sagen? Sowas in der Art von \u201aTrenne nie st, denn es tut ihm weh!\u2019? Ich w\u00e4re dankbar f\u00fcr Hinweise. Aber eigentlich war ich woanders. Ja, richtig.) Samstag Abend ist es, und wir sind Lottogewinner, im kleinen zwar nur, aber man beschwert sich ja nicht mehr. Das Problem ist jetzt nur, es ist Samstag Abend. Die Leute die vorhin schon alles verraten wollten, d\u00fcrften jetzt sogar mal frei schreien, denn Samstag Abend, das ist so ziemlich der absolut beschissenste Zeitpunkt f\u00fcr jeden, der Geld gewonnen hat, weil man a. nicht wei\u00df wie viel und b. viel schlimmer, schon mal gar nicht an das Geld herankommt. Irgendjemand kam n\u00e4mlich auf die glorreiche Idee, zu bestimmen, dass die Lottoangestellten sonntags nicht arbeiten d\u00fcrften und da h\u00f6ren die nat\u00fcrlich drauf und dann eiert der Computer da im dunklen K\u00e4mmerchen die Zahlen durch und erst am Montag Nachmittag darf man dann erfahren, wie die Quoten aussehen und wie viel dabei rumkommen w\u00fcrde und so weiter. Lassen wir also mal den durchaus warmen Moment in einer kalten Nacht, als drei junge M\u00e4nner unter sternenklarem Himmel beieinander sa\u00dfen beiseite und auch den darauf folgenden Sonntag. <br \/>______________________________________________________________ <br \/>Diese Linie w\u00e4re nicht nur genau richtig, um einen Fortsetzungsroman zu trennen und so die Ums\u00e4tze zu erh\u00f6hen, indem man die Leser dazu zwingt sich noch eine Ausgabe zu kaufen, diese Linie bedeutet auch, dass hier meine eigentlichen Notizen aus dem Herbst letzten Jahres enden. Dadurch begebe ich mich auf Glatteis, denn ab jetzt wird wirklich rein aus dem Ged\u00e4chtnis erz\u00e4hlt und <em>wenn<\/em> ich mich an etwas erinnere, dann wie es im Film hei\u00dft, h\u00e4ufig lieber auf meine Art als so, wie die Dinge wirklich passiert sind. Man verzeihe mir also Ungenauigkeiten und genie\u00dfe das hier als eine Geschichte, eine Fabel oder auch moralinsaure Erz\u00e4hlung. <br \/>______________________________________________________________ <br \/>Es ist also inzwischen Montag Nachmittag und der Computer hat treu das Wochenende durchgearbeitet, Zahlen und Gewinner ausgegeben und sich sicherlich auch unsere Quote zurechtgelegt. Also trafen wir uns, um gemeiniglich unseren Gewinn einzustreichen. Wir waren komplett ausger\u00fcstet und hatten sogar eine Kamera dabei, um die strahlenden Gesichter auf unserer Seite und das weinende Auge des geschr\u00f6pften Tabak- und Lottoverk\u00e4ufers nahtlos dokumentieren zu k\u00f6nnen. Also auf zum Atem, rein in den Laden, reich wieder raus. Der angestellte Weizenbiertrinker nahm unseren Spielschein entgegen, wir z\u00fcckten die Kamera und &#8230; Zackkkk! <\/p>\n<p>&#8222;Na, da habt ihr ja &#8217;nen richtigen Fahrschein geschossen!&#8220;<\/p>\n<p>schallte es uns entgegen. Unverst\u00e4ndnis auf unserer Seite und die Erkl\u00e4rung, die folgte. Wir hatten zwei Richtige und die Zusatzzahl, das sind drei Zahlen, soweit richtig. Gewinne gibt es aber erst ab, wie es hei\u00dft, drei Richtigen mit Zusatzzahl. Hierbei bedeutet mit nicht mit sondern plus und das muss einem doch erst mal gesagt werden. Sp\u00e4testens jetzt war es doch ganz gro\u00dfe Schei\u00dfe, den Schein nicht versch\u00fcchtert bei einem unbekannten Gesicht abzugeben, sondern gro\u00dfspurig bei einer Pappnase, die man so ziemlich jeden Tag sieht.<br \/>Und das war dann so ziemlich das Ende vom Lied. Von dem Tag an ging es mit unseren Lottoerfolgen kontinuierlich bergab, es gab keine zwei Richtigen in einer Reihe mehr, wir waren dazu \u00fcbergegangen, mit sinnlosen Zahlenkombinationen so wie beinahe alle anderen auch den Jackpot in die H\u00f6he zu treiben und nichts einzustreichen. Und jetzt sind 26 Mio. \u20ac im Jackpot und wir haben nicht einmal mehr einen Spielschein abgegeben. Da sind einem die Konsequenzen doch beinahe bewu\u00dft: Kurz nach 19:55 Uhr wird in einer unserer drei Nachbarwohnungen das Knallen von Sektkorken zu h\u00f6ren sein und das allzu nahe Gl\u00fcck wird in der N\u00e4he bleiben und doch so fern. Man untersch\u00e4tze nie die Macht der Redensarten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da es dieser Tage wieder einmal einen richtigen Batzen Geld im staatlichen Lotto zu gewinnen gibt (und wir trotz aller guten Vors\u00e4tze und bem\u00fchter Zahlenmystiken und Geburtsdatenpr\u00fcfungen vergessen haben, zu tippen), jetzt noch ein Klassiker aus dem Hause Differentialdiagnose. Die Geschichte von unserem vermeintlichen Weg ins Gl\u00fcck. 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