Differentialdiagnose

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und nichts als die Wahrheit

Das einzig Richtige

Mit nackten Nachbarn ist es ein wenig wie mit Unfällen, die Vernunft sagt einem, dass man nicht hingucken sollte, aber man muss es doch immer wieder tun.

Insbesondere an einem so heißen Tag wie heute und dann, wenn die Nachbarn das einzig Richtige tun. Während mein Wetter-Widget mir 30°C, mit der Option auf drei weitere Grade, anzeigt, sitzen meine ohnehin freizügige Nachbarin aus dem Vorderhaus und ihr Derzeitiger splitterfasernackt in ihrer Küche. Dazu gibt es Kaffee und Zigaretten. Beides seltsam, bedenkt man, dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht und Zigaretten in der Hitze einfach das mit Abstand Widerlichste sind, das man sich antun kann. Aber vielleicht gleicht Nackheit sowas aus.

Für ihr, von mir angenommenes, Alter ist sie unglaublich fit, mitunter mache ich mir glatt Sorgen, dass sie etwas mangelernährt sein könnte. Er hingegen präsentiert ein stolzes Bäuchlein und eine fliehende Stirn. Da sage mal noch einer, dass Männer mit dem Alter nur gewinnen können. Aber ich finde unbekleidete Männer eh wenig ansehnlich. Gerade im freischwingenden Bereich zwischen den Beinen ist es schwer, einen ästhetisch ansprechenden Wert zu finden. Aber sei es, wie es sei. Ganz offensichtlich hat sie ja Gefallen daran gefunden und wenn sie ihm etwas am Morgen bietet, warum soll er sich da nicht revanchieren?

Zwei nackte Menschen, 20 Meter Luftlinie von einem entfernt, und kein Anzeichen, dass sie einen bemerken würden, das fühlt sich ein wenig wie Pornokino an, auch wenn ich da wieder der blinde von der Farbe rede. Muss man eigentlich mal in einem Strip-Club und Pornokino gewesen sein? Gibt es gute oder ist das wie in meiner Klischeevorstellung zumeist total versifft und eine reine sausage party?

Mein Programm am Küchenfenster jedenfalls ist maximal ein Stummfilm-Porno, was in Anbetracht der zumeist wenig talentierten Dialog-Schreiber sicherlich als Vorteil dieses Szenarios zu werten ist. Obwohl natürlich legendäre Zitate längst den Weg in den Alltag gefunden haben (siehe: »Warum liegt denn hier Stroh?«).

Inzwischen habe ich wieder einige Minuten der Vorführung verpasst, aber es wirkt nicht so, als hätte die »Handlung« schon begonnen oder als würde in der nächsten Zeit überhaupt noch etwas passieren, ist ja auch irgendwie zu heiß, selbst dafür.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr kommt mir das hier wie Pornokino für Mädchen vor, denn die beiden scheinen sich tatsächlich zu lieben. Eine Hochzeit ist bei der Länge der Zeit, die die beiden schon zusammen zu sein scheinen auch nicht mehr vollkommen ausgeschlossen. Aber was weiß ich schon über die beiden, vielleicht sind sie ja bereits verheiratet, ein wenig ist das auch egal. Man will ja nicht vom Spanner zum Stalker werden.

Street Name Art

Einem urbanen Künstler passt es zunehmend immer weniger, wenn man ihn Street Artist nennt. Der Begriff grenzt die Vielseitigkeit der künstlerischen Betätigungsfelder zu sehr ein. Wo aber passt die Bezeichnung »Street Art« besser, als wenn es um Straßen, ihre Namen und deren Beschilderung geht? Rund um den Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg findet sich diese Kunst zunehmend, im wahrsten und doppelsten Sinne des Wortes, Witzes und Wortwitzes.

Ich weiß nicht, wie lange es diese Menge an überarbeiteten Straßenschilder schon gibt, die »Träumerstraße« habe ich allerdings schon vor ein-zwei Wochen gesehen. Dass aber inzwischen fast jede der angrenzenden Straßen einen alternativen Namen bekommen hat, war mir neu. Dank eines Hinweises meiner Eltern konnte ich aber heute noch eine Runde mit dem Rad drehen und ein paar Bilder davon machen.

Und so ging es dann…

traeumermoehren.jpg
die »Träumerstraße« entlang, vorbei am »Möhren Salat«…

traeumerflunker.jpg
…über die die »Flunkerstraße« hinweg…

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…vorbei an der »Schneemannstraße« und rund um den Helmholtzplatz…

koketteschneemann.jpg
…zur »Kokettestraße« und wieder zurück…

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…weitere lustige Schilder suchend auf der »Zappelallee«…

flunkerstargate.jpg
…um nach etwas erfolgloser werdender Suche noch mit der »Flunkerstraße/Stargate Straße« versöhnt zu werden.

Eine sehr schöne Idee also, die leider ein wenig an der etwas stümperhaften Umsetzung scheitert. Schriftarten und -größen passen nicht ganz zu den Schildern und die weißen Aufkleber heben sich etwas zu stark von den doch schon angegrauten Tafeln ab, so dass nur für einen kurzen Augenblick der Eindruck entstehen kann, jemand könnte tatsächlich auf die Idee gekommen sein, den Straßen solch seltsame Namen zu geben.

Abgesehen von der sehr gedrängten »Schneemannstraße« und der nicht so lustigen »Kokettestraße«, die man ja auch einfach »Nettestraße« hätte nennen können, waren ein paar schöne Ideen dabei, von denen »Zappelallee« und »Flunkerstraße« sicherlich die besten sind. Warum allerdings noch niemand die Danziger Straße in »Ranzige Straße« umgetauft hat, bleibt mir unerklärlich.

Niemand nennt den Wasserturm »Dicker Herrmann«

Ich habe nichts gegen Schwaben.
Ich habe nichts gegen Mate-Trinker.
Ich habe nichts gegen Gelegenheits-Kiffer.
Ich habe nichts gegen Menschen, die ihre Steuerklärung machen.
Ich habe nichts gegen Menschen, die im Ausland nicht ans Telefon gehen, weil das zu teuer ist.
Ich habe ein wenig was gegen Menschen, die sich so laut unterhalten, dass sie meinen mobilen Musikabspieler übertönen.
Auch Menschen, die sich übermäßig distinguiert geben finde ich zumindest bedenklich.

All diese Menschen für sich genommen sind wunderbar auszuhalten, kommt aber all dies in einer Person zusammen, versammelt ein Mensch all diese Übel in sich, vom Schlechtesten das Beschissenste, dann, ja dann möchte ich manchmal von einem Recht Gebrauch machen können, das mir qua meiner über 20 Jahre in diesem Bezirk zustehen müsste und diesen laut Scheiße erzählenden, kiffenden, Freunde wegen der Steuerklärung meidenden, im Ausland nicht telefonierenden weilsch so deuer isch, möchtegerndistignuierten, Mate-saufenden, pseudointellektuell flachwichsenden Vollpfosten einen zumindest temporären Platzverweis erteilen können. Wahlweise gäbe ich mich auch mit einer Ecke zufrieden, in die sie sich für fünf Minuten zum Schämen stellen müssten.

Verdammt, wie deutsch von mir #1

Es gibt Momente im Leben, da schämt man sich für sich selbst, es gibt Momente, da schämt man sich für andere und für alles andere gibt es Mastercard. Für die auch nicht sehr seltenen Augenblicke, in denen man sich statt für die eigenen Taten mal “nur” für die eigenen Gedanken schämt, gibt es jetzt die neue Reihe “Verdammt, wie deutsch von mir”.

Heute mit folgender Situation: Als die junge Mutter ihren VW Halbtransporter entgegen der Fahrtrichtung vor dem Café parkte ging mir ein “Na, das musste jetzt natürlich unbedingt sein” durch den Kopf.

Irgendwie platzwartig von mir.

In (beinahe) den Worten des Bundespräsidenten: Dafür schäme ich mich sehr.

Gottes Werk und Googles Beitrag

Am Mittwoch Abend war ich in der Böll-Stiftung, um mir ein Podiumsgespräch zum Thema Leistungsschutzrechte für Verlage unter obigem sehr plakativem Titel anzuhören.

Als einziger Vertreter der Verlagsseite saß dabei Christoph Keese, Chef der Öffentlichkeitsarbeit beim Axel Springer-Verlag, zwei (mit Moderator Matthias Spielkamp drei) ehemaligen bzw. noch aktiven Journalisten gegenüber und fand sich schnell in der Situation wieder, sich arg für jedes Wort rechtfertigen zu müssen. Da es ihm aber partout nicht gelingen wollte, zu erklären, was man sich unter Leistungsschutzrechten für Verlage vorzustellen habe und wie sich diese vom bereits bestehenden Urheberrecht der Autoren unterscheiden sollen, geschah ihm das vielleicht auch zurecht.

Den anderen Diskussionsteilnehmern, der freien Journalistin Eva-Maria Schnurr und dem Mitglied des Bundesvorstands der Grünen Malte Spitz wollte, wie auch dem Großteil des Publikums, nicht so recht klar werden, was die Verlage mit dem Leistungsschutzrecht meinen und verfolgen.

Während das Urheberrecht die kreative Leistung des Autoren schützt, soll es beim Leistungsschutzrecht um die organisatorischen und finanziellen Vorleistungen der Verlage gehen. Was aber sind diese Leistungen der Verlage? Woran kann man sie festmachen?

Im Gespräch zwischen Chrsitoph Keese und dem fünften Podiumsteilnehmer, Medienrechtsanwalt Till Jaeger, wurde relativ schnell klar, dass man diese zumindest nicht am Layout (der wohl offensichtlichsten Leistung des Verlages) festmachen kann. Nun stellt sich sehr schnell die Frage, inwieweit man denn überhaupt im Internet nachvollziehen könne, woher der Text eigentlich stammt, wenn er (bspw. durch Copy+Paste) nur noch im ASCII-Format vorliegt. Da die Zweit- und Drittverwertungsrechte nach wie vor bei den Autoren liegen und diese somit ihre Texte auch über ihre privaten Blogs anbieten können sei dies nicht mehr nachvollziehbar.

Es gehe den Verlagen, so Keese, um die gewerbliche Nutzung “ihrer” Texte, was sowohl Aggregatoren wie bspw. Google einschließt, aber auch jeden Arbeitnehmer, der sich die Texte auf der Arbeit ausdrucke, um sie für seinen Job zu nutzen. Dies solle in Zukunft nur noch auf Grundlage der Vergabe von Lizenzen möglich sein. Eine Idee, deren Umsetzbarkeit ohne Zuhilfenahme von Pauschalabgaben für jeden Betrieb ich hier stark in Frage stellen würde.

Was also dieses Leistungsschutzrecht sein soll, war auch nach dem Mittwochabend nicht klar, nur dass es sich um eine Art Lizensierungsmodell für Verlage handeln soll. Ob ein solches Modell tatsächlich gewünscht und praktikabel ist wird sich zeigen müssen. Für den Moment klingt es aber vielmehr nach einem verzweifelten Versuch der Alten Medien, sich ein Stück des Kuchens zurückzuholen, den die Neuen Medien ihnen durch die schnelleren Möglichkeiten des Web 2.0 abgenommen haben. In meinen Augen kann das nicht die Lösung für die Probleme der (Zeitungs-)Verlage sein, sie müssen andere und vor allem eigene Wege der Distribution und der Teilhabe an Anzeigenmärkten und Werbeerlösen finden.

Biste inne Stadt, wat macht dich da satt…

…’ne Currywurst. – Herbert Grönemeyer (siehe Youtube)

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Inzwischen sind es weniger als 320.000 Sekunden bis am Samstag, dem 15.08.2009 anläßlich des 60. Geburtstages der vielbesungenen Wurst das Deutsche Currywurst Museum Berlin eröffnet. Neben der Aufarbeitung der Geschichte der Currywurst (Hier wittere ich großen Streit mit der Hansestadt Hamburg darüber, wer denn nun wirklich zuerst da war. Man vergleiche hierzu auch Uwe Timms Buch “Die Entdeckung der Currywurst“!) kann man im Museumsimbiss wohl so manche Variation probieren. Insofern sollten wir hier vielleicht mal eine investigative Gruppenreise dorthin starten, nur vielleicht nicht gerade am Eröffnungstag, da wird ja auch wieder Fussball gespielt/geschaut.

Einzig mit dem Maskottchen scheint man mal wieder einen halben Griff ins Klo hingelegt zu haben, sieht dieses Wesen mit dem unsinnigen Namen QWoo doch eher wie scheiblierte Scheiße aus. Aber mit diesen Assoziationen muss man wohl leben, wenn man sich der Geschichte der Wurst verschrieben hat. Und ultimativ wird die Wurst ja wieder zu einer anderen Wurst. Wir erinnern uns an die Schule und den ersten Wursterhaltungssatz. Genauso gerne denke ich auch an den Schnellimbiss vor dem damals noch vorhandenen ehemaligen Palast der Republik, wo so mancher der Rückbauarbeiter sich dem klassischen Wurst-rein-Wurst-raus-Manöver hingab.

Mehr Informationen zur Ausstellung gibt es hier: www.currywurstmuseum.de

Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose…

In den Hip-Hop-schwangeren Zeiten unserer Jugend mussten wir uns von unseren Müttern anhören, unsere tief heruntergezogenen Hosen sähen aus, als hätten wir uns in die Hose gemacht. Eine, gerade aus heutiger Sicht, durchaus vertretbare Meinung. Nachdem unsere Beinkleider nun aber größtenteils wieder in Richtung Norden gewandert sind bleibt eigentlich nur festzuhalten, dass es damals wenigstens Hosen waren, die diese Produktbezeichnung noch verdient hatten. Schaut man sich dieser Tage auf den Straßen um, sind es nun die Mütter, die in ihren ultrabequemen baumwollenen Stretch- und Schlabberteilen in der Gegend herumspringen. Und dabei sehen sie nicht nur so aus, als trügen sie eine Portion Gulasch spazieren, sie wirken vielmehr als hätten sie das Einscheißen erfunden und zu einer olympischen Disziplin gemacht. Schon seltsam, wie sich die Zeiten ändern.

Sand im Schuh

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Jetzt, wo die Apachen neuer Weltmeister im StrandVölkerball 2009 sind empfinde ich es als meine Pflicht, deren “Nationalhymne” hier zu präsentieren. Ein paar leicht einzuübende Tanzschritte, die einem spätestens dann zum Vorteil gereichen, wenn man im nächsten Jahr den Versuch der Titelverteidigung verfolgen mag. Ansonsten steht man vermutlich in jeder gut sortierten Dorfdisko besser da, wenn man sich entsprechend bewegen kann.

Und so sieht das dann aus:

Your bag is by the police!

Sonntag Abend saß ich zu Hause und erwartete die Polizei. Ein Streifenwagen sollte kommen. Vorausgegangen war eine kurze Episode, die mich mit der Frage zurückgelassen hatte, wer denn bei solch komplizierten Vorgängen noch Interesse an aktiv gelebter Zivilcourage u.ä. haben sollte.

Zuvor sah es folgendermaßen aus: Ich kam nach Hause und sah bei mir im Hausdurchgang, dass dort eine Freitag-Tasche und ein blaues Holzfällerhemd lagen. Instinktiv und wie vermutlich so manch anderer habe ich diesen Haufen erst mal liegen gelassen, hätte ja auch sein können, dass dieser von jemandem nur kurz abgelegt wurde. Später wollte ich mich dann für nur ein paar Minuten, oder sagen wir eine halbe Stunde, an der Sonne auf dem Wasserturm erfreuen und ein wenig Relektüre von Knut Hamsuns “Hunger” betreiben. Ein ziemlich gutes Buch, dass bei meinem ersten Durchgang vor einigen Jahren ein konstantes Titel-Gefühl bei mir hervorrief und irgendwie eigentlich mehr eine Empfehlung für einen kalten und hungrigen Winter ist. Meine Flucht aus dem Hause und in die Sonne war dabei nicht nur einem verzweifelten Versuch geschuldet, für den Sommer schon ein wenig vorgebräunt zu sein, um dann nicht komplett zu verbrennen, wenn man mal den ersten Tag etwas länger in die kräftigere Sonne tritt. Auch das Frühlingsfest der Volksmusik des Ayurvedischen Zentrums im Nachbarhinterhof mit Zitherspiel und Probe-Lach-Yoga-Seminar trug seinen Teil dazu bei.

Nun ist es aber bei weitem nicht so, dass man in der Öffentlichkeit ungestörter ist als in den eigenen vollgelachten vier Wänden. Und so dauerte es dann auch nicht lang bis zwei seltsame Gestalten am Horizont auftauchten, um mir den Sonntag ein wenig mit ihrem Gefasel zu versüßen. Der Eine trug sein lockiges Haar per blauer Vollplasteschirmmütze an den Kopf geklatscht und dazu passend eine dieser großen Sonnenbrillen, während sein Kompagnon gerade frisch gekürter Sieger der Berliner Meisterschaften im Paul Potts Look-a-like-Contest der Filmstudentenbrillenträger geworden zu sein schien. Und so legte der Klatschhaarige los und erzählte seinem im Gespräch auf Ja’s reduziertem Gegenüber davon, dass er und seine Band ja eigentlich keine Vertriebsdeals mehr machen wollten, da dabei ja kaum was rumkäme und sie überhaupt dann auch eher Musik für die älteren Semester machen würden. Die Jugendlichen gingen ja eher so zu Emo-Veranstaltungen oder auch mal Indie, aber sie würden ja so soliden Rock machen. Ich gehe davon aus, dass sie sich dann sicher noch auf das ein oder andere committen konnten, um deals zu machen wo sie ihre forces joinen können…

Da haste dann die Brille auf und eh man sich’s versieht auch wieder die Schuhe an den Füßen und diese auf der Treppe, die in Richtung der einfachen Lacher führt.

Und um die Polizeianekdote noch zu einem Ende zu führen: Bei erneutem Eintritt in den Hausdurchgang lag das Paket noch unverändert da und da kam bei mir die Frage auf, wer denn der Besitzer dieses vermutlichen Häufchens Diebesgut sein mag und oh Wunder, es waren sogar Briefe von simyo und der Sparkasse aufgerissen dabei. Und wer trägt im Berliner Frühsommer ein blaues wollenes Karoholzfällerhemd wenn nicht ein Japaner aus der Memhardstraße? Den vermeintlichen Polizeibeamten vor der gegenüberliegenden Synagoge über meinen Fund informierend wurde ich mit neuem Wissen versorgt. Die grünen Menschen vor dem jüdischen Glaubenshaus sind keineswegs Beamte, sondern lediglich Angestellte und wenn man so einen Fund tätigt, dann ist man verpflichtet eine gewisse Telefonnummer der Berliner Polizei anzurufen, seine Angaben zu machen und auf den nächsten Streifenwagen zu warten. Das erschien mir dann doch wenig verhältnismäßig. Zumal ich ja dachte, dem guten Menschen dort einen Gefallen zu tun, indem ich ein wenig Action in den sonst so drögen Alltag des Beine-in-den-Bauch-Stehens bringe. Und auch wenn er mich darauf hinwies, dass ich das jetzt aber auch durchziehen müsse, da ich das ja gemeldet habe (bei wem eigentlich, wenn er gar kein richtiger Polizist ist?) ließ ich ihn stehen und zog ab. Aber nicht, um jetzt supercool das Ende meiner gutherzigen Pioniertätigkeiten bekannt zu geben, sondern um mir den Kopf von meinem Vater diesbezüglich waschen zu lassen und dann kleinlaut die Nummer aus dem Internet zu suchen, die mir der Angestellte vor der Synagoge schon reichen wollte, die ich ihm dann aber wieder zurückreichte.

Und das Ende der Geschichte: Zwanzig Minuten später standen ein Mann und eine Frau vor meiner Wohnungstür, für die es wieder typisch war, dass ich ja unbedingt im dritten Stock wohnen müsse und sie da hocheiern sollten (der gute alte Murphy!). Nach kurzem Gespräch fand der Eine eine Telefonnummer und reichte dann für die “englische” Gesprächsführung mit dem Japaner (der ein ähnliches Talent für diese Fremdsprache aufzubringen schien) am anderen Ende des Rohres an seine Kollegin weiter. Und was dann geschah spottet jeder Beschreibung. German Police’s English Skills. Wenn man am Ende des Studiums also so gar keine Ahnung hat, was man machen soll, dann vielleicht mal an den Innensenator wenden und in einer PowerPoint-Präsentation darlegen, warum man durchaus Potenzial im “international conflict and problem handling/solving” bei den Berliner Polizeibeamten sehe.

Sammelsurium: Sammelsurium, Bauarbeiter-Dekolleté, Kuttners Literarizität

All die Kurzlebigkeit und der twitter-Trend führen ja immer mehr weg von Blogeinträgen und der Motivation, mal ein paar mehr Zeilen zu schreiben. Da aber 140 Zeichen nicht immer genügen, um sich so richtig verständlich auszudrücken, ist es vielleicht angesagt, sich mal die Sammelsurium-Kategorie vom fscklog abzugucken, oder man schaut sich mal tumblr etwas genauer an. Fazit für den Moment: Mit der mobilen WordPress-App lässt sich einiges im kurzen Textbereich anstellen, nur Links anbringen wächst sich zu einer Schwierigkeit aus.
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Spricht man bei Frauen eigentlich auch von einem Bauarbeiter-Dekolleté? Und wenn nein, wie kann man das dann nennen, was jetzt mit der Schönwetterwelle wieder vermehrt bei den schwer bepackte Kinderwagen-schiebenden Müttern aus den Hosen rutscht?

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“[Judith] Herrmann ist ja wirklich Literatur, und ihre Zielgruppe zehn Jahre älter als die von Kuttner.” – Gerrit Bartels / Der Tagesspiegel, 02.04.2009 [meine Hervorhebung]

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